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Twitterer berichten von ihren Erfahrungen mit der US-Polizei

Twitterer berichten von Erfahrungen mit der US-Polizei : Gegängelte Schwarze und kriminelle Weiße ohne Strafe

Die Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA wollen nicht enden. Auch im Netz gibt es abermals Protest. Diesmal erzählen Schwarze, wie sie – vor allem von der Polizei – drangsaliert wurden. Und Weiße erzählen, welche Vergehen Polizisten ihnen durchgehen ließen.

Die Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA wollen nicht enden. Auch im Netz gibt es abermals Protest. Diesmal erzählen Schwarze, wie sie — vor allem von der Polizei — drangsaliert wurden. Und Weiße erzählen, welche Vergehen Polizisten ihnen durchgehen ließen.

Erst Michael Brown, dann Eric Garner. In beiden Fällen starben die schwarzen US-Amerikaner durch weiße Polizisten. Im ersten Fall durch Schüsse, im zweiten durch einen Würgegriff. Doch die Grand Jury entschied jedesmal, keine Anklage gegen die Polizisten zu erheben. Und so gehen in den USA — wie schon in den Wochen zuvor — die Menschen wieder auf die Straße, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren.

Auch die US-Medien beherrscht das Thema. Statistiken werden herangezogen, nach denen Schwarze überproportional oft kontrolliert, vor Gericht gestellt und verurteilt werden. Zum anderen gibt es kaum Fälle, in denen Beamte für Gewalt zur Rechenschaft gezogen werden. Der "New York Times"-Kolumnist Nicholas Kristof kommentierte: "Wir als Nation müssen mit dem Thema Rasse ringen, weil die Beweise überwältigend sind, dass rassistische Vorurteile tief in dem amerikanischen Leben verankert bleiben."

Dass dem so ist, zeigen auch Internetuser seit der Entscheidung der Grand Jury im Fall Garner. Gleich zwei neue Hashtags zu dem Thema dominieren den Kurznachrichtendienst Twitter. Unter #alivewhileblack (am Leben geblieben als Schwarzer) erzählen Afroamerikaner, wie sie vor allem von Polizisten drangsaliert wurden. Und weiße Amerikaner berichten unter #crimingwhilewhite (Verbrechen begangen als Weißer), was ihnen Beamte haben durchgehen lassen — und suggerieren dabei, dass es ein Schwarzer in ihrem Fall sicherlich nicht so leicht gehabt hätte.

@JamilahLemieux I stopped to ask a cop for directions. He didn't let me approach and kept his hand on his firearm #alivewhileblack

"Ich hielt an, um einen Polizisten nach dem Weg zu fragen, Er ließ mich nicht herankommen und hielt seine Hand an seine Waffe", schreibt etwa diese Userin. Ein Twitterer schreibt, er sei einmal mit 30 weißen Leuten an einen See gefahren. Diese seien am Strand Auto gefahren. Als die Polizei gekommen sei, sei er der einzige gewesen, dem man Handschellen angelegt habe. Ein anderer schreibt, dass er einmal zwei Stunden in einem Polizeiwagen festgehalten worden sei, weil er "verdächtig" ausgesehen habe.

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Polizeikontrollen in Autos scheinen immer wieder Anlass für Ärger zu geben. So schreibt ein Twitterer, dass er einmal mit seiner Mutter im Auto saß, als sie angehalten wurden. Der Polizist habe seine Mutter für eine Weiße gehalten und ihn nach seinen Papieren gefragt — "zu ihrem Schutz", wie er gesagt haben soll. Und dann ist da noch die junge Frau, die berichtet, wie sie nach einer Party morgens um zwei Uhr auf den Bus gewartet habe. "Polizisten verhafteten mich wegen Prostitution. Ich war 17", schreibt sie.

Snuck out of the house to go to a party. Waiting for a bus to get home at 2 AM, cops detain me for prostitution. I was 17. #AliveWhileBlack

Immer wieder sind auch Beispiele von Usern zu lesen, die selbst Opfer von Gewalt geworden waren, von Polizisten aber nicht ernst genommen wurden. Zudem schreibt eine junge Frau, dass sie einmal verhaftet worden sei, weil sie sich an ein Polizeiauto lehnte, um ihre Schuhe zuzubinden.

Unter dem Hashtag #crimingwhilewhite sind dagegen Beispiele von mitunter härteren Vergehen zu lesen, die von den Beamten allerdings nicht geahndet worden waren. So schreibt ein User, dass er einmal mit Kumpels laut auf der Straße herumkrakelt habe. Als die Polizei gekommen sei, seien sie alle weggerannt. In Gewahrsam seien schließlich nur seine schwarzen Freunde genommen worden. Ein anderer schreibt, dass er im Alter von 13 Jahren mit Freunden ein Auto gestohlen habe. Zwei Wochen sei er damit herumgefahren. Doch nur einer sei angeklagt worden: der schwarze Freund.

I was driving a car with a rejected sticker, no license, registration, any ID and a headlight out. Cops let me drive home #crimingwhilewhite

Auch im obigen Beispiel spielt eine Polizeikontrolle eine Rolle. Trotz fehlender Papiere und eines kaputten Scheinwerfers habe ihn der Polizist nach Hause fahren lassen, schreibt der User. Ein anderer schreibt, wie er bei einem Festival offen Bier getrunken habe (was in den USA verboten ist). Ein Polizist habe ihn gebeten, es wegzuwerfen. Da habe er es auf einmal ausgetrunken — und der Beamte habe nur gelacht. Andere schreiben von Ladendiebstählen, die nicht geahndet worden sind oder vom Rauchen in der Öffentlichkeit, wofür sie nur eine Verwarnung erhalten hätte.

Es sind aber auch immer wieder Beispiel darunter, die sich auf die aktuell in den USA diskutierten Fälle beziehen.

I played loud music, sagged my pants, drove, walked down the street, wore a hoodie, put my hands in my pocket #crimingwhilewhite @tjslater

So schreibt dieser User, wie er laut Musik hörend mit tiefsitzender Hose die Straße heruntergelaufen sei. Auch ein Kapuzenshirt habe er getragen und die Hände in den Taschen gehabt — eine Anspielung auf Kleidung und Verhaltensweisen, die etwa Michael Brown zum Verhängnis worden. Ein anderer berichtet, dass er getrost mit einer Spielzeugpistole in seiner Gegend herumlaufen könnte — eine Anspielung auf den Zwölfjährigen, der wegen einer solchen Pistole ohne Vorwarnung von der Polizei erschossen worden war.

Es gibt übrigens noch einen Hashtag, über den User ihren Unmut äußern und der auch bei den Protesten auf den Straßen zu sehen ist: "Ich kann nicht atmen". Es sind die letzten Worte, die Eric Garner sprach, nachdem er von dem Polizisten gewürgt worden war.

Hier geht es zur Bilderstrecke: USA: Vier Fälle stehen für Polizeigewalt gegen Schwarze

(das)