Total digital KI braucht Kontrolle

Meinung · Ein Blick auf die aktuellen Turbulenzen bei dem KI-Konzern Open AI sollte uns die Haare zu Berge stehen lassen. Mächtige Technologien müssen von der Gesellschaft überwacht werden. Aber wie?

 Gewinner des Machtkampfs beim KI-Vorreiter Open AI („Chat GPT“): Der alte und neue Chef Sam Altman.

Gewinner des Machtkampfs beim KI-Vorreiter Open AI („Chat GPT“): Der alte und neue Chef Sam Altman.

Foto: dpa/Sven Hoppe

Im Silicon Valley zeichnet sich ein beunruhigendes Bild ab: Tech-Milliardäre wie Marc Zuckerberg, Elon Musk oder jüngst Sam Altman von Open AI herrschen über Technologien, die nicht nur Fortschritt, sondern unvorstellbare Gefahren in sich bergen. Ein Blick auf die aktuellen Turbulenzen bei dem KI-Konzern Open AI sollte uns die Haare zu Berge stehen lassen.

Das Kontrollgremium, dessen Aufgabe es war, aufzupassen, dass die künstliche Intelligenz nicht außer Kontrolle gerät, existiert nicht mehr. In einem Machtkampf behauptete sich der eben noch geschasste Firmenchef Altman gegen den eigenen Verwaltungsrat und ersetzte das Gremium durch Personen, die, wie er, die Arbeit an der KI ungebremst vorantreiben wollen. Und das, obwohl sich Wissenschaftler wie Entwickler einig sind, dass die KI eine gewaltige Waffe darstellen könnte, mächtiger noch als die ­Atombombe.

Wir stehen an der Schwelle einer Ära, in der nicht demokratisch legitimierte Unternehmer das Potenzial haben, mit ihren Plattformen und Produkten Demokratien zu untergraben, die ganze Menschheit zu vernichten. Die Politik – technologisch traditionell ein Langschläfer – hinkt dieser rasanten Entwicklung hinterher. Während im Silicon Valley täglich neue Fakten geschaffen werden, diskutiert der deutsche Bundestag, ob es nicht Zeit wäre, die hausinterne Fax-Kommunikation abzuschaffen. Die KI – demnächst gepaart mit Quantencomputern – ermöglicht Prozesse, die jenseits unserer Vorstellungskraft liegen. Wir müssen die Kontrolle über diese mächtigen Technologien zurück in die Hände der Gesellschaft legen. Doch wie? Wer hält die Zügel, wenn sich die Büchse der Pandora immer schneller, immer weiter öffnet?

Es ist eine Sache, technologische Wunder zu vollbringen, eine andere, sie zu kontrollieren. Kein Mensch, schon gar keine Maschine, sollte jemals in die Lage kommen, alleine über die Zukunft der gesamten Menschheit zu entscheiden. Genau das passiert gerade. Und wenn wir nicht rasch handeln, wird es bald zu spät sein.

Unser Autor ist Blogger und ­Digitalexperte. Er wechselt sich hier mit der Start-up-­Gründerin Felicia Kufferath ab.

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