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E-Plus-Chef Thorsten Dirks im Interview: Schnelleres Internet für NRW

E-Plus-Chef Thorsten Dirks im Interview : Schnelleres Internet für NRW

Düsseldorf (RP). Thorsten Dirks, Chef des Düsseldorfer Mobilfunkers E-Plus, will trotz Gegenwind von Vodafone und T-Mobile aggressiv angreifen. Er erwartet einen Durchbruch von mobilen Web-Diensten und erzählt, wie er das Vertriebsmonopol der Telekom beim iPhone von Apple umgeht.

Herr Dirks, vor der Versteigerung der neuen Mobilfunklizenzen warnten Sie vor einer Gefahr für den Wettbewerb und damit für E-Plus, jetzt sehen Sie sich als Sieger. Wie passt das zusammen?

Dirks Es hat dem Wettbewerb tatsächlich nicht gut getan, dass die beiden größten Mobilfunker, T-Mobile und Vodafone, für jeweils zwei der sechs 800-Megahertz-Frequenzpakete bieten konnten und sich damit fast automatisch den Zugriff sicherten. Aber nachdem das einmal entschieden war, haben wir uns glänzend geschlagen: Wir haben beim Kampf um die 800er-Frequenzen nur bis zu rund einer halben Milliarde Euro mitgezogen und dann aber für uns extrem wertvolle Blöcke in anderen Frequenzbereichen für 280 Millionen Euro gekauft. So konnten wir unsere Kapazitäten mehr als verdoppeln. Und das war ein großer Erfolg.

Die Wettbewerber T-Mobile, Vodafone und 02 wollen ihre Frequenzen für die Erschließung des ganzen Landes nutzen. Droht Ihnen dagegen der Abstieg zum Citycarrier, wie es so mancher Kritiker meint.

Dirks Nein, die Logik ist umgekehrt: Die anderen Netzbetreiber haben nicht nur jeweils rund 1,3 Milliarden Euro für Lizenzen bezahlt, sondern sind auch noch zu einer Erschließung fast menschenleerer Gegenden gezwungen. Wir haben dagegen Geld, um unser Netz in den nächsten drei Jahren zum besten Mobilfunknetz auszubauen. Und zwar zuerst in Städten und dann in den angrenzenden Regionen, die rund 80 Prozent der deutschen Bevölkerung erreichen. Sie werden wir mit einem Übertragungstempo von bis zu 21 Megabit pro Sekunde versorgen, ein Vielfaches von dem, was zurzeit üblich ist.

Was heißt das bezogen auf NRW?

Dirks Der Niederrhein ist ebenso E-Plus-Land wie Düsseldorf, Köln und das Ruhrgebiet: Da haben wir Marktanteile von 20 bis zu 40 Prozent. Entsprechend schnell und entschlossen werden die Investitionen da laufen.

Was nützt Ihnen der Netzausbau, wenn immer mehr mobile Surfer so wie bei T-Mobile und Vodafone die Kapazitäten überlasten? Die wollen nun Sondergebühren für besonders intensive Surfer einführen.

Dirks Das ist die Folge ihrer Strategie, massenhaft UMTS-Sticks für Laptop vermarktet zu haben, die faktisch einen DSL-Anschluss ersetzen. Das ist problematisch, weil auf einen Laptop im Schnitt fünfmal mehr Daten geladen werden als auf ein Smartphone. Wir dagegen vermarkten vor allem unsere Flatrate für Smartphones für zehn Euro im Monat: Deren Datenverkehr können wir locker bewältigen.

Aktuell nutzt nicht einmal jeder zehnte Bürger sein Handy für mobiles Surfen, bald wird es jeder zweite sein. Wie wollen Sie diesen Sprung bewältigen?

Dirks Stimmt, das Wachstum steigt schnell an. Da unser Netzlieferant ZTE aus China aber leistungsstarke Anlagen kurzfristig zu einem guten Preis liefert, schaffen wir den Netzausbau aber ohne uns zu übernehmen.

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Das klappt nur, wenn Sie zu Billigpreisen Kapazitäten der Wettbewerber auf dem flachen Land mieten.

Dirks Noch einmal: In Deutschland als sehr dicht besiedeltem Land ist die Versorgung bereits ganz gut. Wenn die Wettbewerber nun aber auch jeden Bauernhof in Mecklenburg-Vorpommern oder im Bayerischen Wald versorgen, ist es für sie möglicherweise attraktiv, uns einige Kapazitäten zu überlassen. Wir zahlen dann einen Beitrag und können unseren Kunden für die seltenen Ausflüge in diese Regionen auch dort schnelles, mobiles Surfen bieten.

Die Konkurrenten zeigen kein Interesse, Sie als Untermieter aufzunehmen und zu unterstützen.

Dirks Warten wir es ab. Wir sind auf die nicht angewiesen. Telefonieren und mit Standard-Tempo Surfen können unsere Kunden ja sowieso dort schon.

Wird der Kampf um die mobilen Surfer Ihre Gewinne senken?

Dirks Der Wettbewerb wird härter, aber wir werden weiter expandieren: Wir wollen unseren Marktanteil mittelfristig von jetzt 15 Prozent des Mobilfunkumsatzes auf 20 bis zu 25 Prozent erhöhen. Dafür würden wir zeitweise auch leichte Einbußen bei der Marge in Kauf nehmen: Zu Jahresbeginn lagen wir mit unserer operativen Gewinnmarge (Ebitda, Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) mit 41,8 Prozent sogar besser als T-Mobile, O2 und wohl auch Vodafone.

Bedroht der harte Wettbewerb Jobs in der Branche?

Dirks Bei uns jedenfalls nicht. Wir sind schon sehr schlank aufgestellt. Da gibt es keinen Bedarf für weitere Schritte.

Ihre hohen Gewinne verdanken Sie vorrangig dem Verzicht auf Handy-Zuschüsse bei Ihren bekannten Angeboten Simyo oder Base und bei Aldi-Mobil. Müssen Sie nun nicht wieder Geräte subventionieren, um das mobile Web in Schwung zu bringen?

Dirks Nein. Smartphones werden immer günstiger. Darum sind Subventionen auch hier nicht nötig. Wir vermarkten über Partner ja sogar iPhones aus dem Ausland und verkaufen sie dann ganz ohne Subvention für rund 700 Euro. Das ist zwar ein stolzer Preis. Aber die Kunden sind dann nicht gezwungen, einen speziellen, oft sehr teuren Tarif, für die Nutzung zu wählen. Insgesamt profitieren sie damit.

Reinhard Kowalewsky führte das Gespräch.

(felt)