Facebook investiert Millionen in Projekt von der TU München - Sheryl Sandberg in München

Sheryl Sandberg in München : Facebook investiert Millionen in deutsche Forschung

Nach dem Horror-Jahr für Facebook nutzt Top-Managerin Sheryl Sandberg die DLD-Konferenz in München, um den Wandel des Online-Netzwerks zu betonen. Es ist ein Monolog, Fragen sind nicht vorgesehen.

Facebook geht auf Kuschelkurs mit Europa. „Wir sind nicht mehr der Konzern, der wir vor einem Jahr waren“, sagte Geschäftsführerin Sheryl Sandberg am Sonntag bei der Zukunftskonferenz DLD in München und kündigte eine Reihe von Maßnahmen an. Das soziale Netzwerk stellt 6,5 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren für ein geplantes Forschungszentrum an der Technischen Universität München zur Verfügung, um ethische Fragen der künstlichen Intelligenz zu erforschen. Auch eine neue strategische Partnerschaft mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ist in Arbeit. Im Vorfeld der EU-Parlamentswahl sollen neue Werkzeuge gegen Manipulation vorgestellt werden.

Nach Monaten schlechter Presse wegen Datenskandalen und Manipulationsvorwürfen versuchte Sandberg, bei ihrem ersten öffentlichen Vortrag in Deutschland seit sieben Jahren in die Offensive zu gehen: „Wir müssen das Vertrauen zurückgewinnen“, sagte die 49-Jährige. Dabei zeigte sie sich auch offen für Regulation. „Wir wissen, dass Menschen sich über die Macht sorgen, die von einigen großen Firmen ausgeht. Wir Konzerne müssen mit der Gesellschaft und Regierungen gemeinsam an neuen Regeln arbeiten. Regierungen müssen Regeln aufstellen und wir müssen uns danach richten.“

Die ersten Reaktionen auf den Auftritt in München fallen kontrovers aus. Einige loben, dass Facebook konkrete Gegenmaßnahmen auf Probleme benennt, andere hätten sich einen authentischeren Dialog gewünscht und nicht nur einen auswendig gelernten Vortrag. Das sonst so enthusiastische DLD-Publikum reagierte reserviert.

Künstliche Intelligenz ist weiterhin das Mega-Thema der Digitaldenker. Allein 15 Diskussionsrunden an zwei Tagen beschäftigten sich mit den Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz auf Leben und Arbeiten der Menschen. Kai-Fu Lee, früherer Chef von Google China, KI-Experte und Investor prognostizierte auf der DLD-Bühne, dass sich China und die USA ein offenes Rennen um die Vorherrschaft bei künstlicher Intelligenz liefern, und Europa nur der dritte Platz übrig bleiben werde. „Es gibt aber keine Bronzemedaille, wenn Gold und Silber so viel Vorsprung haben.“ Bronze sei dann „irrelevant“, so Kai-Fu Lee.

Ähnlich sieht das auch Gerhard Cromme, ehemals ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef und heute Großinvestor in junge, digitale Unternehmen. Er befürchtet, dass die Politik das Thema immer noch nicht entschlossen genug angehe. „Uns fehlt ein konkretes Projekt und eine klare Führung“, sagte er am Rande der Konferenz. Gerade im Bereich der digitalen Verwaltung sei Deutschland im Hintertreffen, so Cromme. Er verwies auf den italienischen Digitalexperten Diego Piacentini, der im Gespräch mit Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen auf der Konferenz begeisterte. In nur zwei Jahren entwarfen Piacentini und ein Team von 50 Mitarbeitern für den damaligen Ministerpräsidenten Matteo Renzi eine Behörden-App, die alle Dokumente und Transaktionen an einem Ort bündelt. „Man braucht dafür keinen komplizierten Algorithmus, sondern einfache Technik. Doch die Menschen müssen umdenken", sagte Piacentini. Und irgendwann müsse man anfangen, auch wenn es Hindernisse geben werde.

Vertrauen Technologischer Fortschritt kann ohne das Vertrauen, das die Technologie dem Menschen dienen wird, zerstörerisch wirken. Ein Problem vor allem für Deutschland, wie die Vizepräsidentin der Technologie-Beratungsfirma Edelman, Margot Edelman, ausführte. In Deutschland liege das Vertrauen in digitale Technologien mit 68 Prozent rund zehn Prozent niedriger als im Schnitt aller anderen Länder. „Techlash“, womit der Vertrauensverlust in Digitalkonzerne bezeichnet wird, sei immer noch einer der „prominentesten Begriffe“ in der Berichterstattung, so Edelman. Die britische Bestseller-Autorin Rachel Botsman machte klar, dass ein gemeinsames Verständnis von Vertrauen notwendig sei, wenn sich etwas ändern soll. Dass das nicht so einfach ist, zeigte sie mit einem kleinen Experiment im Saal. Die 300 Gäste sollten ihr Smartphone entsperren und ihrem Sitznachbarn geben. Die Person durfte dann 20 Sekunden mit dem Telefon machen, was er oder sie wollte. Jeder spürte, wie schwer Vertrauen aufzubauen ist, wenn eine Beziehung zu der Person (oder eben Institution) fehlt. Übersetzt auf die Giganten Amazon, Facebook oder Google bedeutet das: Vertrauen kann ein Wachstumstreiber sein, aber eben auch das schnelle Ende einer Firma bedeuten. Transparenz alleine reicht nicht. Für eine Rückgewinnung des Kundenvertrauens, braucht man stete, vertrauenswürdiges Verhalten. Das braucht Zeit und Ruhe.

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