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China: Peking erneuert Googles Web-Lizenz

China : Peking erneuert Googles Web-Lizenz

Peking (RPO). China hat die Geschäftslizenz von Google für den Betrieb von Internetseiten erneuert. Durch die Neuzulassung vermeidet der US-Internet-Konzern, dass ihre Flagschiff-Suchmaschine in dem weltweit größten Internetmarkt mit 384 Millionen Nutzern abgeschaltet wird.

Vergangene Woche hatte Google bereits mitgeteilt, nicht mehr wie seit März automatisch Nutzer der chinesischen Google-Seite auf die unzensierte Hongkonger Seite umzuleiten und sich um eine Erneuerung der Lizenz in der Volksrepublik zu bemühen.

Die Regierung in Peking übt seit längerem Druck auf die Kalifornier aus und hat damit gedroht, die Internet-Provider-Lizenz Googles nicht mehr zu erneuern, wenn der Konzern weiter die Besucher der Seite umleitet. Damit wären auch die anderen Geschäfte des US-Unternehmens gefährdet gewesen. Zu der neuen Konzession sagte eine Google-Sprecherin zu Reuters: "Wir sind sehr glücklich, dass die Regierung unsere ICP-Lizenz erneuert hat und freuen uns, die Websuche und lokale Produkte unseren Nutzern in China weiter anzubieten." Die Lizenz müsse auf jährlicher Basis verlängert werden.

Analysten gehen davon aus, dass die Entscheidung des Konzerns, nicht mehr automatisch umzuleiten, zur Bereitschaft der Regierung beitrug, Google einen Fuß auf dem chinesischen Markt zu lassen. Die Amerikaner hätten dadurch gezeigt, dass sie zu Kompromissen bereit seien und Gesicht zeigen könnten, sagte Branchenkenner Edward Yu von Analysys International. Die Anleger des chinesischen Suchmaschinen-Marktführers Baidu zeigten sich von der Entscheidung der Regierung enttäuscht. Vorbörslich fielen die in New York gelisteten Anteilsscheine um mehr als vier Prozent. Die Papiere von Google legten hingegen um mehr als drei Prozent zu.

Im Januar hatte Google mit der Ankündigung überrascht, Chinas staatlich vorgeschriebene Zensur der Suchergebnisse nicht länger hinnehmen zu wollen und sich notfalls aus dem Land zurückzuziehen. Zugleich beklagte Google Hacker-Angriffe aus China. Im März führte Google die Umleitung ein. Doch auch die Hongkonger Seite liefert bei politisch sensiblen Themen kaum mehr Informationen als die chinesische Suchmaschine - einige Seiten, wie beispielsweise von Dissidenten oder verbotenen Organisationen werden angeboten, lassen sich jedoch nicht öffnen. Neben politisch unerwünschten Internetseiten sind in China auch populäre Netzwerke wie Facebook, Twitter oder YouTube geblockt.

Die Vorwürfe hatten das Verhältnis zwischen den USA und China deutlich belastet. Zuletzt ließen die Spannungen wieder nach. Im viel beachteten Währungsstreit sehen die USA nun doch vom Vorwurf an China ab, das Land habe seine Währung Yuan manipuliert.

Street-View in Irland, Norwegen, Schweden und Südafrika

Unterdessen setzt Google seine umstrittene Datensammlung durch seine Street-View-Fahrzeuge fort. Die Kamera-Wagen würden ihre Arbeit in Irland, Norwegen, Südafrika und Schweden in der kommenden Woche wieder aufnehmen, teilte Google über einen Internetblog mit. Allerdings würden die Autos keine Informationen mehr von drahtlosen Internet-Verbindungen speichern, sondern nur noch Fotos machen und 3D-Bilder erzeugen. Street-View ist ein Service von Google, der große Teile des Straßennetzes anzeigt. Der Dienst ist in vielen Ländern verfügbar, in Deutschland allerdings noch nicht. Der US-Konzern muss noch Datenschutzauflagen erfüllen.

Hier geht es zur Infostrecke: Fakten zu Google in China

(RTR/felt)