Düsseldorf: Facebook will Gesichter suchen

Düsseldorf: Facebook will Gesichter suchen

Facebook startet in Europa einen neuen Anlauf für die umstrittene Gesichtserkennung. Anwender sollen künftig selbst entscheiden können, ob sie die Funktion aktivieren.

Die automatische Erkennung für Fotos war bislang in den Ländern der EU nicht verfügbar. Facebook will nun im Zusammenhang mit der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung Verfahren testen, mit denen die Anwender selbst entscheiden, welche Daten sie öffentlich teilen wollen und welche nicht.

"Die Verwendung der Gesichtserkennung ist völlig freiwillig", teilte Facebook gestern in einem Blog-Eintrag mit. Die Aktvierung werde vorgeschlagen und müsse aktiv bestätigt werden. Wenn der Nutzer nichts unternehme oder den Vorschlag ablehne, bleibe die von Datenschützern kritisierte Gesichtserkennung ausgeschaltet.

Wer sich für die freiwillige Funktion entscheide, werde künftig benachrichtigt, wenn ein anderer User das Foto des Betroffenen als sein Profilfoto hochlade. Damit wolle man verhindern, dass Menschen sich als andere auf Facebook ausgeben. Die Anwender werden auch von Facebook hören, wenn sie auf einem Foto auftauchen, auch wenn sie nicht markiert sind. "Sie können wählen, ob Sie sich selbst markieren, sich selbst unmarkiert lassen oder sich an die Person wenden, die das Foto hochgeladen hat, wenn Sie Bedenken haben", verspricht Facebook. Von der Gesichtserkennung sollen auch Menschen mit Sehbehinderung profitieren. Sie sollen auch ohne Markierungen erkennen können, wer auf Fotos abgebildet ist. Die von Facebook entwickelte und eingesetzte Software "DeepFace" erkennt ein Gesicht fast so gut wie das menschliche Gehirn. In einem Versuch gelang es der Software, 4.030 Personen einem Fotopool von 4,4 Millionen Bildern in 97,25 Prozent der Fälle richtig zuzuordnen. Das menschliche Gehirn schafft es in 97,53 Prozent. Die Software muss anhand zweier Fotos entscheiden, ob es sich um dieselbe oder zwei unterschiedliche Personen handelt.

  • Nutzer muss zustimmen : Facebook weitet Gesichtserkennung aus

Bereits 2011 hatte Facebook die Funktion der Gesichtserkennung in Deutschland vorübergehend aktiviert, stampfte den Dienst aber im Folgejahr nach Kritik von Datenschützern wieder ein. "Wieder einmal scheint es, dass Facebook die Privatsphäre seiner Nutzer heimlich untergraben hat", kommentierte Analyst Graham Cluley von der Sicherheitsfirma Sophos die Einführung der Funktion. Damals sollte die Gesichtserkennung zunächst nur dem Nutzer dabei helfen, Personen auf hochgeladenen Fotos zu markieren. Dazu wurden die Aufnahmen mit weiteren Bildern infrage kommender Nutzer verglichen. Dass sich Facebook mit dem Rückschlag nicht abfinden würde, war schon 2012 abzusehen: "Wir glauben weiter, dass man Gesichtserkennung in Europa legal anbieten kann", sagte der damalige Facebook-Europachef und jetzige Facebook-Lobbyist Richard Allan.

Ärger gibt es auch beim Messenger Whatsapp, der 2014 von Facebook übernommen wurde. Thüringens Datenschutzbeauftragter Lutz Hasse hat am Mittwoch bei der Vorstellung seiner Tätigkeitsberichte für 2016 und 2017 vor der Nutzung gewarnt. 99 Prozent der deutschen Nutzer würden sich "deliktisch verhalten", wenn sie den Dienst nutzen, sagte Hasse. Wer WhatsApp nutze, erlaube dem Dienst, alle Kontaktdaten seines Smartphones auszulesen. Diese Zustimmung dürfe jemand WhatsApp aber nur geben, wenn alle Menschen, die im Adressbuch des Nutzers stehen, dem zugestimmt hätten.

(RP/dpa)