Globale Polizeiaktion gegen Schadprogramm "Blackshades"

Weltweiter Schlag gegen Datenklau : Globale Polizeiaktion gegen Schadprogramm "Blackshades"

Es ist wie ein unerkannter Blick durchs Schlüsselloch - nur eben über die Webcam des eigenen Computers, die von Kriminellen gekapert werden kann. Das Schadprogramm "BlackShades" macht es möglich. Nun greift die Polizei ein.

Mit einer beispiellosen internationalen Großrazzia ist die Polizei in Europa und Amerika gegen die Urheber der Schadsoftware "BlackShades" vorgegangen, die Computer in mehr als 100 Ländern infiziert haben sollen. Europol meldete am Montag 359 Polizeieinsätze und 97 Festnahmen in 16 Ländern, darunter auch Deutschland.

Bei den Verdächtigen soll es sich um Entwickler, Verbreiter und Nutzer des Schadprogramms handeln, mit dem Kriminelle die Computer argloser Besitzer aus der Ferne unter ihre Kontrolle bringen und manipulieren können. Bei den Razzien beschlagnahmte die Polizei Bargeld, Schusswaffen, Drogen und mehr als 1000 Datenspeicher.

Polizeiaktionen gab es nach Angaben der europäischen Polizeibehörde in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Finnland, Österreich, Estland, Dänemark, Italien, Kroatien, den USA, Kanada, Chile, der Schweiz und Moldau.

In einem Gericht in Manhattan wurden am Montag Anklagen gegen fünf Verdächtige veröffentlicht. Die US-Bundespolizei FBI erklärte, weltweit seien mehr als eine halbe Million Computer infiziert.

Nach Angaben des FBI wurde BlackShades mindestens seit 2010 an mehrere Tausend Nutzer verkauft. Einer der Mitentwickler des Programms arbeite jetzt mit den Fahndern zusammen und habe umfangreiche Informationen geliefert.

"Dieses Programm wurde von Tausenden Leuten in mehr als 100 Ländern gekauft", erklärte der zuständige FBI-Mann George Venizelos in New York. "Es bedurfte keiner großartigen Erfahrung im Hacken oder teurem Equipment." 40 Dollar für die Software und ein einfacher Computer hätten ausgereicht, um in fremde Rechner einzudringen.

Die Schadsoftware erlaubt es Hackern, persönliche Daten zu stehlen, Tastenkombinationen auf dem Computer zu kontrollieren und heimlich die Nutzer über die Webcam zu filmen. Außerdem kann damit den rechtmäßigen Besitzern der Zugang zu den eigenen Daten blockiert werden, bis eine Art Lösegeld für die Freigabe gezahlt wird.

Französische Behörden erklärten, die Razzien hätten vergangene Woche stattgefunden, nachdem das FBI zwei BlackShades-Entwickler festgenommen und eine Liste ihrer internationalen Kunden verteilt hatte. Allein in Frankreich wurden demnach mehr als zwei Dutzend Verdächtige am 13. Mai festgenommen. Die globale Polizeiaktion sei eine "neue Form von Ermittlung", hieß es dort.

Der Niederländer Koen Hermans von der Justizbehörde Eurojust sagte, der Fall erinnere daran, dass kein Nutzer des Internets sicher sei.
"Es sollte eine Warnung und eine Abschreckung an all jene sein, die an der Herstellung und Nutzung dieser Software beteiligt sind."

Schon vor einigen Wochen hatte die niederländische Polizei bei Ermittlungen wegen BlackShades einen 18-Jährigen festgenommen, weil er die Schadsoftware dazu benutzt hatte, Bilder von Frauen und Mädchen an 2000 Computern zu machen.

(dpa/ap)