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Gewalt in Brasilien: Der unheimliche Tod des Douglas Rafael da Silva Pereira

Gewalt in Brasilien : Der unheimliche Tod des Douglas Rafael da Silva Pereira

Sein Tod hat die jüngsten Unruhen in einem brasilianischen Slum ausgelöst: Douglas Rafael da Silva Pereira. Dass er tatsächlich durch Polizeigewalt ums Leben gekommen sein könnte, wollen die Behörden nicht ausschließen. Genauso, wie es in einem Kurzfilm mit Pereira aus dem vergangenen Jahr zu sehen ist, der nun aktueller denn je ist.

Die Sonne scheint, perfekte Strandidylle, die brasilianische Flagge weht. Szenen des Kurzfilms "Made in Brazil" aus dem vergangenen Juli. Während sich junge Frauen auf Liegen aalen, plaudert eine Gruppe junger Männer miteinander, sie spielen schließlich Fußball im Sand. Einer von ihnen ist Douglas Rafael da Silva Pereira, dessen Leiche vor wenigen Tagen auf dem Gelände einer Kindertagesstätte in Rio de Janeiro gefunden wurde. Sein Tod war der Auslöser für Krawalle in dem Slum Pavao-Pavaozinho. Sie werfen der Polizei vor, an seinem Tod Schuld zu sein. Nach Aussagen von Freunden geriet er in ein Feuergefecht zwischen Polizei und Drogendealern. Er könnte möglicherweise selbst für einen Dealer gehalten worden sein.

Seine Mutter Maria de Fátima da Silva hatte dem Nachrichtenportal UOL gesagt: "Er ist nicht gefallen, er war verletzt und hatte Zeichen von Schlägen am Rücken und an den Schultern." Noch steht nicht fest, woran der junge Mann gestorben ist. Der Leiter der Behörde für Öffentliche Sicherheit, Jose Maria Beltrame, versprach nun lückenlose und transparente Ermittlungen. Eine Autopsie habe ergeben, dass der junge Mann an einer Schusswunde gestorben sei. Und es sei nicht auszuschließen, dass die Polizei Schuld am Tod des Tänzers trage.

Ein Tod wie in dem Kurzfilm "Made in Brazil". Das fast siebenminütige Video gibt Einblicke in das Leben in einer Favela, zeigt den jungen Mann, wie er nach dem Fußballspiel durch die Straßen schlendert, Freunde trifft, im Supermarkt einkauft - und irgendwann auf Polizisten trifft. Sie schreien ihn an, schlagen ihn. Am Ende halten sie ihm eine Pistole an den Kopf und drücken ab.

Fußball sei mehr als ein Spiel, für manche werde er als Brücke in die Freiheit gesehen, heißt es in der Beschreibung zu dem Video. Es geht um die WM, die damit verbundenen Hoffnungen und auch die Enttäuschungen. Denn sieben Wochen vor der Fußball-Weltmeisterschaft sorgt die Offensive der Polizei in den Armenvierteln für Kritik. Drogenbanden sollen so aus den Favelas gedrängt werden, doch die Menschen klagen immer wieder über das übermäßig brutale Vorgehen von Beamten. Genauso ist es auch in dem Kurzfilm zu sehen.

Und in der Hauptrolle Pereira, der Slumbewohner und Tänzer, der durch eine TV-Show eine gewisse Berühmtheit erlangt hatte. "Alles, was wir von ihm im Film zeigen, ist tatsächlich er", zitiert Spiegel Online den Regisseur Wanderson Chan. "Er war sehr beliebt, besonders bei den Kindern." Mehr als 40.000 Abrufe hat das Video inzwischen, und es dürften angesichts seines Todes noch einige mehr werden.

(das)