Anmeldung, Funktionen, Nutzer So funktioniert die Twitter-Alternative Mastodon

Berlin · Seit der Übernahme von Twitter durch Elon Musk haben viele Menschen die Plattform verlassen. Eine beliebte Alternative ist dabei Mastodon, ein in Deutschland entwickeltes Netzwerk. Was Sie darüber wissen müssen.

Die Apps von Twitter und Mastodon sind auf zwei Smartphones zu sehen.

Die Apps von Twitter und Mastodon sind auf zwei Smartphones zu sehen.

Foto: dpa/Andre M. Chang

Der Twitter-Konkurrent Mastodon ist bislang nur wenigen Menschen in Deutschland ein Begriff. 80 Prozent der Menschen in Deutschland haben noch nie von diesem dezentralen und werbefreies Netzwerk gehört, ergab eine am 31. Oktober 2022 veröffentlichte repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Yougov. Elf Prozent haben schon einmal davon gehört, haben aber kein Zugangskonto dort. Weitere vier Prozent sind bereits bei Mastodon mit einem Account aktiv. Fünf Prozent machten keine Angabe. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was bedeutet Mastodon?

Ein Mastodon ist ein urtümliches, elefantenähnliches Rüsseltier, das vor rund 10.000 Jahren am Ende der Eiszeit ausgestorben ist. Deshalb wird auf Mastodon auch getrötet und nicht gezwitschert wie im Reich des Twitter-Vögelchens.

Ausgedacht hat sich den Namen Eugen Rochko, der Mastodon 2016 gegründet hat und seitdem entwickelt, und zwar werbe- und trackingfrei. Die gesamte Software-Entwicklung ist spendenfinanziert.

Was kann Mastodon?

Eigentlich alles, was Twitter auch bietet. Man kann anderen folgen und ihre Tröts (Toots) genannten Beiträge sehen. Umgekehrt selbst Postings im eigenen Home-Feed verfassen, inklusive Bildern, Videos, Audios oder Umfragen. Bei Bedarf natürlich mit Einschränkungen versehen, wer das Posting sehen kann.

Direktnachrichten, Hashtags (#) und Trends gibt es übrigens auch. Und eine Art Retweeten, das hier Boosten genannt wird. Auch die Sicherheit kommt nicht zu kurz: Zwei-Faktor-Authentisierung für eine sichere Anmeldung ist an Bord.

Was ist an Mastodon anders als bei Twitter?

Zuerst einmal die Startseite, auf der sich zeitlich geordnet Postings aller Menschen oder Organisationen finden, denen man folgt. Mastodon hält sich strikt an die Chronologie. Es gibt also echte Zeitleisten und keine intransparente, von Algorithmen gesteuerte Anzeige von Beiträgen.

„Deine Startseite sollte mit dem gefüllt werden, was für dich am meisten zählt, und nicht mit Dingen, von denen irgendein Unternehmen meint, dass du sie unbedingt sehen solltest“, lautet das Mission Statement auf der Mastodon-Seite. Dort wird versprochen: „Mit Mastodon bekommst du die Kontrolle wieder zurück.“

Mastodon ist außerdem ein dezentrales soziales Netzwerk, verbunden und angetrieben von einer quelloffenen, freien Software. Ob Organisation oder Einzelperson: Jeder, der möchte, kann einen unabhängigen Mastodon-Server, auch Instanz genannt, betreiben.

Damit liegt die Kontrolle nicht bei einem Unternehmen oder einem Menschen, sondern in vielen Händen. Und jede, die mitmachen möchte, kann frei wählen, auf welchem Server, also bei welcher Community, sie ihr Konto erstellt.

Deshalb gibt es bei Mastodon auch die Ansicht „Lokal“, in der nur Postings von Menschen auftauchen, die der eigenen Community angehören. Die Ansicht „Föderation“ weitet dagegen den Blick auf sämtliche Postings aller Server. Wie die Startseite sind auch „Lokal“ und „Föderation“ als Zeitleisten organisiert.

