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Karteneinbindung wird kostenpflichtig: Google beschreitet mit Maps neue Wege

Karteneinbindung wird kostenpflichtig : Google beschreitet mit Maps neue Wege

Für den Reisenden ist es ein bequemes Extra. Da bucht er etwa ein Hotel im Internet, und auf der Webseite gibt es gleich den Standort auf der Karte dazu – dank Google Maps. Für die Unternehmen könnte dieser Service allerdings nun teuer werden, denn Google will sich künftig die Einbindung seiner Karten bezahlen lassen. Ein Novum in der Geschichte des Unternehmens.

Für den Reisenden ist es ein bequemes Extra. Da bucht er etwa ein Hotel im Internet, und auf der Webseite gibt es gleich den Standort auf der Karte dazu — dank Google Maps. Für die Unternehmen könnte dieser Service allerdings nun teuer werden, denn Google will sich künftig die Einbindung seiner Karten bezahlen lassen. Ein Novum in der Geschichte des Unternehmens.

Google wird von kritischen Stimmen gern als Platzhirsch gesehen. Die Nummer eins bei den Suchmaschinen, mit seinem Angebot Street View ganz vorn dabei, Google+ legte einen guten Start hin, und mit dem Android-System für Smartphones ist man erfolgreich. Dieser Status kommt nicht von ungefähr, denn bislang sind die Internetdienste des Suchmaschinen-Anbieters kostenlos. Das wird sich ab 2012 aber ändern — und zwar bei Google Maps.

IT-Webseiten wie chip.de oder heise.de berichten, dass Unternehmen, die Karten von Google auf ihrer Webseite einbinden, für je 1000 Abrufe mindestens vier US-Dollar zahlen müssen. Kostenlos bleibt die Nutzung bei einfachen Karten für bis zu 25.000 Abrufe täglich. Nutzt man aber angepasste Karten, sogenannte "Styled Maps", dann liegt diese Grenze bereits bei 2500 Abrufen. Allerdings wird das Ganze auf gewinnorientierte Unternehmen beschränkt. Für gemeinnützige Webseiten sollen die Dienste weiterhin kostenlos sein.

Eine Gnadenfrist ist vorgesehen

Es ist das erste Mal, dass Google an einem bisherigen Gratis-Dienst mitverdienen will. Dementsprechend umwerbend wird der Beginn des "Abruf-Zählens" auch im Blog des Unternehmens dargestellt - fast so, als fürchte man doch einen kleinen Nachteil dadurch. In dem Blog der Entwickler heißt es: "Keine Seite, die die Grenzen überschreitet, wird die Kartennutzung sofort einstellen müssen. Wir verstehen, dass die Nutzer Zeit brauchen, um herauszufinden, wie ihre Karten genutzt werden."

Aus diesem Grund soll für die Unternehmen, die eine Karte einbinden, eine Art Zähler geschaffen werden, an dem sie ablesen können, ob sie zum Beispiel die magische Grenze von 25.000 Abrufen knacken. Und natürlich wird auch ein Premium-Angebot gemacht, damit man sich erst gar keine Gedanken um die Abrufzahlen machen muss. Das liegt dann allerdings bei mindestens 10.000 Dollar im Jahr.

Im Blog kündigt das Unternehmen auch an, den Anbietern von Webseiten 30 Tage Zeit lassen, um ihr Limit festzusetzen. Eine Schonfrist also, um die Unternehmen nicht zu verschrecken. Denn niemand weiß, welche Auswirkungen der Bezahldienst auf Google und seine Reichweiten haben wird. Schließlich ist der Kartendienst kein Alleinstellungsmerkmal von Google. Auch andere bieten einen solchen Dienst an, nur eben nicht alle kostenlos und damit weniger erfolgreich.

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Nur die obersten 0,35 Prozent aller Websites

Marcs Thielking vom App-Anbieter skobbler, sagte gegenüber Spiegel Online: "Damit bleibt OpenStreetMap, die demokratische Karte in der Art von Wikipedia, die letzte kostenfreie Karte." Und da könnte manches Unternehmen vielleicht dreimal überlegen, ob sie künftig noch Google nutzen wird oder lieber zu einem Konkurrenten wechselt.

Möglicherweise könnte dieses Risiko auch der Grund sein, warum Google mit einem Bezahldienst zunächst bei der Karten-Einbindung startet. Denn den normalen Internetnutzer betrifft das nicht. Wie die "Financial Times Deutschland" schreibt, ließ Google selbst über Twitter mitteilen, dass die Neuerung nur die obersten 0,35 Prozent aller Webseiten betreffe.

Hat das Unternehmen mit dieser Variante aber Erfolg, so lässt sich erahnen, dass es nicht der letzte Schritt in Richtung Geldgewinnung außerhalb des Anzeigenmarktes sein wird. Wie die "Financial Times Deutschland" schreibt, stammen gerade einmal vier Prozent des Unternehmensumsatzes aus anderen Quellen als Werbung. Und genau das werde immer wieder von Analysten kritisiert.

Daher, so zitiert die Zeitung aus dem Blog von Maps-Produktmanager Thor Mitchell, sei die Umstellung nötig, um die "langfristige Zukunft" dieses Dienstes zu sichern. Und wohl nicht nur dieses Dienstes.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Google - neue Dienste und Services 2011