Streaming im Netz: Mache ich mich strafbar oder nicht?

Abmahnungs-Welle wegen Schmuddel-Seite "Redtube" : Streaming im Netz: Mache ich mich strafbar oder nicht?

Streaming – das Ansehen von urheberrechtlich geschützten Filmen im Internet ist eine rechtliche Grauzone. Derzeit verschickt eine Regensburger Anwaltskanzlei Abmahnungsschreiben an tausende Internetnutzer, die die Schmuddel-Film-Seite "Redtube" besucht haben. Betroffen sein könnten aber auch Fans von US-Serien oder Kinofilmen.

Streaming — das Ansehen von urheberrechtlich geschützten Filmen im Internet ist eine rechtliche Grauzone. Derzeit verschickt eine Regensburger Anwaltskanzlei Abmahnungsschreiben an tausende Internetnutzer, die die Schmuddel-Film-Seite "Redtube" besucht haben. Betroffen sein könnten aber auch Fans von US-Serien oder Kinofilmen.

Was bedeutet Streaming? Bei Streamingdiensten können Nutzer übers Internet Musik oder Videos auswählen und direkt anhören. Die Titel werden nicht gekauft und sie können nur eingeschränkt auf den Geräten der Nutzer gespeichert werden. Die Angebote funktionieren meist mit einem Abonnement, eine Basisversion ist häufig kostenlos.

Was ist der Unterschied zwischen Streaming und Filesharing? Wer "streamt", konsumiert Videos für den eigenen Bedarf. Im Gegensatz zu Filesharing-Angeboten, also Tauschbörsen im Internet, stellt der Nutzer diese Daten nicht gleichzeitig anderen zur Verfügung. Falls beim Streaming überhaupt eine Urheberrechtsverletzung vorliegt, fällt diese geringer ins Gewicht als bei der Nutzung einer der umstrittenen Online-Tauschbörsen. "Es ist das erste Mal in Deutschland, dass Nutzer von Streamingplattformen abgemahnt werden", sagt der Kölner IT-Anwalt Christian Solmecke zum derzeitigen Fall.

Ist Streaming erlaubt? Die Nutzung bewegte sich bislang in einer rechtlichen Grauzone. Entscheidend dürfte tatsächlich sein, ob Daten auf der Festplatte des Nutzers gespeichert werden. Eine Frage, mit der Juristen viel Geld verdienen wollen: Mit Abmahnungen für illegale Downloads verdienen Anwaltskanzleien seit Jahren Millionen.

Welche Internet-Fallen gibt es für Streaming-Nutzer? Problematisch ist, dass in einigen Fällen für das Anschauen von Videos der DivX-Player benötigt wird. Hier wandelt der Internetnutzer auf einem schmalen Grat, denn solche Programme speichern alle Dateien temporär auf dem Computer. Somit mag es zwar so aussehen, als würde man nur ein Video anschauen, dabei wird es im Hintergrund tatsächlich auf den eigenen Rechner geladen - und das ist streng genommen verboten.

Worum geht es im Fall der Pornoseite RedTube? Die Regensburger Kanzlei Urmann + Collegen hat Abmahn-Schreiben an Nutzer der Sexfilm-Plattform "RedTube" verschickt. Für mehrere Streifen mit Titeln wie "Glamour Show Girls" oder "Amandas Secret" beziffern die Anwälte einen Streitwert von 1000 Euro pro Film.

Wie viele Internetnutzer sind betroffen? Seit vergangenem Donnerstag wurden vermutlich mehr als 10.000 Personen abgemahnt, die sich pornographische Filme auf der Internetseite angeschaut haben sollen. Der Kölner Rechtsanwalt Christian Solmecke nennt dies "eine noch nie da gewesene Abmahnwelle", die gerade deutsche Internetnutzer überrollt.

Um welchen Summen geht es bei den Abmahnungen? Die Angeschriebenen sollen 250 Euro direkt an den Schweizer Rechteverwerter "The Archive" überweisen und eine Unterlassungserklärung abgeben. "Dabei wird es jedoch nicht bleiben", erklärt Solmecke. "Ein Großteil der Betroffenen hat drei bis vier Abmahnungen bekommen, so dass schnell hohe Summen zusammenkommen."

Wie setzt sich der Betrag zusammen, den Nutzer zahlen sollen? 149,50 Euro Rechtsanwaltsgebühren, 15,50 Euro Schadenersatz und 65 Euro für die Ermittlung der Rechtsverletzung.

Wie ist die Regensburger Abmahn-Kanzlei an die Daten der Internetnutzer gekommen? Für den Düsseldorfer Rechtsanwalt Udo Vetter ist das eine interessante Frage: Wie die "Welt" berichtet, soll die Regenburger Kanzlei die Daten der Nutzer über eine Anfrage beim Kölner Landgericht ermittelt haben. Nach Meinung von Vetter begibt sich die Kanzlei damit auf dünnes Eis. Möglichkeit zwei: Redtube selbst habe auf juristischen Druck die Daten der User herausgegeben.

Was passiert, wenn die Abmahnungswelle rechtens ist? Rechtsanwalt Vetter schreibt: "Sollten die Contentindustrie tatsächlich selbst den Streaming-Verkehr analysieren können, wäre das natürlich ein Alarmsignal für die Nutzer von Streaming-Portalen. Aber nicht nur für diese. Auch Filehoster (Anbieter von Dateien), wie megaupload.com galten bislang als relativ 'sicher', weil der Nutzer im Gegensatz zum Filesharing seine IP-Adresse ebenfalls nicht quasi öffentlich stellt."

Die Folge: Das Verhalten der Internetnutzer würde sich verändern. Und das nicht für das Anschauen von Porno-Filmen, sondern auch Sportereignisse und Serien.

(nbe)
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