Künstliche Intelligenz Der tödliche Wettlauf der Internet-Giganten

Meinung · Das Silicon Valley ist in Panik: Wer gewinnt das Rennen um die Künstliche Intelligenz? Denn bei diesem Wettlauf geht es nicht einfach nur um ein paar Marktanteile. Hier geht es ums nackte Überleben.

 Anstatt mit Zigtausend Links erschlagen zu werden, soll man bald eine maschinell erzeugte Textantwort auf alles erhalten, was man gerade wissen will.

Anstatt mit Zigtausend Links erschlagen zu werden, soll man bald eine maschinell erzeugte Textantwort auf alles erhalten, was man gerade wissen will.

Foto: AP/Don Ryan

Das Rennen um „The Next Big Thing“, die nächste große Epoche des Digitalzeitalters, hat begonnen – das Rennen um die Künstliche Intelligenz. Kein durch Journalisten aufgeblähter Medien-Hype – im Silicon Valley liegen die Nerven tatsächlich blank. Denn jeder dort weiß, bei diesem Wettlauf geht es nicht einfach nur um ein paar Marktanteile. Hier geht es ums nackte Überleben.

Vor wenigen Tagen hatten sowohl Microsoft als auch Google kurzfristig zu Presse-Terminen eingeladen. Nahezu zeitgleich kündigten beide IT-Konzerne Funktionen an, die ihre Suchmaschinen bald – dank Künstlicher Intelligenz – in Antwortmaschinen verwandeln sollen. Anstatt mit Zigtausend Links erschlagen zu werden, erhält man eine maschinell erzeugte Textantwort auf alles, was man gerade wissen will. Eine revolutionäre neue Art, Informationen aus dem Internet zu beziehen.

Die Industriegebiete südlich von San Francisco sind ein eindrucksvolles Zeugnis eines gnadenlosen Verdrängungskampfes. Bevor Google vor 20 Jahren sein Hauptquartier im kalifornischen Mountain View bezog, residierte der Computerhersteller Silicon Graphics in den schmucklosen Bürogebäuden, das man heute als „Googleplex“ kennt.

Vor wenigen Jahren bezog Apple seinen neu errichteten Firmensitz in Cupertino. Ausgerechnet auf jenem Gelände, auf dem zuvor der Tech-Gigant Hewlett-Packard seine Heimat hatte, jener Firma, bei der Apple-Gründer Steve Jobs als Teenager seinen ersten Ferien-Job hatte.

Als Facebook den Campus von Sun Microsystems in Menlo Park übernahm, wies CEO Mark Zuckerberg die Architekten an, das alte Sun-Microsystems-Firmenschild am Werkseingang stehenzulassen und einfach nur umzudrehen. Damit sollte jeder seiner Mitarbeiter auf dem Weg nach Hause daran erinnert werden, wie schnell man weg vom Fenster sein kann.

Ein Schicksal, das auch Microsoft vor wenigen Jahren drohte. Der Windows-Konzern hatte Mitte der 90er Jahre nicht nur um ein Haar das Internet verschlafen. Auch im späteren Web 2.0 und auf dem Smartphone-Markt hatte das Unternehmen nichts zu melden. Dass jetzt ausgerechnet Microsoft mit seiner in der Tech-Szene verspotteten Suchmaschine „Bing“ den Suchmaschinen-Monopolisten Google vom Thron stoßen könnte, wäre ein Treppenwitz der Geschichte.

Unser Autor ist Blogger und Digitalexperte. Er wechselt sich hier mit der Start-up-Gründerin Felicia Kufferath ab.

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