LeFloid, Müze, Ytitty: Dieser Vater versteht die YouTube-Stars seiner Söhne nicht

Die YouTube-Helden der jungen Generation : "Papa, Köln ist voll cool!"

Klar, auch wir haben früher als Kinder Dinge getan, die unsere Eltern nicht verstanden haben oder nicht verstehen wollten. Als moderner, durchaus technikaffiner Vater bin ich aber fest überzeugt, auch beim Nachwuchs noch am Puls der Zeit zu sein. Doch jetzt habe ich eine Sache entdeckt, die auch ich nicht verstehe.

"Papa, Köln ist voll cool!" Aha, dachte ich. Der Spruch aus dem Mund meines elfjährigen Sohnes war für mich zumindest überraschend, unerwartet. Warum genau mag Köln "voll cool" sein? Er wurde gezeugt und geboren in Düsseldorf, wohnt seitdem dort, ist Fortuna-Fan.

Die üblichen Köln-Düsseldorf-Klischees finden bei uns natürlich auch immer mal wieder statt, werden aber nicht wirklich befeuert. Sind ja auch Quatsch. Jetzt ist Köln plötzlich "voll cool". Das liegt - zum Glück - nicht etwa am FC, auch nicht am Dom.

Nein, wie meine investigative Recherche ("Warum?") ergibt, liegt das einzig und allein an: YouTube. Nicht an YouTube selbst, die sitzen ja woanders. Aber eine Menge der Leute, die dort verdammt erfolgreich Videos hochladen und damit eine stetig wachsende Fangemeinde beglücken, wohnen und filmen sich in Köln. Ein YouTube-Medienstandort.

Alles ging los vor einigen Monaten, als man vom Nachwuchs auf alle möglichen Fragen nur noch die Antwort: "Weil Mütze!" bekam. Das war sehr lustig. Zumindest für ihn. Es stellte sich heraus, dass auf dem gerade neu geschenkten Smartphone bevorzugt Videos von den Aussenseitern liefen.

Von denen stammte nicht nur der Spruch (wie sich herausstellte, wird "Mütze" hier "Müze" geschrieben), nein, kurze Zeit später schmückte auch eine Mütze mit dem Aufnäher "Müze" das Haupt des Sohnes. Und dann noch eine zweite. Verschenkt wurden auch ein paar davon, zu Geburtstagen der Freunde. Erkenntnis: YouTuber drehen nicht nur Filmchen, sie verstehen auch etwas von Merchandising.

Die Helden der Kinder bevölkern also nicht mehr wie bei uns früher die TV-Bildschirme, sondern Googles Videoplattform. Natürlich kann man auch als Erwachsener für Leute wie DieAussenseiter, iBlali, albrtoson, LeFloid oder Ytitty erwärmen. Muss man aber nicht. Unsere Eltern haben früher auch nicht mit uns vor Captain Future gesessen.

So weit so gut. Die anfangs erwähnte Sache, die mir unverständlich ist, ist das Genre der Let's Plays. Ganz besonders, wenn es um das Spiel Minecraft geht.

Bei einem Let's Play sitzt ein Spieler vor seinem Rechner, spielt ein Spiel, nimmt die ganze Sache auf, kommentiert was er tut und lädt das fertige Werk dann bei YouTube hoch. Das kann durchaus hilfreich sein. Bevor man 50 oder 60 Euro für ein neues Spiel ausgibt, schaut man sich ein oder zwei Let' Plays an und kann dann besser entscheiden, ob der Kauf lohnt.

Minecraft ist ein Spiel, das ungefähr 20 Euro kostet und anmutet, als habe es sich unverändert aus den frühen 80er-Jahren in die heutige Zeit gerettet. 8-Bit-Klötzchengrafik und und rudimentärer Sound, weit, sehr weit entfernt von den hyperrealistischen PS4- oder Xbox-One-Spielen.

Eigentlich ein gutes Spiel, denn es fördert die Kreativität, muss man sich dort doch eigene Welten bauen, allein oder zusammen mit anderen im Online-Modus.

Jetzt gibt es YouTuber, die drehen gefühlt seit Menschengedenken Let's Plays von Minecraft. Gronkh heißt einer von ihnen, wahrscheinlich der bekannteste. Drei Jahre lang hat er fast täglich Let's-Play-Videos aus der Klötzchenwelt veröffentlicht, über 1200. Mal 20 Minuten lang, mal ein Stunde. Abrufe pro Video von einer halben Million waren normal, viele erreichten auch über eine Millionen Zuschauer.

Mein Sohn gehörte auch dazu. Inzwischen macht Gronkh eine Minecraft-Pause. Andere beackern das Feld jetzt, Lets Taddl, ungespielt oder Dner. Auch die hat mein Sohn natürlich abonniert. Fernsehgucken? Fehlanzeige (außer montags die Simpsons)! Bewegte Medienwelt findet auf vier Zoll statt. Jeden Tag mindestens ein Minecraft-Let's-Play, besser zwei oder drei.

Ich glaube, er guckt mittlerweile mehr anderen beim Spielen zu als dass er selbst Klötzchen verschiebt. Was mag daran nur so spannend sein?

Zwei weitere interessante Beobachtungen: Auch die "alte Welt" partizipiert an Minecraft. Mein Sohn hat sich vor wenigen Tagen ein Buch gekauft, in dem erklärt wird, wie man mit Hilfe sogenannter Redstones Schaltkreise in der Spielewelt bauen kann. Vielleicht wird er mal Elektriker?

Außerdem hat er ein Rezept ausprobiert, das von irgendeinem YouTuber gepriesen wurde: Zerquetsche Banane, Haferflocken, dazu Wasser und dann in die Mikrowelle. Er hat's nicht ganz aufgegessen.

Nachtrag: Mein Junior nennt sich inzwischen Drokfite und hat begonnen - wenn auch technisch noch nicht ganz ausgereift - selbst Minecraft- und andere Let's-Plays zu produzieren und bei YouTube hochzuladen. Nun denn.

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(csr)