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Kolumne: Total Digital: Die kontinentale W-Lan-Trennlinie

Kolumne: Total Digital : Die kontinentale W-Lan-Trennlinie

Das Internet auf Amerikas Flughäfen ist nicht gerecht verteilt. An der Westküste kann man kostenlos und unbegrenzt im Netz surfen, im Osten ist nach einer halben Stunde Schluss.

Vor zwei Wochen habe in dieser Kolumne über meine Suche nach W-Lan und Strom auf San Juan Island berichtet. Diesmal geht es ums Fliegen. Da ich in manchen Monaten auf Flughäfen lebe, ist das für mich kein unwichtiges Thema. In Amerika gibt es den Begriff "Continental Divide", auf deutsch: Wasserscheide. Ein Regentropfen, der westlich des Rocky Mountains Hauptkammes fällt, wird im Pazifik landen, während östlich davon alles Wasser in den Golf von Mexiko oder in den Atlantik fließt.

Für mich persönlich bedeutet die kontinentale Trennlinie allerdings etwas ganz anderes: An der Westküste gibt es kostenloses und unbegrenztes W-Lan an allen großen Flughäfen. An der Ostküste und in den Südstaaten wird mir schon nach einer halben Stunde langsamem Gratis-Surfen der Saft abgedreht. Bei internationalen Flügen ist das nicht so wichtig, weil ich dann Zugang zur Lounge der jeweiligen Fluggesellschaft habe. Meistens ist das die Lounge von United Airlines mit wässrigem Bier und langweiligen Knabbereien. Aber das ist mir egal, denn das Internet ist dort stets schnell und zuverlässig. In der W-Lan-Diaspora der Flughäfen in der Osthälfte der USA habe ich ansonsten nämlich nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Einen der teuren kommerziellen Anbieter nutzen oder meinen eigenen auch nicht gerade preiswerten mobilen Hotspot über mein iPhone einrichten.

Für mieses W-Lan am Flughafen entschädigt dann wiederum der Flug. Mehr als drei Viertel der Inlandsflotte von United Airlines ist mit Internet an Bord ausgerüstet. Das ist zwar verständlicherweise noch teurer als der Internetzugang in manchen Terminals, denn das Netz kommt per Satellit in den Flieger. Streaming-Angebote wie Netflix oder HBO Now können an Bord nicht genutzt werden. Sie verbrauchen einfach zu viel Bandbreite. Da es sich nach meinen eigenen Beobachtungen mittlerweile mindestens die Hälfte der Passagiere an Bord mit eigenen Tablets gemütlich macht, wäre das Gepixel und Geruckel beim Streamen von Filmen auch kein Genuss. Ferngespräche per Internet-Telefonie oder Skype sind ebenfalls nicht erlaubt - zum Glück.

Momentan probiert United mit dem Bordinternet noch aus, was technisch sinnvoll ist. Deshalb ist die Filmbibliothek auch bei Inlandsflügen kostenlos. Manchmal habe ich aber auch nur Lust auf etwas sehr Meditatives. Dann schaue ich im kostenlosen Internetbereich auf meinem iPhone, wie sich der kleine Punkt (unser Flugzeug) auf der Google-Karte ganz langsam über die endlosen Weite Amerikas bewegt.

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(RP)