Google Street View Deutschland zeigt nur noch die Vergangenheit

Fünf Jahre nach der Einführung : Google Street View zeigt nur noch alte Bilder

Vor fünf Jahren startete der Kartendienst Google Street View. Die Aufregung war groß, die Deutschen hatten Angst vor globaler Überwachung. Heute zeigt der Dienst nur noch Vergangenheit.

Bis 2018 ist Wuppertals Innenstadt eine Großbaustelle. Der Umbau des Areals am Hauptbahnhof, des Döppersberg, ist der größte städtebauliche Eingriff seit Jahrzehnten.

Wer in Erinnerungen schwelgen will, braucht allerdings nur Googles Panorama-Dienst Street View aufzurufen. Hier halten noch immer Busse an den Haltestellen, die es längst nicht mehr gibt. Hier spazieren noch Menschen über die Straßen, die dem Bagger zum Opfer fielen. Bei Google Street View ist die Zeit stehen geblieben.

Fünf Jahre ist es her, dass der Kartendienst am 18. November online ging. Es war der vorläufige Schlusspunkt hektischer Monate, in denen Verbraucherschützer angesichts der Fotos aufschrien, die Googles Kamerawagen von Hausfassaden gemacht hatten.

Monate, in denen der Bundesrat panisch neue Gesetze erlassen wollte und die damalige Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) mit der ganzen Würde ihres Amtes öffentlichkeitswirksam ankündigte, ihr eigenes Wohnhaus bei Street View unkenntlich machen zu lassen - nachdem sie angesichts von Datenschutz-Bedenken zuvor schon ihr Profil im Sozialen Netzwerk Facebook löschen wollte.

Das Männchen, das Street-View-Nutzer auf einem beliebigen Punkt platzieren müssen, um einen virtuellen Spaziergang durch Straßenzüge zu machen, wurde zur Bedrohung der Grundrechte erklärt.

"Ich kann mir anhand von solchen Diensten anschauen, wo und wie jemand lebt, welche privaten Vorlieben er oder sie hat, wie seine Haustür gesichert ist oder welche Vorhänge an den Fenstern sind - und das ist noch das Wenigste", kritisierte Ilse Aigner. Nicht alles davon stimmte, aber darauf kam es im Sommer 2010 nicht an.

"Google wurde mit den Autos, die kamen und die Straßen fotografierten, zu einem Symbol: Für einige war es digitale Innovation, für die meisten aber digitale Invasion", erinnert sich der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar.

Erstmals erlebte der Internet-Konzern, wie sensibel die Deutschen beim Datenschutz sind - und knickte ein. Wer nicht bei Street View seine Hausfassade sehen wollte, konnte vorab Einspruch einlegen. Lediglich 244.000 Haushalte taten dies jedoch.

Dass manche sich jedoch nicht gänzlich zu Unrecht sorgten, zeigten Nachforschungen von Caspar: Die Software der Kamerawagen war so programmiert, dass sie Informationen aus ungeschützten WLAN-Netzen aufgriffen. Google sprach von einem Fehler eines einzelnen Mitarbeiters, doch in den USA gab es am Ende sogar Strafen.

Neuen Ärger will sich das Unternehmen in Deutschland ersparen. Hierzulande verzichtet Google seitdem darauf, das Angebot auf andere Städte auszuweiten und das Bildmaterial zu aktualisieren.

Ändern wird sich daran nichts, betont der Konzern, solange die Vorab-Verpixelung nicht abgeschafft wird. Reisen in die Vergangenheit sind also wohl noch einige Zeit möglich.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die größten Google-Street-View-Lacher

(frin)
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