Netzgemeinde spottet über Telekom: "Niemand hat die Absicht, das Internet zu drosseln"

Netzgemeinde spottet über Telekom: "Niemand hat die Absicht, das Internet zu drosseln"

Kunden der Telekom werden in Zukunft nur noch mit verminderter Geschwindigkeit im Internet surfen, wenn sie eine bestimmte Datenmenge erreicht haben. Der Grund: das rasche Wachstum des Datenverkehrs, sagt der Konzern. Im Netz macht sich Spott breit. Insbesondere Twitter lacht über #drosselkom.

Seitdem die Telekom angekündigt hat, in Zukunft ab einer bestimmten Datenmenge die Internetgeschwindigkeit zu drosseln, ergießt sich eine Welle der Kritik und des Spotts über das Unternehmen.

"Die Telekom erdrosselt das Internet", kritisierte der bekannte Internetblogger Sascha Lobo. "Die Telekom gibt faktisch das Prinzip der Netzneutralität auf", sagte Michaela Zinke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Denn sie würde eigene Angebote anders bewerten als fremde.

Twitter lacht über #drosselkom

Insbesondere in den sozialen Netzwerken finden die Internetnutzer fast ausnahmslos nur Hohn für die Telekom. Twitter lacht über #drosselkom. Über den eigenen Twitter-Account "Deutsche Drosselkom" wird der Spott beißend-komisch. Der erste Eintrag der User: "Niemand hat die Absicht, das Internet zu drosseln" - in Anlehnung an den legendären Satz des DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht zum Mauerbau.

Seit dem 22. April, 7.43 Uhr ist das Twitter-Profil "Deutsche Drosselkom" freigeschaltet. 2696 User haben die mittlerweile 171 Einträge amüsiert verfolgt. Zu lesen sind Dinge wie: "Liebe Follower, man muss auch mal danke sagen. Bedanken Sie sich also bei uns, für Gängelung, Drosselung und weiteren Innovationen!" oder "Wir werden vor die Volumentarife einfach ein "i" schreiben. Dann zelten die Leute dafür wochenlang vor unseren Läden!"

Hohn macht erfinderisch

Spott macht offenbar erfinderisch. Auf Twitter und Facebook kursieren seit Tagen bekannte Werbungen in Form von Fotos und Videos, die abgeändert worden sind und die aktuelle Drossel-Diskussion mit einem Augenzwinkern aufgreifen. Beispiele haben wir Ihnen hier zusammengetragen.

Fast auf den Tag genau einen Monat ist es her, dass in einem Blog der Telekom erstmals darüber spekuliert wurde, dass der Konzern eine Daten-Obergrenze einführen und die Geschwindigkeit des Internets drosseln will. Am 22. März schrieb Philipp Blank über die "neuen Spielregeln für DSL". Blank kündigte Veränderungen bei der Datenübertragung an.

"Eine Lösung wäre tatsächlich, das in den Tarifen enthaltene Datenvolumen zu begrenzen", schreibt der Autor. Mit solch einem Schritt würde das Quersubventionieren der Kunden ein Ende haben, die geringere Datenmengen im Internet nutzen als andere. So würden nur die Kunden mehr zahlen, die auch mehr Volumen nutzen.

"Es gibt Netzöffnungszeiten"

Vier Wochen später hat der Bonner Konzern tatsächlich angekündigt, das schnelle Surfen im Internet ab 2016 zu begrenzen. Für ab dem 2. Mai abgeschlossene Standardverträge für DSL behält sich der Konzern vor, das Übertragungstempo von maximal 16 Megabit/Sekunde auf lächerliche 384 Kilobit/Sekunde zu drosseln, wenn sie in einem Monat mehr als 75 Gigabyte an Datenvolumen verbrauchen.

"Deutsche Drosselkom" weiß heute schon, auf was sich die Kunden in Zukunft einstellen müssen: "Wir bestätigen die Netzöffnungszeiten. Ab 2016 hat das Netz an Sonn- und Feiertagen ganztägig geschlossen, an Werktagen ab 20:00 Uhr." Die Telekom braucht ein dickes Fell in diesen Tagen. Denn mit jedem neuen Eintrag wird der Internet-Spott zunehmen.

"Deutsche Drosselkom" ist sich sicher: "Amsel, Drossel, Fink und Star und das Netz ist nicht mehr da."


Hier geht es zur Bilderstrecke: Internet spottet über die Telekom

(nbe)
Mehr von RP ONLINE