Mikroblogging-Alternative Das ist der Kurznachrichtendienst Bluesky

Düsseldorf · Mit dem neuen Mikroblogging-Dienst „Bluesky“ macht Twitter-Mitgründer Jack Dorsey seinem ehemaligen Unternehmen Konkurrenz. Was der neue Kurznachrichtendienst anders macht als „X“.

So sieht das Logo des neuen Online-Dienstes Bluesky aus.

So sieht das Logo des neuen Online-Dienstes Bluesky aus.

Foto: dpa/Fernando Gutierrez-Juarez

Mit der Übernahme von Twitter durch Elon Musk Ende Oktober 2022 wurde eine neue Ära bei dem Kurznachrichtendienst eingeläutet. Nur wenige Monate später verwandelte sich der blaue Zwitschervogel in ein schwarz-weißes „X“, wie der Mikrobloggingdienst nun heißt.

Etliche haben das Netzwerk verlassen, seit Musk am Ruder sitzt. Darunter Prominente wie Drehbuchautorin Shonda Rhimes, Model Gigi Hadid oder Comedian Jim Carrey. Auch Spitzenpolitiker wie Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) oder SPD-Chefin Saskia Esken deaktivierten ihre Accounts. Einige Journalisten verabschiedeten sich von der Plattform, und eine Umfrage des Wissenschaftsmagazins Nature zeigte, dass mehr als 50 Prozent der Wissenschaftler X inzwischen verlassen haben. Das Marktforschungsinstitut „Insider Intelligence“ rechnet in einer Prognose damit, dass bis 2024 rund 32 Millionen Nutzer der Plattform den Rücken zugekehrt haben werden.

Bestärkt wird dies durch steigende Nutzerzahlen bei Twitter-Alternativen wie Threads, Mastodon und Bluesky. Letztere wurde vom ehemaligen Twitter-Mitbegründer Jack Dorsey gegründet, der dort heute im Verwaltungsrat sitzt. Die Leitung von Bluesky hat die Softwareentwicklerin Jay Graber inne. Hier erklären wir, wie das Netzwerk funktioniert und was es von X (ehemals Twitter) unterscheidet.

Wie funktioniert der Kurznachrichtendienst Bluesky?

Von der Funktionsweise her ähnelt Bluesky der Plattform X stark. Benutzer können einen Benutzernamen mit @-Handle, Profilbild, Headerbild und einer Biografie festlegen. Dort werden ihre Follower angezeigt, sowie Personen, die ihnen folgen. Sie können Texte (maximal 256 Zeichen) und Bilder posten, liken, kommentieren und Beiträge von anderen reposten. Auf Direktnachrichten und Videos wird bei Bluesky allerdings verzichtet.

Der entscheidende Unterschied ist allerdings, dass der Mikrobloggingdienst Bluesky über ein dezentrales, soziales Netzwerkprotokoll verfügt, das auch als AT-Protokoll bezeichnet wird. Dies soll es möglich machen, Inhalte über die verschiedenen sozialen Netzwerke hinweg auszutauschen und mit den Beiträgen aus anderen sozialen Netzwerken in dem eigenen zu interagieren, sofern diese das AT-Protokoll nutzen. Dahinter steht die Idee eines großes, sozialen Internets.

Wie kam es zur Gründung von Bluesky?

Jack Dorsey startete das Projekt 2019, damals noch in seiner Rolle als Twitter-CEO. Es war ursprünglich als erweiterte Version von Twitter vorgesehen, wurde aber 2021 zu einem eigenen Unternehmen - das bis vor kurzem von Twitter mitfinanziert wurde. Eingetragen ist das Unternehmen als „Public Benefit Limited Liability Company“, das das Ziel hat, einen öffentlichen Nutzen zu schaffen und nachzuweisen. Dieser Nutzen liegt für Dorsey darin, die Macht von zentralisierten Plattformen einzuschränken.

Denn bei Unternehmen wie Facebook, Instagram, X oder Tiktok werden die Nutzerdaten zentral über den Server der Betreiberunternehmen verwaltet. Dadurch sind sie vor den jeweiligen Landesregierungen und werbetreibende Unternehmen nicht zwangsläufig geschützt. Im Umkehrschluss können diese indirekt Einfluss auf die Inhalte nehmen.

Bei einem dezentralen Netzwerk ist das anders: Hierbei werden die personenbezogenen Daten auf vielen kleinen Servern gespeichert, statt auf dem des Social-Media-Unternehmens. Somit können die Personen selbst besser entscheiden, was mit ihren Daten passiert. Werbung schließt Bluesky zudem für sich aus. Das Prinzip der Selbstbestimmung gilt im Übrigen auch für den Algorithmus, der auch nicht mehr zentral vorgegeben wird. Die Entscheidungsmacht über die gewünschten Inhalte wird zurück in die Hände der Nutzer gelegt.

Wer kann Bluesky nutzen?

Aktuell gibt es nur zwei Optionen, um bei Bluesky einen Account anzulegen: über einen Einladungscode einer bereits registrierten Person oder über die offizielle Warteliste des Unternehmens. Auf diese kann man sich setzen lassen, wenn man die App herunterlädt und versucht, sich einen Account anzulegen. „Sie haben keinen Einladungscode? Lassen Sie sich auf die Warteliste setzen“, heißt es dann.

Wann das Netzwerk der breiten Masse zugänglich sein wird, steht derzeit noch nicht fest. Aktuell wird es von über einer Million Menschen genutzt. Darunter befinden sich einige Prominenten und Politiker wie Model Chrissy Teigen, Regisseur Edgar Wright oder die US-Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez.

Wird Bluesky der Nachfolger von X (ehemals Twitter)?

Ob sich die Plattform durchsetzen wird, ist noch unklar. Fest steht, dass sie X bzw. Twitter am ähnlichsten ist im Vergleich zu den Alternativen wie Mastodon oder Threads. Allerdings müssen die Netzwerke, die in Bluesky involviert sind, das AT-Protokoll als Grundlage nehmen, was zwar zum einen zur Entstehung neuer Netzwerke führen könnte, aber auch im Fall von Facebook, Tiktok oder Instagram unwahrscheinlich ist.

(hf)