1. Digital
  2. Internet

Selbstzensur für Kurznachrichten: Twitter-Filter sorgt für Aufregung im Netz

Selbstzensur für Kurznachrichten : Twitter-Filter sorgt für Aufregung im Netz

Die Ankündigung vom Kurznachrichtendienst Twitter, einen länderspezifischen Nachrichtenfilter einzuführen, ist eine von zahlreichen Veränderungen seit dem Start der Seite im Jahr 2006. Warum aber ist dieser Änderung so gravierend? Die Twitter-User sind empört.

Seit dem Start von Twitter hat sich nicht nur das Layout der Seite gehörig verändert, auch einige neue Funktionen sind in den letzten Jahren dazu gekommen. War der Kurznachrichtendienst anfangs noch recht spartanisch und undurchsichtig für nicht sehr versierte Internetnutzer, entwickelte sich der Microblogging-Dienst immer mehr zum massentauglichen sozialen Netzwerk.

Mit der neuesten Änderung sollen in einzelnen Ländern ungesetzliche Inhalte entfernt werden. Dem Unternehmen zufolge wolle man dabei länderspezifische Beschränkungen berücksichtigen. Für die Nutzer werde es bei geblockten Meldungen allerdings einen Hinweis geben, um die nötige Transparenz, die andere Mitbewerber zum größten Teil ignorieren, zu wahren. "Wir versuchen, Inhalte zu bewahren, wann und wo immer es uns möglich ist", erklärte das Unternehmen. "Und wenn es uns nicht möglich ist, werden wir transparent mit den Nutzern sein."

Als Beispiel nennt Twitter etwa das Ausblenden von nationalsozialistischen Inhalten in Ländern wie Deutschland oder Frankreich, wo diese Inhalte als illegal angesehen werden. Dadurch sichern sich die Betreiber der Seite rechtlich ab, denn sobald der Dienst in einem Land aktiv ist, können die Mitarbeiter für gesetzeswidrige Inhalte haftbar gemacht werden.

Revolution im Internet

Im Umkehrschluss bedeutet eine solche Zensur aber auch eine Abhängigkeit von den gesetzlichen Rahmenbedingungen in einzelnen Ländern. In restriktiven Ländern, wie etwa Syrien, würde dann der politische Apparat ganz einfach entscheiden können, welche Inhalte das Volk sehen darf und welche nicht.

Für Twitter hat diese Änderung aber auch einen praktischen Nutzen. Dadurch wird nämlich der Zugang zu Ländern wie etwa China, wo regelmäßig Internetseiten wegen ungeeigneter Inhalte abgeschaltet werden, erheblich erleichtert. Werden die Nachrichten nach den dort herrschenden gesetzlichen Vorgaben gefiltert, würde sich Twitter auch auf diesem schwierigen Markt platzieren können.

Ein Aufschrei geht durchs Netz

Auf die Ankündigung von Twitter folgte ein Aufschrei im Netz. Schnell wurde #twittercensorship zum Trending Topic: Das Thema gehörte zu den meist gesuchten und diskutierten beim Microblogging-Dienst. Viele Twitter-Nutzer sehen ihre Rede- und Informationsfreiheit eingeschränkt.

"Wenn wir in der Welt mit persönlicher Freiheit leben, warum bestraft ihr uns dann mit immer weiteren Einschränkungen, die unsere Freiheit behindern?", fragte etwa ein Nutzer. Viele sind empört und drohen an, ein anderes Medium als Sprachrohr zu benutzen.

Andere Twitter-User rufen bereits zum Boykott auf. Ein vermeintlicher Account der Gruppierung Anonymous etwa rief zum #TwitterBlackout auf. "Ich werde am Samstag, den 28. Januar den ganzen Tag nicht twittern", schreiben sie und fordern ihre Follower auf, mitzumachen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist das neue Twitter

(sap)