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Die große Selfie-Analyse: In Bangkok wird gelächelt, in Moskau guckt man ernst

Die große Selfie-Analyse : In Bangkok wird gelächelt, in Moskau guckt man ernst

Menschen stellen sich vor Spiegel und knipsen per Handy Selbstporträts – Selfies nennt man dieses Phänomen. Forscher haben sich jetzt mit diesem Thema auseinandergesetzt und 3000 Instagram-Selfies aus fünf Städten analysiert. Dabei kamen erstaunliche Unterschiede ans Tageslicht.

Menschen stellen sich vor Spiegel und knipsen per Handy Selbstporträts — Selfies nennt man dieses Phänomen. Forscher haben sich jetzt mit diesem Thema auseinandergesetzt und 3000 Instagram-Selfies aus fünf Städten analysiert. Dabei kamen erstaunliche Unterschiede ans Tageslicht.

Ok, zugegeben ... Selfies (Selbstporträts) sind nicht wirklich neu. Aber spätestens seit dem gigantischen Twitter-Erfolg von Moderatorin Ellen DeGeneres mit ihrem Promi-Oscar-Selfie auf dem Stars wie Brad Bitt, Meryl Streep, Kevin Spacey und Jennifer Lawrence zu sehen sind, erlebt das Handy-Selbstporträt einen neuen Hype.

Bereits im Dezember 2012 stellte das "Time Magazine" fest, dass "Selfie" unter den Top 10 der Schlagworte des Jahres liegt. 2013 wurde das Wort "Selfie" dann sogar in die Online-Version des Oxford English Dictionary aufgenommen, da es zu einem alltäglichen Begriff geworden war. Doch warum machen so viele Menschen Selbstporträts von sich und teilen diese anschließend in sozialen Netzwerken?

Bilder aus Berlin, Moskau, New York, Bangkok und São Paulo

Wissenschaftler beschäftigt diese Frage schon länger: Jetzt hat ein junges Forscher-Team beschlossen, dem Phänomen Selfie auf den Grund zu gehen. Auf der Basis von über 3000 Instagram-Selfies aus New York, Bangkok, Moskau, São Paulo und Berlin sollten kulturelle Unterschiede erforscht werden. Auf "selfiecity.net" haben die Wissenschaftler ihre Ergebnisse zusammengestellt:

Für die Studie wurden stichprobenartig 120.000 Fotos - etwa 20.000 bis 30.000 Bilder in jeder Stadt - ausgewählt. 1000 Fotos pro Stadt kamen in die engere Auswahl. Nach einer genauen Analyse - einbezogen wurden nur Selfies, auf denen nur eine Person zu sehen ist - blieben 640 Selfie-Bilder pro Stadt übrig. Diese Bilder wurden im Anschluss nach folgenden Faktoren analysiert: Stimmung, Pose, Alter, Geschlecht.

In Bangkok wird am häufigsten gelächelt

Das sind die Ergebnisse: In Sachen gute Laune schneiden die Menschen im sonnigen Bangkok am besten ab. Ebenfalls viel gelächelt wird in der brasilianischen Stadt São Paulo. Am miesepeterigsten schauen die Menschen in Moskau drein. Ob dies an der aktuellen Situation in Russland liegt, kann an dieser Stelle nur spekuliert werden. Besonders finster gucken vor allen Dingen die russischen Männer.

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Wenig zu lachen haben aber offenbar auch die Berliner. Sie liegen bei den Selfies ohne Lächeln nur knapp hinter den Moskauern. Spitzenreiter ist Berlin bei den richtig bösen Selfies: Vier Finster-Selfies identifizierten die Forscher — so viele wie in keiner anderen Stadt.

Frauen machen häufiger Selfies als Männer

Dieses Ergebnis überrascht nicht: Die Forscher fanden heraus, dass insgesamt mehr Frauen Bilder von sich selber machen als Männer. Jedoch sind die Männer tendenziell älter als die Frauen. Auch neigt das weibliche Geschlecht zu extremeren Posen. Hierbei ist der Trend besonders stark in São Paulo ausgeprägt.

Der Eindruck täuscht: weniger Selfies als gedacht

Rückblick: Seit der Oscar-Nacht wurde über das Foto von Moderatorin Ellen DeGeneres mehr diskutiert, als über die schicken Roben der Damen auf dem roten Teppich. Doch glaubt man der Studie, werden generell gar nicht so viele Selfies gemacht, wie man immer hört. Nur etwa vier Prozent der insgesamt über 650.000 analysierten Instagram-Bilder waren nach den Ergebnissen der Forscher klassische Selfies.

Die Psychologie hinter den Bildern

Aber fast jeder hat es schon einmal getan: Ein schönes neues Kleid gekauft, schnell noch die hohen Schuhe dazu, vor dem Spiegel posiert, das Smartphone in die Hand, den Arm ausstrecken, ganz "natürlich" lächeln und abdrücken. Dann rasch das neue Selfie bei Facebook, Instagramm und Co. hochladen - fertig.

Doch der eigentliche Grund für die Selbstporträts startet erst nach dem Upload. Die beiden amerikanischen Psychologen Jean M. Twenge und W. Keith Campell sind sich sicher: Die Selbstverliebtheit ist mehr als einfach nur eine gesunde Einstellung zu sich selbst. Bereits 2009 haben die beiden ein Buch über die "Narzissmus-Epidemie" geschrieben.

Gemeint ist das Warten auf Reaktionen: Wie viele "Likes" bekommt das Bild? Daumen hoch oder Daumen runter? Wie werden wohl die Kommentare ausfallen? Trudeln dann die ersten Komplimente ein, breitet sich ein schönes Gefühl aus. Das Herz schlägt ein bisschen schneller. Zahlreiche Studien haben inzwischen einen Zusammenhang zwischen Narzissmus und sozialen Netzwerken herausgearbeitet.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Diese Promis stehen auf Selfies

(csr)