Total digital Das KI-Dilemma im Journalismus

Meinung · Werkzeuge der Künstlichen Intelligenz greifen oft auf Artikel renommierter Medienunternehmen zurück. Das könnte in Zukunft zu ernsten Problemen führen.

ChapGPT, die offizielle App von OpenAI, ist auf einem Smartphone zu sehen.

ChapGPT, die offizielle App von OpenAI, ist auf einem Smartphone zu sehen.

Foto: dpa/Matt Rourke

Mitte Dezember haben Open AI und das Medienkonglomerat Axel Springer eine mehrjährige Lizenzvereinbarung unterzeichnet. Sie erlaubt es Open AI, Artikel von Axel-Springer-Medien in seine Produkte, einschließlich Chat GPT, einzubinden. Wie das Abkommen genau funktioniert und wann es losgeht, weiß keiner. Es ist aber sicher eine bedeutende Vereinbarung.

Derzeit sammeln die meisten großen KI-Firmen ihre Trainingsdaten aus dem Internet, ohne Lizenzen für das von ihnen verwendete urheberrechtlich geschützte Material zu erwerben. Der Deal zeigt, dass Unternehmen wie Open AI bereit sind, mit Medienunternehmen zusammenzuarbeiten – und sich auf eine Zukunft vorbereiten, in der die jetzige Scraping-Methode (also legales Extrahieren von Daten von Quellen im Internet) nicht mehr so gut funktioniert. Eine Reihe von Unternehmen, beispielsweise die „New York Times“, haben bereits Schritte unternommen, um den Web-Crawler von Open AI zu blockieren und Scraping zu verhindern. Axel Springer bezeichnete die Partnerschaft als einen Gewinn für Journalisten, einen Weg, ihre Arbeit einem neuen Publikum vorzustellen und dem Unternehmen zur Blüte zu verhelfen.

Aber ist das wirklich so? Auch wenn diese Vereinbarungen den Nachrichtenagenturen zugutekommen und Journalisten bezahlt werden, wenn ihre Arbeit in KI-Tools wie Chat GPT einfließt, können die längerfristigen Auswirkungen des Aufstiegs der KI-Dienste die Medien gefährden. Wenn Menschen, die normalerweise eine Zeitung abonnieren oder zumindest regelmäßig Links ihrer Website anklicken, stattdessen Zusammenfassungen von Artikeln in Chat GPT lesen, wie wird sich das auf die Zahl der Leser auswirken, die den Original-Artikel lesen? Wenn das Lesen von Nachrichten in KI-Tools immer beliebter wird, könnte dies zu einem Einbruch der verkehrsabhängigen digitalen Werbeeinnahmen führen und eine ganz neue Medienkrise auslösen. Und was ist mit den Journalisten, die entschieden dagegen sind, dass KI auf ihren Werken trainiert? Werden sie in der Lage sein, Nein zu sagen?

Unsere Autorin ist Start-up-Gründerin und Sprecherin der Initiative NRWalley. Sie wechselt sich hier mit Blogger Richard Gutjahr ab.

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