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Hotelkette Marriott prescht vor: Gibt es bald kein freies WLAN mehr im Hotel?

Hotelkette Marriott prescht vor : Gibt es bald kein freies WLAN mehr im Hotel?

Die Hotelkette Marriott möchte ihren Gästen in den USA verbieten, eigene WLAN-Verbindungen in den Hotelzimmern aufzubauen. Dazu hat das Unternehmen eine Petition eingereicht. Bei einem Erfolg der Petition müssten Gäste sogar Durchsuchungen nach elektronischen Geräten befürchten.

In einem 22-seitigen Schreiben an die Bundesbehörde FCC begründet die Unternehmensgruppe Marriott, warum ein Verbot von WLAN-Verbindungen, die Gäste selbst einrichten, sinnvoll sei. Neben Marriott ist auch der US-amerikanische Hotel- und Unterkunftsverband Unterzeichner der Petition. Marriott zufolge könnten sich Gäste über das vom Hotel bereitgestellte Netz einwählen und diese Verbindung dann wiederum für Dritte freigeben. Diese Funktion, einen privaten WLAN-Zugangspunkt (engl. Hotspot) zu erstellen, bieten heute fast alle neuen Smartphones und Computer.

Die Hotelkette befürchtet über diese freigebenen Verbindungen unsichere oder illegale Aktivitäten. Ein weiteres Argument: Wenn etwa bei einem Kongress oder einem Seminar in den Hotels mehrere Teilnehmer eigene Funkverbindungen errichteten, würden die Funkwellen des Hotelnetzes gestört. Man befürchte, dass dann für den Zugang zahlende Gäste Schadenersatz forderten.

Marriott hatte schon illegal Verbindungen gestört

Das im August vorgelegte Schreiben an die FCC ist nicht der erste Versuch der Hotelkette, den Umgang seiner Gäste mit Netzwerkverbindungen einzuschränken. Im vergangenen Jahr hat die FCC bereits eine Strafe von 600.000 Dollar gegen Marriott verhängt. In einem Haus der Gruppe wurden Störsender eingesetzt, um Netzwerke zu behindern, die Teilnehmer eines Kongresses eigenhändig eingerichtet hatten, wie das Internetportal "Boing Boing", das sich mit Sicherheitsfragen im Internet beschäftigt, berichtet.

Der Einsatz dieser Störsender ist in den USA generell untersagt. Was den technischen Aspekt angeht, schaltet Marriott mit der Petition nun zwar auf den ersten Blick einen Gang zurück, doch prominente Unternehmen und Institutionen üben scharfe Kritik.

Die Kritik bezieht sich dabei sowohl auf die technische Umsetzung des Verbots wie auch auf die Form der Petition. Marriott nennt in dem 22-Seiten-Bericht Beispiele aus der Praxis, wonach etwa Universitäten Nutzern von Netzwerken auf dem Campus den Zugang verweigerten. Ein Administrator überwache dort alle Geräte, die sich einwählten. Sollte eine illegale Aktivität erkannt werden, würden diese Nutzer blockiert.

Marriott würde diesen Weg auch gerne gehen. Wer illegal auf das WLAN im Hotel zugreife, werde mit Datenpaketen bombardiert, die ein Zustandekommen einer Verbindung ins Internet verhindere. Die im Bericht genannte "Brown University" stellt jedoch in einem Kommentar klar: Diese Technik nutze man gar nicht.

Cisco fühlt sich von Marriott vereinnahmt

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Die Universität stehe ausdrücklich nicht hinter den Plänen von Marriott. Auch das IT-Unternehmen Cisco wird in dem Bericht genannt, fühlt sich aber ebenfalls falsch verstanden. Laut einer Stellungnahme Ciscos zu der Petition, wolle man nur eine generelle Diskussion über das Thema "Sicherheit von WLAN-Hotspots" anregen. Eine detaillierte Überwachung oder sogar aktive Störung der Verbindungen könne nicht der geeignete Weg sein. Das Internetportal "Boing Boing" schreibt, dass Microsoft und Google ebenfalls die Petition kritisieren.

"Boing Boing" stellt zudem die Frage, ob man bestimmte Funkfrequenzen überhaupt regulieren könne, wenn sie wie die 2,4 Ghz und 5Ghz Frequenzen, die für viele WLAN-Verbindungen genutzt würden, überhaupt nicht registriert sind. Die breite Front gegen Marriotts Pläne könnte auch darin begründet sein, dass das Hotel in dem Schreiben sogar fordert, dass die FCC dem Unternehmen erlaubt, die Nutzung von Geräten mit WLAN oder Bluetooth in ihren Hotels komplett zu untersagen.

Müssen Hotelgäste in Deutschland sich bald auf Handys durchsuchen lassen?

In Deutschland wird in der Diskussion um Hotspots in Hotels oder Gaststätten seltener der Sicherheitsaspekt als viel mehr die Frage nach Urheberrechtsverletzungen in den Vordergrund gestellt. Laut Rainer Spenke, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in NRW, machen sich viele Hotelbetreiber Gedanken über ihr WLAN-Angebot. Die Rechtslage sei hier äußerst unsicher, weil letztendlich immer der Anbieter des Netzwerkes in Haftung genommen werden könne.

Zwar gebe es in Deutschland durchaus Bestrebungen, eine Überwachung durchzuführen, doch Spenke sei nicht bekannt, dass Hotels ähnlich drastische Maßnahmen planten, wie Marriott in den USA. In Deutschland bieten die Marriott Hotels ihren Kunden in der Regel zwei unterschiedliche Zugänge an, einen für private Nutzer und einen für Geschäftsreisende. Im Basispaket sei nur ein Gerät zugelassen und damit bestehe eine Zugangsbeschränkung. Ob man private WLAN-Netzwerke von Gästen als Risiko sehe, konnten uns Mitarbeiter der Hotelstandorte in Düsseldorf und Bochum nicht sagen, die Pressestelle von Marriott in Deutschland war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Wenn es nach dem Verein "Digitale Gesellschaft" aus Berlin geht, könnten die Bedenken des Hotel- und Gaststättengewerbes in Deutschland relativ schnell beiseite geschafft werden. Wie das Computermagazin CT bereits 2012 schrieb, setzt sich der Verein dafür ein, dass die Betreiber (gewerblicher) WLAN-Verbindungen im Sinne des Telemediengesetzes den Internetprovidern gleichgestellt werden. So würde die Haftung nicht mal mehr teilweise bei den Anbietern, sondern ausschließlich bei dem Nutzer liegen.

Die Landesregierung Berlin brachte 2012 eine Initiative in den Bundesrat ein, die auch eben diese Gleichstellung thematisierte. Die Antwort der Bundesregierung: kein Anlass zu einer Neuregelung des Telemediengesetzes. Die Bundesregierung wolle sich viel mehr darauf verlassen, dass Gerichte und die Urheber von Inhalten im Internet einen Ausgleich schaffen würden. Damit bleibt das Betreiben von WLAN-Verbindungen in Hotels in Deutschland weiter ein "heikles Thema", wie Rainer Spenke von der Dehoga sagt.

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(ac)