Ein Tröt ist übrigens standardmäßig auf 500 Zeichen begrenzt. Ein einzelner Tweet bei Twitter kann maximal 280 Zeichen lang sein.

Wieviele Nutzer hat Mastodon?

Das Netzwerk zählt mittlerweile über acht Millionen Konten über 9100 Server. Rund zwei Millionen davon sind aktive Nutzerinnen und Nutzer, die selbst regelmäßig Beiträge erstellen. Seit der ersten Ankündigung der Twitter-Übernahme durch Musk im April ist die Nutzerzahl von Mastodon aber stark angestiegen. Das Netzwerk findet als potenzieller Twitter-Ersatz spätestens seit der erfolgten Übernahme durch Musk auch international Beachtung.

Der BfDI ist bereits seit 2020 bei Mastodon und betreibt einen eigenen Server für andere deutsche Behörden. Der BfDI-Sprecher hebt hervor, dass Bürgerinnen und Bürger die Beiträge von Behörden auch „ganz ohne Account“ sehen können.

Wer steht hinter Mastodon?

Mastodon wurde 2016 von Eugen Rochko ins Leben gerufen. Der ostdeutsche Software-Entwickler mit russischen Wurzeln war nach eigenen Angaben seit 2008 „begeisterter“ Twitter-Nutzer, aber zunehmend unzufrieden mit der Entwicklung der Plattform. Seit 2017 kann er sich demnach dank ausreichender Spenden vollberuflich der Weiterentwicklung von Mastodon widmen. 2021 wurde seine Organisation als gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbh) eingetragen.

Verdient jemand Geld mit Mastodon?

Mastodon schaltet keine Werbung und bietet keine kostenpflichtigen Leistungen an. Nutzer können Geld spenden, größere Sponsoren werden auf einer entsprechenden Seite aufgeführt. Gründer Rochko spricht von einer „öffentlichen Einrichtung“ ohne Anreize, die Inhalte „gewinnorientiert zu nutzen“. Die Betreiber der einzelnen Websites können aber durchaus auf Bezahlung setzen, um ihre Server zu finanzieren.

Gibt es eine aktive Moderation?

Mastodon hat eigene Moderationsrichtlinien aufgestellt, die jedoch von den einzelnen Serverbetreibern durchgesetzt werden müssen. Wer einen Mastodon-Server anbietet, verpflichtet sich demnach etwa, aktiv gegen Hassreden vorzugehen, tägliche Backups zu erstellen und mindestens einen Notfalladministrator zu haben. Einzelne Websites können über diese Richtlinien hinausgehen und zum Beispiel die Kennzeichnung von potenziell sensiblen Inhalten vorschreiben.

Bei welchem Server soll ich mich bei Mastodon anmelden?

Es kommt darauf an. Wichtig zu wissen ist aber erst einmal: Über jeden Server kann man grundsätzlich auch alle Inhalte von allen anderen Servern sehen und mit allen anderen Nutzerinnen und Nutzern interagieren. Das ist Sinn und Zweck der Ansicht „Föderation“. Jede Serverbetreiberin kann aber andere Server blockieren. Und sie kann Regeln festlegen, die dann für die Nutzerinnen und Nutzer des eigenen Servers gelten. Es ist also sinnvoll, sich eine Community zu suchen, mit der man sich vielleicht nicht nur thematisch identifizieren kann, sondern deren Moderation einem insgesamt zusagt.

Gibt es Server-Verzeichnisse auf Mastodon?

Ja. Ein Server-Verzeichnis findet sich auf der offiziellen Mastodon-Seite. Es enthält ausschließlich Server, die sich konsequent zur Moderation gegen Rassismus, Sexismus und Transphobie verpflichten.

Ein anderer möglicher Startpunkt zum eigenen Mastodon-Konto ist etwa die Seite „Instances.social“, die aktuell mehr als 3700 Server weltweit listet. Wer einige Fragen beantwortet, bekommt eine Liste von Servern angezeigt, die vielleicht zu einem passen könnten.

