"Klarnamen"-Streit beim sozialen Netzwerk: Kieler Datenschützer fordert Facebook heraus

"Klarnamen"-Streit beim sozialen Netzwerk : Kieler Datenschützer fordert Facebook heraus

Für Thilo Weichert geht es um 20.000 Euro, für Facebook um Milliarden. Der Kieler Datenschutzbeaufragte nimmt es mit dem Internet-Giganten auf. In einer neuen Attacke fordert Weichert den Konzern auf, anonyme Konten zuzulassen. Das Geschäftsmodell von Facebook könnte fallen.

Thilo Weichert aus Kiel ist als Facebook-Kritiker bekannt. In einer neuen Attacke fordert der Datenschützer vom Online-Netzwerk, anonyme Konten zuzulassen.

Weichert gab Facebook und der für Europa zuständigen irischen Tochter zwei Wochen Zeit, seine Forderungen zu erfüllen. Ansonsten sollen sie jeweils 20.000 Euro zahlen.

Facebook indes lässt keine Bereitschaft erkennen, den Forderungen aus der norddeutschen Provinz nachzugeben. Alle Nutzer aus Schleswig-Holstein müssten sich statt der Angabe echter Informationen zu ihrer Person auch unter einem Pseudonym registrieren können, forderte Weicherts Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz.

Die Klarnamenpolitik von Facebook verstoße gegen das deutsche Telemediengesetz, meinte der Facebook-Kritiker. Facebook konterte, es liege in der Hand der Dienstleister, Geschäftsbedingungen bezüglich Anonymität festzulegen.

"Wir sind der Ansicht, dass die Verfügungen vollkommen unbegründet und eine Verschwendung deutscher Steuergelder sind." Facebook werde energisch dagegen vorgehen. Das Unternehmen agiere konform mit europäischen Datenschutzbestimmungen, betonte ein Sprecher.

"Facebook hat schon immer eine Klarnamenpolitik verfolgt, weil wir glauben, dass die Verwendung der wahren Identität eine bestimmte Sicherheit mit sich bringt, und dass unsere Nutzer von dieser Sicherheit profitieren."

Facebook-Konten, die nur wegen fehlender Informationen gesperrt wurden, müssten wieder zugänglich gemacht werden. Außerdem müsse in Deutsch über die Möglichkeit einer Registrierung unter Pseudonym informiert werden.

Weichert wirft Facebook schon seit langem Verstöße gegen Datenschutz-Bestimmungen vor und hatte im vergangenen Jahr bereits versucht, Unternehmen und Behörden in Schleswig-Holstein vom Einsatz des "Gefällt mir"-Buttons abzubringen. Damit hatte er jedoch nur wenig Erfolg.

(dpa/nbe/rm)