Facebook, Youtube, Instagram Die digitalen Verführer

Meinung · Die Menschen verbringen inzwischen sieben Stunden vor den Bildschirmen ihrer Smartphones. Und geben jedesmal ein Stück ihrer Privatsphäre preis.

Die Icons von Instagram, Facebook und WhatsApp.

Die Icons von Instagram, Facebook und WhatsApp.

Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Gestern stolperte ich in der Zeitschrift New Yorker über einen Cartoon. Ein Elternpaar überreicht dem Sohn mit besorgter Miene ein Telefon. „Dein erstes Smartphone!“, so die Bildunterschrift, und dann weiter: „Es war schön, mit Dir in den vergangenen acht Jahren zu interagieren!“

Wir kennen das: Man steht an der Bushaltestelle oder fährt mit der U-Bahn, und nahezu jeder Mitmensch blickt wie hypnotisiert auf sein Telefon. Während ich diese Zeilen schreibe, sitzt mir eine Mutter mit ihrer Teenager-Tochter im Café gegenüber. Beide starren auf ihre Geräte und haben seit einer halben Stunde kein Wort mehr miteinander geredet.

Das Schlimme: Das alles ist keine Ausnahme, sondern die Regel. Auch ich verbringe viel zu viel Zeit vor irgendwelchen Bildschirmen, anstatt mich für meine unmittelbare Umwelt zu interessieren. Jüngste Studien haben aktuell eine durchschnittliche Screentime bei Erwachsenen von knapp sieben Stunden am Tag ermittelt. Das ist länger als die meisten von uns schlafen.

Wie ist es so weit gekommen? Nicht nur, dass man heute nahezu an jedem Ort, zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar ist. Rund um die Uhr ertönen Plings und Plongs, Dings und Dongs, wenn auch nur jemand ein neues Katzenvideo bei uns auf Whatsapp geteilt hat. Nachrichten-Apps alarmieren uns mit inflationären Breaking-News-Mitteilungen: Der Deutsche Wetterdienst hat für morgen doch tatsächlich Nieselregen vorhergesagt.

Was die Wenigsten von uns auf dem Schirm haben: Jedesmal, wenn wir eine App öffnen, ist ein Präzisionsgewehr auf unser Aufmerksamkeitszentrum gerichtet. Die Algorithmen von Facebook, Instagram oder YouTube sind programmiert, um uns länger an ihre Plattform zu binden. Chefredakteur ist ein Super-Computer, der – gespeist aus unseren Nutzerdaten – immer besser in der Lage ist, unsere Gedanken, Wünsche und Sehnsüchte zu ermitteln.

Jedesmal, wenn ich Instagram öffne, spüre ich, wie es der Maschine immer besser gelingt, mich durch eine perfekte Auswahl aus Bildern und Videos zu verführen. Die Sirenen des Odysseus waren nichts dagegen. Vielleicht sollte man mich demnächst an einen Mast binden. Nur bitte nicht an einen Funkmast.

Unser Autor ist Blogger und Digitalexperte. Er wechselt sich hier mit der Start-up-Gründerin Felicia Kufferath ab.