Apple - Google - Facebook - Amazon: Die Schlacht der Web-Riesen

Apple - Google - Facebook - Amazon : Die Schlacht der Web-Riesen

Apple bringt den Musikdienst iTunes Match auf den Markt. Vordergründig geht es um neue Umsätze, tatsächlich aber um viel mehr: Apple, Amazon, Google und Facebook wollen ihre Kunden jeweils an sich ketten.

Im Dezember startete Apple in Deutschland mit "iTunes Match" einen der interessantesten Dienste des Konzerns: Für 24,99 Euro im Jahr können Kunden ihre ganze Musik-Bibliothek auf Apple-Servern speichern. Dann können sie alle Songs von immerhin zehn Endgeräten aus aufrufen und abspielen — also von einer kleinen Armada an Handys, MP3-Playern und Computern aus.

Über die zwei wichtigsten Elemente des Dienstes spricht Apple allerdings nur zurückhaltend: Zu der von Apple gespeicherten Datenbank dürfen auch "schwarz" kopierte CDs gehören. Es reicht, wenn sie einmal per "Rippen" in die Apple-Datenbank iTunes auf einem Computer wanderten. Und abspielbar sind die möglicherweise gigantischen Musikbibliotheken nur auf Apple-Geräten wie iPhone, oder iPad und iMac — einmal Apple-Kunde, immer Apple-Kunde, so lautet die Logik.

Kundenbindung um fast jeden Preis

Das neue Produkt zeigt, wie entschlossen die Online-Giganten um das wichtigste Gut in der digitalen Ökonomie kämpfen: Allein Kunden-Ködern und die Aufmerksamkeit der Menschen zählen, Umsätze und Gewinne sind nur die Ableitung davon. "Die Web-Konzerne setzen auf Kundenbindung um fast jeden Preis", sagt Roman Friedrich von der Beratungsfirma Booz, "nur so können sie weiterwachsen."

Am deutlichsten verfolgt Facebook diese Strategie: Im Frühling peilt das von Mark Zuckerberg gegründete soziale Netzwerk den Börsengang an und hofft auf rund 75 Milliarden Euro, so viel wie RWE, Bayer und Eon zusammen wert sind.

Bei Facebook steht die Ernte noch aus

Das aktuelle Geschäft kann diesen Wert auf keinen Fall rechtfertigen: Nicht einmal zwei Milliarden Euro Umsatz macht der US-Konzern pro Jahr, der Gewinn liegt höchstens bei 500 Millionen Euro.

Anders sieht es dagegen aus, wenn man sich die Strategie anschaut: Mit immer neuen Zusatzdiensten wie dem soeben gestarteten "Timeline" als persönlichem Archiv sollen die Mitglieder immer mehr Informationen über sich preisgeben; Werbung und Verkauf sollen dann die Gewinne ankurbeln. "Irgendwann wird dann auch geerntet", sagt der frühere Apple-Manager Jon Callas, "da versteht das Unternehmen keinen Spaß."

Andere gehen zugrunde

Einmal Kunde, immer Kunde, das ist die Hoffnung der ganzen Branche. So hat sich Google mit gigantischem Vorsprung als weltweit wichtigste Suchmaschine etabliert — Wettbewerber haben keine Chance. Facebook hat alle Wettbewerber abgeschlagen — nur Google hält nun mit Google+ dagegen. Apple hat sein System von iTunes-Shop, Musikverkauf und Zehntausenden Mini-Programmen ("Apps") so perfektioniert, dass vor zwei Jahren fast schon ein Monopol drohte.

Google konterte und hat Android, sein Betriebssystem für Smartphones und Pad-Computer, für alle Handykonzerne geöffnet. Der riesige Erfolg: Mehr als 60 Prozent der Smartphones laufen über Android, als Ergebnis droht nun aber Ex-Weltmarktführer Nokia der Untergang. "Apple und Google rollen den Smartphone-Markt so schnell auf, dass Nokia fast nicht mehr mitkommt", warnt ein Top-Manager des Mobilfunkers O2.

Amazon setzt alles auf eine Karte

Wachsen oder untergehen, darauf läuft der Kampf im Internet hinaus. Und begriffen hat dies Amazon, Marktführer beim Versandhandel von im Web bestellter Ware.

Geschockt von Apples Erfolg mit seinem iTunes-Shop, in dem es auch Bücher und Medienabos gibt, setzt Amazon-Gründer Jeff Bezos alles auf eine Karte: Bereits jetzt gibt es ein einfaches Kindle-Lesegerät für 99 Euro zu kaufen — das eigentliche Geld soll der Verkauf von digitalen Büchern bringen.

Um mit Apples iPad zu konkurrieren, ließ Bezos unter dem Namen Kindle Fire ein schickeres Gerät entwickeln. In den USA kostet es nur 199 Dollar, also erscheint ein Verkaufspreis von 150 Euro in Deutschland denkbar. Gute Idee, doch möglicherweise muss Amazon für den Verkaufsstart hierzulande nachlegen: Die erste Generation des Fire hatte Macken.

Hier geht es zur Infostrecke: Sicherheitstipps für Facebook & Co

(RP/pst/rm/rai)