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Bei Video on Demand fehlen oft die Blockbuster: Download-Filme nicht konkurrenzfähig

Bei Video on Demand fehlen oft die Blockbuster : Download-Filme nicht konkurrenzfähig

Stuttgart/Berlin (RPO). Das Download-Kino aus dem Internet kann es noch nicht mit Videotheken aufnehmen. Das häufig unter dem Namen "Video on Demand" zu findende Angebot konnte in einem Test einer Fachzeitschrift nicht bestehen. Zu oft mangelte es am Filmangebot und Service.

Bei speziellen Online-Portalen können sich beim "Video on Demand" (VoD) Nutzer für ein paar Euro ihren Wunschstreifen bestellen und ganz legal direkt aus dem Netz laden. Es verspricht Filmgenuss, ohne dass der Filmfan das Haus verlassen muss. In der Praxis stellt es aber noch keine echte Konkurrenz zur Videothek da.

"Das Filmangebot und der Service können oft noch nicht überzeugen", sagt Wolfgang Boos von der in Stuttgart erscheinenden Zeitschrift "connect". Das Magazin (Ausgabe 2/2007) hat sechs VoD-Anbieter unter die Lupe genommen. Demnach umfassten die Angebote zwar oft deutlich mehr als 1000 Streifen. Doch auf aktuelle Kassenschlager müssten Kunden in der Regel verzichten.

Zudem sei der für Zuschauer gewohnte Filmgenuss auf dem Sofa noch keine Selbstverständlichkeit. Nur wenige Dienste bieten laut Boos subventionierte Set-Top-Boxen an, die die aus dem Internet geladenen Filme auf dem TV-Gerät sichtbar machen, ohne dass der Computer laufen muss. Im Handel erhältliche Boxen seien teuer und kompliziert zu konfigurieren.

Handling Unkomfortabel

Es bleibt die Möglichkeit, den Computer per Kabel mit dem Fernseher zu verbinden, oder das Video gleich am Notebook oder am PC zu betrachten. Beides sei eher unkomfortabel, gibt Peter Knaak, Technik-Experte der Stiftung Warentest in Berlin, zu bedenken. "Computer stehen nun mal nicht immer im Wohnzimmer. Außerdem ist das Lüftergeräusch des Rechners fast immer lauter als das eines DVD-Spielers."

Wer die Online-Videotheken nutzen will, muss mit weiteren Einschränkungen rechnen: Windows-Rechner sind in jedem Fall ein Muss. Mac- und Linux-Nutzer schauen in die Röhre. Zudem stehen die Video-Dienste etwa von Hansenet, T-Online und EWE Tel nur deren eigenen Internetkunden zur Verfügung. Die Portale maxdome, Arcor VoD, One4Movie, in2movies, RTL NOW! und Premiere Internet TV sind frei zugänglich.

Die Filme kommen auf unterschiedliche Weise zum Kunden. Eine Datei lässt sich entweder komplett herunterladen oder als Stream anschauen. Teilweise steht beides zur Auswahl. Im ersten Fall müssen genügend Festplattenspeicherplatz und je nach Anschlussgeschwindigkeit auch Wartezeit einkalkuliert werden. Beim bisher überwiegend eingesetzten Streaming-Verfahren sieht man den Streifen dagegen in dem Moment, in dem das Signal aus der Datenleitung kommt. Dazu wird ein schneller DSL-Anschluss benötigt.

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Die Qualitätsfrage

Müssen die Filmdaten für die Übertragung sehr stark herunter gerechnet werden, entspreche die Qualität im schlimmsten Fall dem VHS-Standard, erläutert Peter Knaak. Selbst im Idealfall werde DVD-Qualität nicht erreicht. Grundsätzlich sei die Bildqualität aber ordentlich, urteilt Wolfgang Boos. "Echte Cineasten wird das nicht überzeugen. Den meisten Zuschauern dürfte bei schnellem Datenfluss der Unterschied zu einer DVD aber nicht auffallen." Am Klang ist ihm zufolge selten etwas auszusetzen, 5.1-Raumklang in der Regel verfügbar.

Üblicherweise zwischen 1 und 4 Euro kostet der Einzelabruf eines Videos, das dann innerhalb von 24 Stunden beliebig oft angeschaut werden darf. Die Preise liegen teilweise also über denen in Videotheken. maxdome, One4Movie und RTL NOW! bieten allerdings monatliche Abo-Pakete, die sich für Viel-Gucker lohnen können. Beim "Download-to-own"-Anbieter in2movies dürfen die Filme zu Preisen einer Kauf-DVD behalten werden. Die Videodateien für den DVD-Spieler zu brennen, ist jedoch noch nirgends möglich. T-Online hat angekündigt, diese Funktion bald einzuführen.

Mangelware Blockbuster

Serien-Episoden stehen zwar manchmal schon vor der TV-Ausstrahlung zum Abruf bereit, viele Filme sind aber nicht mehr taufrisch, Blockbuster sind Mangelware. Der Grund: Große Hollywoodstudios vergeben die Rechte ihrer Filmhits erst allmählich an die Video-Portale. "Video-on-Demand genießt in der Verwertungskette der Studios noch keine hohe Gunst. Aber wir arbeiten uns immer näher an das Erscheinungsdatum von DVD heran", erklärt Christian Senft, Sprecher von Maxdome-Betreiber SevenSenses in München.

Laut Wolfgang Boos werden viele Zuschauer wohl vorerst an der Leih-DVD festhalten. Sobald die Aktualität stimmt und Set-Top-Boxen zum Standardlieferumfang zählen, werde sich "Video on Demand" durchsetzen, ist Boos überzeugt. Nach Ansicht Peter Knaaks von Stiftung Warentest eignen sich die Online-Plattformen bislang vor allem für "diejenigen, die keinen Videoverleih in der Nähe haben". Einen der frei zugänglichen Dienste auszuprobieren, schade nichts, da keiner eine Grundgebühr verlange.

(gms)