Fahndung in Niedersachsen: Facebook hilft bei der Verbrecher-Jagd

Fahndung in Niedersachsen : Facebook hilft bei der Verbrecher-Jagd

Das soziale Netzwerk Facebook wird für die Polizei zum Freund und Helfer: Als erstes Bundesland setzt Niedersachsen auf den landesweiten Facebook-Einsatz zu Fahndungszwecken.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) verwies zur Begründung auf eine ganze Reihe von Erfolgen in der Probephase beim Einsatz des sozialen Netzwerks durch die Polizeidirektion Hannover: "Eine modern aufgestellte und für die Zukunft ausgerichtete Polizei kann und darf sich den sozialen Netzwerken nicht entziehen", sagte der CDU-Politiker.

Nachdem sowohl der niedersächsische Datenschutzbeauftragte als auch das Justizministerium in Hannover Bedenken erhoben hatten, war die Facebook-Fahndung im Januar vorübergehend eingestellt worden. Künftig sollen laut Schünemann die konkreten Fahndungsaufrufe nicht mehr auf Facebook gespeichert werden. Stattdessen sollen interessierte Facebook-Nutzer auf Polizeiserver geleitet werden.

Damit entfällt nach Einschätzung Schünemanns der zentrale Vorwurf, dass Fahndungsaufrufe als hoheitliche Aufgabe nicht auf Rechnern anderer Staaten gespeichert werden dürfen. Bislang griffen die Nutzer von Facebook auf Server zu, die in den USA stehen. In Zukunft werden die Polizeidirektionen und Inspektionen eigene Facebook-Auftritte gestalten; konkrete Fahndungsaufrufe aber werden vom Landeskriminalamt (LKA) betreut und ins Netz gestellt.

Acht Erfolge bei der Facebook-Fahndung

In Hannover hatte die Facebook-Fahndung laut Schünemann in der einjährigen Probephase zu acht Erfolgen geführt, darunter bei einem Sexualverbrechen und bei der Suche nach einem verschwundenen Kind. "Ich habe mich deshalb entschlossen, den Weg der Nutzung des web 2. 0 und hier speziell des sozialen Netzwerkes Facebook zur Unterstützung der Maßnahmen der Öffentlichkeitsfahndung weiterzugehen", sagte der Minister.

Der Facebook-Auftritt der Polizeidirektion Hannover hat inzwischen annähernd 100.000 Fans. 69 Prozent der Nutzer sind laut Schünemann zwischen 18 und 34 Jahren alt. Diese Gruppe sei durch die klassische Fahndung über Tageszeitungen kaum noch zu erreichen. Schünemann äußerte die Erwartung, dass die Innenministerkonferenz bei der Facebook-Fahndung dem niedersächsischen Vorbild folgen werde.

Strengere Richtlinien gefordert

Unterdessen kommt eine neue Internet Studie zu dem Ergebnis, dass die große Mehrheit der Deutschen (80 Prozent) private Daten ins Netz stellt, vor allem bei sozialen Netzwerken wie Facebook. 81 Prozent der Befragten befürworten strengere Datenschutz-Richtlinien für die Betreiber sozialer Netzwerke, ergab eine Online-Umfrage mit 1.029 Internetnutzern im Auftrag des IT-Dienstleisters Computacenter. Insgesamt halten 73 Prozent der Befragten die Diskussion um den Umgang mit privaten Informationen im Internet für notwendig und fordern strengere Richtlinien für Unternehmen wie Google oder Facebook. I

(AFP)
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