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Deutschlands Youtube-Stars sind Kölner

Webvideopreis in Düsseldorf : Deutschlands Youtube-Stars sind Kölner

Am Samstag steigt in Düsseldorf der Deutsche Webvideopreis. Ausgezeichnet werden beim Webvideopreis keine Amateure, sondern Profis ihrer eigenen Genres. Wir stellen die Größen der Region vor.

"Webvideos machen, das ist so ein bisschen wie eine Therapie für mich", sagt die Youtuberin LaDolce Vegas. "Ich erzähle gerne Geschichten. Früher habe ich sie aufgeschrieben, heute kann ich mich kreativ vor der Kamera austoben", erzählt sie. Mehr als 19.000 Menschen haben den Youtube-Kanal "Vegas Films" abonniert und bekommen so ganz unterschiedliche Videos zu sehen, etwa eine humoristische Kurzbeschreibung der Gretchenfrage in Goethes "Faust" ("Religion, das ist auch so'n weites Feld, ne?"). Im wirklichen Leben sei sie introvertiert, sagt Vegas, "alleine vor meiner Kamera kann ich dagegen eine andere Seite von mir ausleben". 70 Prozent ihrer Videos seien spontan, für die anderen 30 Prozent habe sie ein Skript.

Das kommt so gut an, dass Vegas eine der 33 Nominierten für den diesjährigen Webvideopreis ist, in gleich zwei Kategorien: "Lifestyle" und "Frau des Jahres". Außerdem ist sie als Teil der #nichtschön-Kampagne, bei der Frauen das gesellschaftliche Schönheitsideal reflektiert haben, als eine von vielen Frauen des Jahres nominiert. Wer am Ende die Preise gewinnt, entscheiden zur Hälfte die Veranstalter der European Web Video Academy und zur anderen Hälfte die Zuschauer, die online für ihre Favoriten abstimmen konnten.

Die von den Zahlen erfolgreichsten Videomacher Deutschlands sind Kelly MissesVlog, nominiert in der Kategorie "Frau des Jahres", oder Gronkh ("Mann des Jahres") mit seinen Videos über Videospiele. Sie erreichen mit jedem Video Millionen Zuschauer. Die Plattform Youtube des Suchmaschinenriesen Google ist dabei der absolute Platzhirsch. Jede Minute werden nach Unternehmensangaben 300 Stunden neues Videomaterial hochgeladen. Die Umsätze mit Werbung verdoppeln sich auf Youtube jedes Jahr.

Diese Werbeumsätze machen das Format Webvideo auch für Firmen immer interessanter. Werbung wird um die Videos herum in Anzeigen platziert, läuft als Vorspann oder findet direkt im Video in Form von Produktplatzierung statt. So etwas organisiert sich nicht von alleine. Die meisten großen Youtuber sind deshalb mittlerweile Mitglied in Netzwerken. Sie machen es sich zur Aufgabe, die Kräfte der Videomacher zu bündeln und die Vermarktung zu optimieren. Das klingt zunächst gut, immer mehr Kreative fühlen sich jedoch eingeengt. Ein prominenter Aussteiger ist Simon Unge, nominiert für den Webvideopreis in der Kategorie "Mann des Jahres". Er fühlte sich vom führenden deutschen Netzwerk Mediakraft allein gelassen und eingeschränkt - und beendete daraufhin Ende 2014 die Zusammenarbeit öffentlichkeitswirksam mit einem Video auf Youtube. Mediakraft warf er dabei die Anwendung von Knebelverträgen vor.

"Man muss als Youtuber Verträge lesen können", sagt dazu Vegas, selbst im Netzwerk Endemol Beyond von der gleichnamigen TV-Produktionsfirma, bei der sie hauptberuflich als Cutterin arbeitet. Netzwerke hätten durchaus ihre Berechtigung, so Vegas. Allerdings müssten Videomacher darauf achten, sich das richtige Netzwerk auszusuchen, das sie auch wirklich unterstützt. Persönlich sei sie froh, nicht von ihren Videos leben zu müssen. Zu einengend seien die Regeln, die sie befolgen müsste, um wirkliche Massen zu erreichen - beispielsweise Regelmäßigkeit oder reißerische Videotitel. "Das geht immer zulasten der künstlerischen Freiheit", glaubt sie.

Tierisch aufgeregt sei sie, sagt sie mit Blick auf die Preisverleihung. "Am meisten freue ich mich auf den Platz ganz nah an der Bühne mit meinem Namen drauf", sagt Vegas. Egal was passiert, aufhören will sie mit Youtube nicht. Dazu seien die Videos ein zu großes Hobby geworden. "Ich werde noch als Youtube-Oma Videos machen."

Hier geht es zur Infostrecke: Das sind die Nominierten für den Webvideopreis 2015

(RP)