Nach Musk-Übernahme „Tut mir leid, das hier ist einfach nichts für mich“ - Prominente verlassen Twitter

Düsseldorf · Elon Musk hat mit der Übernahme von Twitter für viel Unruhe gesorgt. Zweifelhafte Tweets des Milliardärs, Massenentlassungen, Werbekunden, die sich zurückziehen. Einige prominente Twitter-Nutzer zogen die Konsequenzen.

Protest gegen Elon Musk: Diese Promis sind auf Twitter nicht mehr aktiv
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Protest gegen Elon Musk - diese Promis haben Twitter verlassen

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Foto: AP/Michael Dwyer

Nach monatelangem Gezerre um die Social-Media-Plattform Twitter hat Elon Musk den rund 44 Milliarden Dollar (44,2 Mrd Euro) teuren Kauf des Kurznachrichtendienstes am 27. Oktober 2022 abgeschlossen. Daraufhin überschlugen sich die Ereignisse. Der nun alleinige Besitzer von Twitter verlor keine Zeit mit dem Umbau. Ranghohe Führungskräfte wurden sofort gefeuert, Massenentlassungen folgten eine Woche später. 3700 Jobs rund jeder zweite Arbeitsplatz waren betroffen. Dann kam die Rolle rückwärts, weil der Kahlschlag wohl zu radikal ausfiel. An die App selber will der Tesla-Gründer auch ran. Der 51-Jährige versprach bei Twitter weniger Kontrolle über Inhalte, weniger Fake-Accounts und mehr Spaß, weil er die Redefreiheit bei Twitter eingeschränkt sehe.

Der Milliardär hatte sich auch bereits dafür ausgesprochen, die Sperre gegen den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump wieder aufzuheben. Trumps Verbannung von Twitter im Zuge von dessen Sympathiebekundungen für Anhänger, die am 6. Januar 2021 das Kapitol in Washington gestürmt hatten, bezeichnete Musk im Mai als „moralisch falsch und einfach nur dumm“. Dann verbreitete er selbst einen Link zu einer unbegründeten Verschwörungstheorie über den Angriff auf Paul Pelosi, den Mann der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Später löschte er diesen Post aber wieder.

Werbekunden, die wichtigste Einnahmequelle von Twitter, gingen auf Abstand und setzen ihre Werbung aus. Darunter der VW-Konzern, der Pharmakonzern Pfizer sowie die Lebensmittelriesen Mondelez und General Mills. Und auch der Autobauer General Motors kündigte an, er werde seine Werbung bei Twitter erst einmal aussetzen und sehen, welchen Kurs die Plattform unter Musk einschlage. Soviel Chaos war einigen Prominenten zuviel. Sie zogen die Konsequenzen. Entweder sie setzten ihren letzten Tweet ab und schweigen seitdem - wie die Erfolgsproduzentin und Drehbuchautorin Shonda Rhimes (Grey’s Anatomy, Private Practice) - oder sie deaktivierten ihr Twitter-Konto. Die US-amerikanische Singer-Songwriterin, Pianistin und Schauspielerin Sara Bareilles schrieb. „Tja. Es war lustig auf Twitter. Ich bin raus. Wir sehen uns auf anderen Plattformen, Leute. Tut mir leid, das hier ist einfach nichts für mich.“ Seitdem herrscht auch auf ihrem Twitter-Kanal Funkstille.

Der Kurznachrichtendienst steuert in eine unklare Zukunft. Wohin es gehen könnte, macht einigen Nutzern Angst. Die US-amerikanische Soul- und R&B-Sängerin Toni Braxton äußerte ihre Befürchtungen in ihrem letzten Tweet vom 29. Oktober: „Ich bin schockiert und entsetzt über einige der "freien Meinungsäußerungen", die ich auf dieser Plattform seit ihrer Übernahme gesehen habe. Hassreden unter dem Deckmantel der "freien Meinungsäußerung" sind inakzeptabel; daher habe ich mich entschieden, Twitter zu meiden, da es für mich, meine Söhne und andere POC kein sicherer Ort mehr ist.“

(dw/dpa)
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