Wenngleich man sich bei vielen Servern direkt anmelden kann, gibt es auch Instanzen, bei denen erst eine Einladung angefragt werden muss, die keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen oder die grundsätzlich geschlossen sind - etwa die Instanz „Social.bund.de“, die der Bundesdatenschutzbeauftragte für Bundesbehörden eingerichtet hat.

Zum einen sind mehrere Konten bei verschiedenen Mastodon-Servern gleichzeitig möglich. Zum anderen lässt sich ein bestehendes Konto mitsamt Followern jederzeit zu einem neuen Konto auf einem anderen Server umziehen. Eine Anleitung findet sich direkt in den Kontoeinstellungen oder in der Mastodon-Dokumentation.

In den Einstellungen unter „Import und Export“ kann man auch die anderen Datenkategorien (außer Medien) im CSV-Format herunterladen, etwa Listen oder Lesezeichen. Und das nicht nur, um sie bei einem geplanten Umzug ins neue Konto zu importieren.

Regelmäßige Backups sind auch wichtig für den Fall, dass die Instanz, auf der man angemeldet ist, einmal überraschend abgeschaltet werden sollte. Alle Datenkategorien inklusive Medienspeicher können einmal wöchentlich als Archiv heruntergeladen werden.

Wie melde ich mich bei Mastodon an?

Die Auswahl des Servers war schon die halbe Miete. Jetzt gilt es, auf der Seite der Wunsch-Instanz auf den Button „Konto erstellen“ zu klicken, die jeweiligen Server-Regeln zu akzeptieren, eine E-Mail-Adresse anzugeben und Anzeige- sowie Profilnamen (mit vorangestelltem @) samt Passwort festzulegen. Fertig.

Der Benutzername wird mit dem Namen der Community-Domäne erweitert, damit die Kommunikation und Suche über Servergrenzen hinweg möglich ist (Beispiel: @profilname@community-name.de).

Nach der Anmeldung vervollständigt man sein Profil (Bild, Hintergrund, Interessen) und passt in den Einstellungen am besten noch Benachrichtigungen sowie Privatsphäre-Einstellungen an. Man kann zum Beispiel ein Häkchen bei „Gesperrtes Profil“ setzen, wenn man nur Follower möchte, die eine Folgeanfrage schicken müssen, die man dann genehmigen kann - oder nicht.

Man kann auch festlegen, dass die eigenen Beiträge standardmäßig nicht in die öffentliche Timeline gehen. Trotzdem hat man beim Verfassen eines Postings immer aufs Neue die Möglichkeit, für diesen Beitrag individuell eine andere Einstellung zu treffen, und zwar über das Schloss-Symbol.

Als erster Tröt empfiehlt sich eine kurze Selbstvorstellung mit dem Hashtag „#neuhier“. Für Fragen von Neulingen hat sich „#neuhierfragen“ als Hashtag eingebürgert.

Wie kann ich meine Twitter-Kontakte bei Mastodon finden?

Es gibt Dienste wie Fedifinder oder Debirdify, die das eigene Twitter-Profil daraufhin analysieren können, welche Kontakte auch bei Mastodon sind. Diese Informationen erhält man als Liste, die man auch im CSV-Format abspeichern und dann in Mastodon importieren kann.

Wer bei Twitter in der eigenen Kurzbeschreibung oder in seinem Anzeigenamen seinen Mastodon-Profilnamen hinterlegt, macht es solchen Diensten leichter, aber auch allen anderen, die jemanden bei Mastodon über das Suchfeld finden wollen. Nicht vergessen: Damit es klappt, muss der Profilname plus Community-Domäne angegeben werden, etwa „@profilname@community-name.de“, nicht nur „@profilname“.

Gibt es auch Apps für Mastodon?

Ja. Neben der Web-App und den seit April 2022 existierenden offiziellen Anwendungen für Android und iOS gibt es verschiedene Anwendungen von Drittanbietern für diverse Plattformen und Betriebssysteme. Zwei Tipps finden Sie hier.

(mba/dpa/AFP)
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