Die re:publica ist erwachsen geworden

Internet-Konferenz in Berlin : Die re:publica ist erwachsen geworden

In Berlin tobt die re:publica. Mehr Besucher als jemals zuvor sind gekommen, um über das Internet und seine Möglichkeiten, Anwendungen und Gefahren zu diskutieren. Die Veranstaltung ist politischer als früher - das kann auch Promi-Gast David Hasselhoff nicht verhindern. Ein Stimmungsbericht zur Halbzeit.

Diese Konferenz ist erwachsen geworden: 8000 Besucher haben sich für die mittlerweile größte deutsche Internet-Konferenz re:publica in Berlin angemeldet. Mittlerweile arbeiten so viele ehrenamtliche Helfer auf dem Gelände des alten Postbahnhofs am Gleisdreieck in Berlin-Mitte, wie es bei der ersten re:publica 2007 überhaupt Besucher gab.

Sascha Lobo ist der Popstar der Szene. Doch auch er ist ernst geworden. Foto: CC BY 2.0 DAVIDS/Gregor Fischer, 06.05.2014, Re:Publica

Sie drängen sich in die teilweise grotesk zu kleinen Veranstaltungsräume, zu denen die alten Lager- und Rangierhallen umgerüstet worden sind, und stehen geduldig in langen Schlangen vor den Kaffeeständen. Auf bis zu 17 Bühnen und Veranstaltungsflächen gleichzeitig spielt sich das vielfältige Programm ab, grob eingeteilt in verschiedene Themenbereiche wie "Politics & Society", "Media", "Culture" oder "Business & Innovation".

Dabei ist die re:publica aber nicht nur zahlenmäßig, sondern auch inhaltlich erwachsen geworden: Es geht ernster zu als bei den Veranstaltungen in den Jahren zuvor. Ein Beleg sind dafür die rund 70 Panels und Vorträge, die zu politischen Themen stattfinden - das sind etwa ein Fünftel aller Veranstaltungen.

Sascha Lobo ist jetzt todernst

Ein weiterer ist vielleicht auch der Sinneswandel des Popstars der Szene, Sascha Lobo. Der Mann mit dem einprägsamen roten Irokesen-Haarschnitt tingelte früher durch die Talkshows als Internet-Erklärer, will aber angesichts von Spionage-Affäre und Snowden-Enthüllungen nicht mehr lustig sein, sondern todernst.

Seine "Rede zur Lage der Nation" (drunter macht Lobo es nicht mehr) ist dann aber natürlich trotzdem gespickt mit Rhetorik, die die gut 2000 Zuhörer schmunzeln lässt - wenngleich er seiner "Netzgemeinde" ordentlich die Leviten liest: Sie täte zu wenig für die Freiheit des Netzes. Twittern und liken reiche nicht, es müsse harte politische Lobbyarbeit geleistet werden. Und die koste auch Geld. Er ruft zu Spenden für die Organisationen auf, die sich im politischen Raum um die Freiheit des Netzes bemühen. "Ihr twittert über Netzpolitik, aber Ihr überweist nicht." Er geißelt die Nicht-Aufklärung der Snowden-Affäre durch die Bundesregierung als "Unverschämtheit" und mahnt: "Irgendwann denken die Leute, das sei ganz normal."

Um Freiheit ging es auch einem anderen Popstar, der zum Publikumsmagneten am ersten Tag der re:publica wurde: David Hasselhoff war gekommen, um in einer Session mit dem Titel "Looking for Freedom" gemeinsam mit dem finnischen Aktivisten Mikko Hyppönen für ein Manifest für die Freiheit des Netzes zu werben.

Das Manifest allerdings ging in der Gesamtveranstaltung eher unter - Hasselhoff stand im Vordergrund. Als er die Bühne betrat, erhoben sich die meisten Zuschauer von ihren Plätzen - weniger als standing ovation, mehr, um einen guten Winkel für das Smartphone-Foto ihres Jugendhelden aus "Knight Rider" und "Baywatch" zu finden.

Hasselhoff redete über Freiheit, verzettelte sich bei der Antwort auf eine Frage nach seiner Meinung zu Snowden in Unsinn (Snowden habe bei seinen Enthüllungen Namen genannt und dabei Unschuldige gefährdet), kassierte dafür zunächst Schweigen - und dann doch viel Applaus, als er zum Schluss nicht widerstehen konnte, der Bitte eines Fans nachkam und noch ein paar Zeilen aus "Looking for freedom" sang.

Wer Politisches kommunizieren will, braucht mitunter Promis. Manchmal geht dabei allerdings das eigentliche Anliegen unter.

(hav)
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