Kolumne "Total Digital" von Richard Gutjahr: Fix the future!

Kolumne "Total Digital" : Fix the future!

Das Internet steckt in der Krise. Fake News sind auf dem Vormarsch. Auf den Hype der letzten Jahre folgt nun das böse Erwachen. Oder sollte man sagen: Das Erwachen des Bösen?

Ein Jahr nach Trump ist der Ton rauer geworden in den USA, in Europa, vor allem aber im Netz. Wie ein Brandbeschleuniger haben die Sozialen Netzwerke dazu beigetragen, Hass und Missgunst in der Welt zu entfachen. Vor allem Trolle und Hassprediger haben die Systematik hinter Facebook, YouTube und Twitter am schnellsten durchschaut: Belohnt wird, wer Tabus bricht. Und wer auf am lautesten schreit, hat Recht.

Die Technik-Euphorie ist einer allgemeinen Skepsis gewichen, um nicht zu sagen Ratlosigkeit. Das war auch auf der DLD-Digitalkonferenz am Wochenende in München deutlich zu spüren. "Reconquer the future", so das trotzige Tagungsmotto - lasst uns die Zukunft zurückerobern. Doch wie? Darauf scheint keiner eine Antwort zu haben. Am wenigsten diejenigen, die sich einst auf die Fahnen geschrieben hatten, die Welt zu einem besseren Ort machen zu wollen. "Wir müssen besser werden", "mehr Verantwortung übernehmen" heißt es da immer wieder auf und neben der Bühne. Selten habe ich die Strategen von Google und Facebook derart blank erlebt.

Nichts ist übrig vom selbstgerechten Silicon Valley-Schlachtruf: "Move fast and break things!". Es scheint, als habe man im eigenen Zerstörungsrausch versehentlich Pandoras Büchse kaputt geschlagen und fragt sich nun, wie man die Dämonen bloß wieder einfangen soll. Einerseits tröstlich, dass Mark Zuckerberg offenbar auch nur ein Mensch ist, der Fehler macht. Andererseits aber auch angsteinflößend, im Hinblick auf "The next big thing", mit dem wir es bald zu tun bekommen. Eine Technologie, die mächtiger sein wird, als die Erfindung der Atombombe: die Schöpfung der künstlichen Intelligenz.

Der griechischen Mythologie zufolge soll der Mensch, nachdem alles Übel aus Pandoras Büchse in die Welt entwichen war, am Boden der Büchse noch etwas entdeckt haben: die Hoffnung. Ein tröstlicher Gedanke. Doch sollten wir uns nicht zu früh freuen. Wie Nietzsche anmerkte, ist das mit der Hoffnung so eine Sache. Hoffnung verhindere, dass sich der Mensch mit seinem Schicksal abfinde, sich viel mehr immer wieder aufs Neue quälen lasse. Und das ist vielleicht das schlimmste aller Übel.

(RG)
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