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Robert Morris legte Zehntausende Computer lahm: Der erste Computerwurm feiert 25. Geburtstag

Robert Morris legte Zehntausende Computer lahm : Der erste Computerwurm feiert 25. Geburtstag

Eigentlich wollte Robert Morris an diesem November-Abend im Jahr 1988 nur eines wissen: Wie viele Computer sind eigentlich mit dem Internet verbunden? Also schrieb der damals 22-Jährige ein Programm – allerdings eines mit schwerwiegenden Folgen, wie sich schon Minuten später herausstellen sollte.

Eigentlich wollte Robert Morris an diesem November-Abend im Jahr 1988 nur eines wissen: Wie viele Computer sind eigentlich mit dem Internet verbunden? Also schrieb der damals 22-Jährige ein Programm — allerdings eines mit schwerwiegenden Folgen, wie sich schon Minuten später herausstellen sollte.

Die US-Medien waren in heller Aufruhr, als sie von diesem Virus erfuhren. Sie strahlten Sondersendungen aus, der erste Computerwurm war das große Thema in den Nachrichten — denn noch nie zuvor hatte es so etwas gegeben.

"Das Leben in der modernen Welt ist um eine Angst reicher", sagte Nachrichtensprecherin Carmen Fields von den "Ten O'Clock News" in Boston, als sie über den Skandal berichtete. "Jetzt, da wir total von unseren Computern abhängig werden, werden sie von Saboteuren heimgesucht."

Studenten der renommierten Technik-Hochschule Massachusetts Institute of Technology (M. I. T.) hatten den Virus entdeckt. Professor James D. Bruce vermutete, dass ein "good A-Student", also ein "guter Einser-Student" hinter dem Computerwurm steckte. Er sollte recht behalten.

Robert Tappan Morris, Sohn des damaligen Chef-Analytikers der NSA, Robert H. Morris, war damals allerdings kein M.I.T.-Student, sondern studierte an der Cornell University in Ithaca im US-Bundesstaat New York. Eigentlich schrieb er das Programm nur, um zu erfahren, wie viele Computer eigentlich mit dem Internet verbunden sind.

Sein Programm sollte sich auf einen anderen Rechner kopieren, dem Morris-PC bestätigen, dass es den anderen Rechner gibt, und dann zum nächsten Rechner übersiedeln. Doch statt nach und nach einen Rechner nach dem anderen zu zählen, ging der Kopiervorgang in eine Endlosschleife. Eine Wurmkopie nach der anderen entstand, und schaffte es so, Zehntausende Computer lahmzulegen.

Der Informatik-Student war sich offenbar bewusst, dass er mit seiner Mail etwas anstellt, das nicht ganz legal ist. Denn statt den Wurm von seiner eigenen Uni loszuschicken, sandte er ihn von einem M.I.T.-Rechner aus los, damit ihm niemand auf die Schliche kam. Als er nach dem Abendessen bemerkte, dass etwas gründlich schiefgelaufen ist und er das Unheil nicht mehr aufhalten konnte, schwieg er erst einmal.

Doch da hatte Morris die Rechnung ohne Mark Rasch gemacht. Der Anwalt und sein Team fanden im Juli 1989 heraus, dass Morris hinter dem Wurm steckte. Rasch wurde vom US-Justizministerium zum Chefankläger ernannt, im Januar 1990 wurde Morris verurteilt — zu drei Jahren auf Bewährung, 400 Stunden Sozialarbeit und 10.000 US-Dollar. Zudem kam er für die Gerichtskosten in Höhe von rund 150.000 US-Dollar auf.

Karriere machte Morris trotzdem. 1995 gründete er das Softwareunternehmen Viaweb, verkaufte es drei Jahre später für 49 Millionen US-Dollar an Yahoo und wurde anschließend Professor am M.I.T.

Hier geht es zur Infostrecke: Viren, Würmer und Trojaner – Gefahren im Netz

(spol)