Telekom: Eine Million IP-Adressen an Sicherheitsbehörden

50.000 Telefonanschlüsse überwacht : Telekom gibt rund eine Million IP-Adressen an Sicherheitsbehörden

Der Bonner Konzern ist im Auftrag der Sicherheitsbehörden tätig. Er gab fast 950.000 Internet-Adressen heraus, 50.000 Telefonanschlüsse wurden überwacht.

Erstmals ist am Montag bekanntgeworden, in welchem Ausmaß Haushalte in Deutschland Abmahnungen wegen illegal kopierter Inhalte erhalten.

Die Deutsche Telekom als wichtigster Betreiber eines Telefon- und Internetnetzes in Deutschland erklärte, dass sie im vergangenen Jahr in 946.641 Fällen die Internetadressen von Haushalten oder Firmen weitergab, die des Verstoßes gegen das Urhebergesetz bezichtigt wurden.

"Das ist eine erschreckend hohe Zahl", sagt der Düsseldorfer Anwalt und Datenschutzexperte Julius Reiter. "Die Abmahn-Industrie ist extrem aktiv", sagt ein Telekom-Manager, "aber wir müssen uns den Entscheidungen der Gerichte beugen."

Gleichzeitig gab das Bonner Unternehmen bekannt, dass es vergangenes Jahr 49.796 Telefonanschlüsse im Auftrag des Staates auf Überwachung geschaltet hatte. Voraussetzung war jeweils, dass Sicherheitsbehörden bei einem Verdächtigen den Verdacht auf schwere Straftaten wie Raub, Erpressung, Mord und Totschlag hatten und entsprechende Beschlüsse von Gerichten oder Staatsanwaltschaften erwirkten.

Umgerechnet auf Düsseldorf mit seinen knapp 600.000 Einwohnern bedeutet dies, dass rund 400 Telekom-Anschlüsse im Vorjahr zumindes zeitweise wegen des Verdachts auf Straftaten abgehört wurden.

Die Telekom gab die Zahlen gestern bekannt, nachdem Juristen einem kleinen Berliner Unternehmen bescheinigt hatten, es dürfe Informationen über Anfragen von Behörden weitergeben, sofern daraus keine Einzelfälle erkennbar sind.

Außerdem hatten mehrere US-Konzerne wie Google einige Daten zu Behördenanfragen bekanntgegeben, nachdem der US-Geheimdienst NSA sie zur Herausgabe gigantischer Datenmengen gedrängt hatte.

Wahrscheinlich werden sich schon bald auch andere Unternehmen in Deutschland zu Abfragen der Behörden äußern. Vodafone Deutschland erklärte, der aus London geführte Gesamtkonzern bereite einen "Transparenzbericht" vor.

(RP)
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