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LKA-Ermittler jagt Kinderschänder im Internet: "Hinter jedem Bild steht sexueller Missbrauch"

LKA-Ermittler jagt Kinderschänder im Internet : "Hinter jedem Bild steht sexueller Missbrauch"

Ermittler des LKA jagen kriminelle Pädophile im Internet. Die Täter fühlen sich in der Anonymität des Netzes sicher. So sicher, dass sie auf den Fotos, die den Missbrauch dokumentieren, zu sehen sind. Ein LKA-Ermittler berichtet von seinen Erfahrungen.

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen den ehemaligen Bundestagsabgeordneten der SPD, Sebastian Edathy, wegen Vorwürfen "im Grenzbereich" zur Kinderpornografie. Ein führender BKA-Beamter war einem Medienbericht zufolge wegen des Besitzes von Kinderpornografie aus dem Dienst entfernt worden, nachdem sein Name auf derselben Kundenliste des kanadischen Anbieters von kinderpornografischem Material gefunden worden war wie der Edathys.

Und vor wenigen Tagen verurteilte das Landgericht München einen pädophilen Familienvater wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in Hunderten Fällen zu siebeneinhalb Jahren Haft.

Arbeit nur schwer zu ertragen

Für die Menschen, die Pädophile im Internet jagen und täglich damit beschäftigt sind, Netzwerke aufzudecken, ist die Arbeit oftmals schwer zu ertragen. Die Ermittler müssen sich Fotos missbrauchter und entblößter Kinder anschauen. Immer wieder und wieder. Nicht selten wird auf Bildern festgehalten, wie Babys vergewaltigt werden. Und in wenigen Fällen sind sogar die Täter auf den Aufnahmen zu erkennen.

Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet ein Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) Bayern, wie er seine Arbeit bewältigt, wie er vorgeht und was ihn antreibt. Markus W. stellt klar: "Hinter jedem kinderpornographischen Bild steckt ein sexueller Missbrauch von Kindern. Es tauchen immer wieder Bilder auf, die wir örtlich eingrenzen können oder auf denen der Täter zu sehen ist."

Der LKA-Ermittler beschreibt die Schwierigkeit, täglich mit brisanten Fotos und Videos umzugehen: "Ich habe 2006 meinen ersten Sohn bekommen. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich mir nicht groß Gedanken gemacht. Doch nach der Geburt hat sich das geändert." So habe er sich sogar beim Wickeln seines Sohnes die Frage gestellt, "ob es schon sexueller Missbrauch ist, wenn ich ihn anfasse."

"Gutes Gefühl, den Missbrauch zu beenden"

Woher nimmt W. die Motivation? "Den Täter zu ermitteln. Wenn man sieht, was den Kindern angetan wird, dann ist es ein gutes Gefühl, diese Straftaten aufzuklären — und den sexuellen Missbrauch zu beenden."

Immer wieder habe sich der Ermittler, der beim LKA in der Abteilung Cybercrime arbeitet, die Frage nach dem Warum gestellt: "Das ist wohl der Trieb. Natürlich gibt es auch Täter, die durch Zufall auf solches Material stoßen. Wenn jemand Pornoseiten durchforstet, dann ist es möglich, dass er irgendwann auf kinderpornographische Inhalte stößt."

Und auch nach Jahren der Jagd nach Kinderschändern im Netz überkommt den Familienvater die Wut, wenn er sieht, was Kindern angetan wird. "Man fragt sich unwillkürlich: Warum macht der das? Warum befriedigt sich dieser Mann an seinem eigenen Baby? Da kommt eine gewisse Wut auf."

"Solche Erfolge motivieren mich"

Den Ermittler treiben bei seiner täglichen Arbeit Erfolgserlebnisse an wie diese: "Ein Deutscher gab uns den Hinweis auf das Profil einer Elfjährigen auf Yahoo. Er ist mit dem Mädchen in Kontakt getreten, weil er eine Brieffreundin für seine zehnjährige Tochter gesucht hatte. (...) Dieses Mädchen machte nach der Kontaktaufnahme zweideutige Andeutungen über ihren Onkel, der mit in die Badewanne steige. Außerdem schickte sie ihm Nacktfotos."

W. konnte die IP-Nummer des angeblichen Mädchens feststellen. Schließlich durchsuchten die Ermittler die Wohnung. Dabei stellte sich heraus, "dass es sich hier um kein Mädchen sondern einen Mann handelte, der mit Fotos vom sexuellen Missbrauch seiner Tochter und einer Nachbarin Tauschpartner für Sexbilder von Kindern gesucht hatte. Wir konnten den Mädchen helfen. Solche Erfolge motivieren mich."

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, wie die Ermittler ihre Recherche starten. So geben beispielsweise wachsame Bürger Tipps an die Behörden. Das LKA leitet eine Fahndung ein. "Letztendlich läuft es darauf hinaus, die IP-Nummer herauszufinden. Mit ihr kommen wir — über den Provider — an den Anschlussinhaber."

Zum Ausgleich Fußball

Wenn sie keine IP-Nummer herausfinden können, "melden wir uns beispielsweise in dem Chat an und versuchen, Kontakt zu der verdächtigen Person aufzunehmen, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Um dann auf die IP-Nummer zu kommen."

W. sitzt übrigens freiwillig im Bereich der Internetfahndung. Er habe jederzeit die Möglichkeit, zu wechseln, wenn er die Arbeit nicht mehr bewältigen und verarbeiten könne. Zum Ausgleich spielt der Ermittler Fußball.

(nbe)