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Soziale Netzwerke​: Geschönte Fotos sollen bald gekennzeichnet werden müssen ​

Soziale Netzwerke : Geschönte Fotos sollen bald gekennzeichnet werden müssen

Beauty-Filter sind gang und gäbe in den sozialen Netzwerken. Nicht immer sieht man ihren Einsatz auf den ersten Blick. Das könnte sich bald ändern, denn die Gleichstellungsminister der Länder wollen eine Kennzeichnungspflicht für solcherart geschönte Bilder.

Die für Gleichstellung und Frauen zuständigen Ministerinnen und Minister der Ländern fordern eine Kennzeichnungspflicht für retuschierte Werbebilder. Diese solle „für die Gesamtheit der kommerziell Tätigen sowie für Influencerinnen und Influencer mit einer nicht nur geringen Reichweite gelten“, heißt es in einem Beschluss der Ministerkonferenz vom Freitag. Die Bundesregierung solle die Einführung einer entsprechenden Regelung prüfen.

Es gehe um Fälle, in denen „eine Bildbearbeitung von Gesicht, Körper, Haut oder Haaren stattgefunden hat oder stattfindet und das Foto/Video in sozialen Netzwerken und/oder zu Werbezwecken zugänglich gemacht wird“, führt die Gleichstellungs- und Frauenministerkonferenz (GFMK) aus. Es sei „seit langem bekannt“, dass solche Bilder „ein negatives Körpergefühl hervorrufen oder auch verstärken“. Dies geschehe „durch den provozierten Vergleich der Rezipientinnen mit einem durch Werbedarstellungen produzierten weiblichen Schönheitsideal, das realitätsfern und letztlich unerreichbar ist“.

In den sozialen Medien „hebt sich die Grenze zu deutlich als Werbedarstellung zu identifizierendem Bildmaterial auf“, betont die GMFK mit Blick auf Influencer. Die Nutzung von Social-Media-Apps „erlaubt erschwerend eine niedrigschwellige Bildbearbeitung und somit eine in der Breite angewendete Manipulation von Körpererscheinungen“.

Die Ministerinnen und Minister verwiesen unter anderem auf das Beispiel Frankreich. Dort müssten seit Herbst 2017 Werbefotos, in denen Personenabbildungen bearbeitet wurden, mit einem entsprechenden Hinweis gekennzeichnet werden. Bei Nichtbeachtung würden mehrere zehntausend Euro Strafe fällig.

Bis zu einer möglichen gesetzlichen Vorgabe in Deutschland forderte die GMFK die Werbewirtschaft auf, „proaktiv eigene verbindliche Standards für die Sichtbarmachung von bearbeitetem Bildmaterial zu entwickeln und umzusetzen“. Die Standards sollten „eine verpflichtende Kennzeichnung von retuschierten Werbebildern vorsehen“.

Die GMFK hatte am Donnerstag und Freitag in Hamburg getagt; das Bundesland hat derzeit den Vorsitz inne. Die Fachministerinnen und -minister positionierten sich dabei zu zahlreichen Themen. Unter anderem forderten sie einen besseren Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt und eine geschlechtersensible Datenerhebung in allen Bereichen.

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Die von der Ampel-Koalition geplante Kommission für eine Reform des Abtreibungsrechts solle zügig eingesetzt werden, hieß es weiter. Außerdem solle „eine niedrigschwellige und kostenfreie Abgabe von Verhütungsmitteln für alle Personen mit geringem Einkommen ermöglicht werden“. Weitere Beschlüsse befassen sich unter anderem mit dem Steuerrecht und der Erwerbsbeteiligung zugewanderter Frauen.

(felt/dpa)