Facebook ließ ebenfalls Gespräche im Netz von Menschen abhören

Jetzt also doch : Facebook ließ Gespräche von Nutzern abtippen und auswerten

Als „Verschwörungstheorie“ wies Facebook-Chef Mark Zuckerberg noch 2018 das Aufzeichnen privater Gespräche zurück. Jetzt räumte das Unternehmen ein, ebenfalls Unterhaltungen seiner Nutzer aufgeschrieben zu haben.

Auch der US-Konzern Facebook hat offenbar - entgegen früherer Beteuerungen - Sprachaufnahmen seinen Nutzer aufzeichnen lassen. Der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge beauftragte das Unternehmen hunderte Firmen mit der Abschrift von Sprachaufnahmen. Das Online-Netzwerk räumte in einer Erklärung gegenüber Bloomberg ein, dass es die Verschriftlichung von Gesprächen bestimmter Personen veranlasst habe. Dies sei mit Erlaubnis der jeweiligen Nutzer geschehen. Mittlerweile sei diese Praxis aber beendet worden.

"Genauso wie Apple oder Google haben wir die Praxis, Tonaufnahmen von Menschen abhören zu lassen, vergangene Woche eingestellt", zitiert Bloomberg aus der Mitteilung von Facebook.

Facebook führte gegenüber Bloomberg aus, es habe von Nutzern seiner Anwendung Messenger die Erlaubnis zur Transkription ihrer Gespräche gehabt. Die beauftragtne Firmen überprüften demnach, ob das Facebook-Spracherkennungsprogramm die anonymisierten Nachrichten korrekt interpretierte.

Mitarbeiter der beauftragten Firmen berichteten laut Bloomberg, dass sie das Abhören privater Gespräche mit mitunter vulgärem Vokabular irritiert habe. Sie erfuhren dem Bericht zufolge weder den Ursprung der aufgezeichneten Gespräche noch, wofür Facebook die Transkriptionen nutzte.

Die US-Internetkonzerne Apple, Google und Amazon, die Spracherkennungssysteme anbieten, hatten unlängst bereits eingeräumt, dass sie Sprachaufzeichnungen von Menschen abhören und auswerten lassen, um ihre Anwendungen zu verbessern. Apple und Google versicherten, diese Praxis mittlerweile beendet zu haben.

Facebook, dem die US-Verbraucherschutzbehörde Ende Juli wegen Datenschutzverstößen eine Rekordstrafe von fünf Milliarden Dollar (4,5 Milliarden Euro) aufgebrummt hatte, hatte lange Zeit das Abhören aufgezeichneter Gespräche von Nutzern geleugnet. Facebook-Chef Mark Zuckerberg tat Warnungen vor einer solchen Geschäftspraxis im April 2018 bei einer Anhörung im US-Kongress als "Verschwörungstheorie" ab. "Wir machen das nicht", versicherte er damals.

Später stellte Facebook klar, dass das Unternehmen nur auf das Mikrofon eines Nutzers zugreife, wenn dieser zugestimmt habe. Laut Bloomberg legte der Konzern aber nicht offen, was er mit solchen Aufnahmen machte.

(juju/AFP)
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