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Neuer Internet-Trend: "Penny"-Auktionen können teuer werden

Neuer Internet-Trend : "Penny"-Auktionen können teuer werden

New York (RPO). Im Fahrwasser des Erfolgs von eBay ist in den USA ein neuer Trend entstanden: Kleine Online-Anbieter versprechen noch bessere Auktions-Schnäppchen als beim etablierten Konkurrenten. Doch Verbraucherschützer warnen, dass die vollmundigen Versprechen oft nicht gehalten werden.

Bereits mit dem Einsatz von Cent-Beträgen sei vom iPad bis zum neusten Flachbildschirm alles zu ersteigern - so zumindest wird es in den schrillen Werbespots der sogenannten Penny Auctions angepriesen.

"Es handelt sich nicht um eine gewöhnliche Auktion, bei der die Teilnehmer bieten und nur dann bezahlen, wenn sie auch den Zuschlag erhalten", sagt Becky Maier von der Organisation Better Business Bureau im US-Staat Pennsylvania. "Sie bezahlen, um zu spielen."

System wie in einem Kasino

Das System, das hinter den Penny Auctions stecke, ähnele dem eines Kasinos oder einer Lotterie. Mit anderen Worten: Einer gewinnt, die überwiegende Mehrheit hingegen macht Minus. Dies legt auch eine Sammelklage nahe, die jüngst gegen einen der größten Anbieter der Branche eingereicht wurde.

Die Angebote in den TV-Spots - für das Auktionshaus beezid.com stellte sich zuletzt auch die Schauspielerin Lindsay Lohan vor die Kamera - erscheinen zunächst verlockend: "Ein iPad für 88,07 Dollar? Eine Xbox für 15,33? Verkauft!", heißt es da etwa.

Anders als etwa bei eBay werden die Auktionsteilnehmer bei den Penny Auctions allerdings nicht erst für das ersteigerte Objekt zur Kasse gebeten, sondern schon für das Bieten an sich. Zwar handelt es sich in der Tat um "Penny"-Beträge. Doch das System ist so angelegt, dass am Ende in der Regel eine ganze Menge Kleingeld zusammenkommt.

80 Dollar für nichts

"Es lohnt sich nur dann, wenn man gewinnt", sagt Zachary Schwartz aus der Kleinstadt Markle im US-Staat Indiana. Im vergangenen Jahr bemühte sich der 24-Jährige bei beezid.com um ein iPad. Als der Preis die 100-Dollar-Marke überschritt, stieg er aus dem Bieterwettstreit aus. In den folgenden Tagen gab er bei weiteren Auktionen etwa 80 Dollar (55 Euro) aus - und zwar ohne dafür auch nur ein einziges Objekt ersteigert zu haben.

Wie bei jeder Versteigerung geht der Preis auch bei den Penny Auctions mit jedem Gebot in die Höhe. Zudem verlängert sich mit jedem Gebot aber auch die Zeit der Auktion. Bei einigen Anbietern sind die Nutzer außerdem verpflichtet, immer gleich ein ganzes Paket von "Gebotspunkten" zu erwerben und zu verwenden.

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Auf Anmeldung folgte böse Überraschung

Ein böse Überraschung erlebte Seb Clements aus dem texanischen Fort Worth, als er sich im Dezember bei SwipeBids.com anmeldete, um ein paar Weihnachtseinkäufe zu tätigen. In einer E-Mail wurde ihm unverzüglich mitgeteilt, dass ein Mitgliedsbeitrag von 175 Dollar (123 Euro) von seiner Kreditkarte abgebucht worden sei.

Eine Telefonnummer war auf der Internetseite des Anbieters nicht angegeben. Über einen Online-Chat erfuhr der 25-Jährige von einem Mitarbeiter des Kundendienstes schließlich nur, dass der Betrag nicht erstattet werden könne. Dass in dem Mitgliedsbeitrag gleich auch schon hundert "Gebotspunkte" enthalten seien, empfand Clements kaum als Trost.

Die ersten Anbieter von Penny Auctions erschienen nach Angaben der Verbraucherschützerin Maier im Jahr 2009 auf dem Markt. Kurz darauf seien beim Better Business Bureau bereits reihenweise Beschwerden eingegangen.

Heute sind es dem Unternehmen Technology Briefing Centers zufolge etwa 135 Online-Auktionshäuser, die mit fabelhaften Produkten zu "Penny"-Beträgen werben.

Maier betont, dass sich darunter durchaus einige seriöse Anbieter befinden. Allerdings sei es ratsam, den Verlauf der auf den jeweiligen Internetseiten ablaufenden Auktionen grundsätzlich zunächst ein paar Tage zu beobachten - und erst dann gegebenenfalls mit einzusteigen.

(apd/csr)