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Kim Dotcoms neues Projekt: Der Cloud-Dienst Mega im Praxis-Test

Kim Dotcoms neues Projekt : Der Cloud-Dienst Mega im Praxis-Test

Mit einer großen Show hat Kim Dotcom den Start seines neuen Cloud-Dienstes Mega gefeiert. Die Anmeldezahlen und das Konzept bieten durchaus Grund zum Feiern, doch was bietet Mega im Detail und was hebt das Angebot von der Konkurrenz ab? Wir haben es getestet.

In den ersten 14 Stunden nach Bereitstellung des Dienstes haben sich mehr als 500.000 neue Nutzer für den Cloud-Dienst des prominenten Internet-Unternehmers angemeldet. Nicht nur die große Show zur Eröffnung, sondern auch technische Details dürften die Nutzer zur Anmeldung bewogen haben. Mega bietet vier verschiedene Produktpakete an, doch schon die Gratis-Variante überzeugt mit Werten, die man bei der Konkurrenz vergeblich sucht. Der Nutzer hat insgesamt 50 Gigabyte Speicher zur Verfügung, um Daten seiner Wahl zu speichern.

1. Was bietet der Dienst?

Mega hält vier verschiedene Mietgliedschaftsmodelle (Kostenlos, Pro I, Pro II, Pro III) bereit, wobei sich diese im Wesentlichen in der Speicherkapazität unterscheiden, die von 50 Gigabyte (Kostenlos) bis vier Terabyte (Pro III) reicht. Den verschiedenen Modellen gemeinsam ist die hohe Verschlüsselungsrate der Dateien. Die so genannte "RSA-Verschlüsselung" sorgt dafür, dass nur der Sender, der eine Datei hochgeladen hat und der Empfänger, also derjenige, der einen Downloadlink erhält, auf die Datei zugreifen können. Auf den Servern von Mega liegen somit nur verschlüsselte Daten. Dies ist sowohl eine positive Neuerung gegenüber dem Vorgängerdienst Megaupload, gleichzeitig aber auch Grund für Kritik.

Da die Dateien verschlüsselt sind, ist es den Betreibern von Mega nicht möglich, Dateien automatisch und vorsorglich auf Urheberrechtsverletzungen zu untersuchen. Das Unternehmen bietet jedoch an, Inhalte gezielt zu melden, wobei das entsprechende Formular auf der insgesamt übersichtlichen Seite verhältnismäßig schnell zu finden ist. Offensichtlich will Kim Schmitz keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass er es diesmal mit dem Schutz des Urheberrechts ernst meint. Eine weitere Funktion ist der flexible Upload-Vorgang. So kann das Hochladen von Dateien unterbrochen und später fortgesetzt werden, sofern man das Browserfenster in dieser Zeit offen hält. Somit sind auch Netzschwankungen oder kurzfristige Störungen kein Hindernis für den erfolgreichen Upload. Gerade bei größeren Dateien ist dies ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt.

2. Wie schneidet der Dienst im Praxis-Test ab?

Direkt zum Start hatte es einige Probleme bei dem Dienst gegeben. So war die Internetseite mega.co.nz nach dem Start am 19. Januar am 20. Januar für lange Zeit nicht erreichbar. Nutzer, die sich dann am Sonntagabend registriet hatten, mussten lange auf eine Bestätigung warten und konnten Mega somit nicht sofort nutzen. Am Montag, 21. Januar, wurden Registrierungen jedoch sofort bearbeitet und es konnten Dateien hoch- und heruntergeladen werden. Allerdings lief es auch dann noch nicht richtig rund. Die ersten Downloads per Drag&Drop-Funktion stockten und wurden nicht beendet. Zudem funktionierten die Statusanzeigen für Up- und Downloads nicht richtig. Damit war es nicht immer möglich nachzuvollziehen, wie weit ein Vorgang vom Dienst bearbeitet wurde.

Bei Mega lassen sich Dateien über mehrere Wege in die eigene Cloud hochladen. Nach der Anmeldung auf der Seite kann man sich über einen Datei-Explorer zu seiner Cloud bewegen und über die Funktion "Datei/Ordner hochladen" die entsprechenden Dateien auswählen oder man zieht sie per Drag&Drop auf den Cloud-Ordner von Mega. Für ganz Ungeduldige bietet sich ein kleiner Trick an: sobald man auf Mega eingeloggt ist, kann man Dateien auch per Drag&Drop-Funktion zur eigenen Cloud hinzufügen, auch wenn man nicht die eigene Ordner-Struktur geöffnet hat. Ist man zum Beispiel gerade mit seinen Konto-Einstellungen beschäftigt, muss man nicht die Ansicht wechseln, sondern kann Dateien einfach in das geöffnete Fenster ziehen.

Downloads wurden während unseres Tests zudem immer wieder von "temporären Fehlern" begleitet, die verhinderten, dass der jeweilige Download ordnungsgemäß startete. Stichhaltige Aussagen über die Download-Geschwindigkeiten ließen sich somit leider nicht treffen.

3. Was unterscheidet Mega von der Konkurrenz der Cloud-Dienste?

Mega steht in Konkurrenz zu reinen Cloud-Diensten wie Google Drive oder Dropbox, aber eben auch zu den Speicherdiensten von Amazon (Cloud Player und Cloud Drive) oder Apple (iCloud und Match). Im Gegensatz zu Amazon und Apple bietet Mega keine Vorschau- oder Abspielmöglichkeit von hochgeladenen Multimediadateien. Das heißt, dass Filme zum Beispiel nicht über den Dienst selber angesehen werden können, wie es noch beim Megaupload-Ableger "Megavideo" der Fall war. Ein Grund für diese fehlende Funktion ist offensichtlich die Konzentration auf die Verschlüsselung bzw. Sicherheit.

Im Gegensatz zu anderen reinen Speicherdiensten wie Dropbox kann Mega mit seinem hohen Speichervolumen und der hohen Bandbreite überzeugen. Der Upload von großen Dateien ist bei Dropbox noch immer sehr umständlich — wer Dateien über 300 Megabyte speichern möchte, muss den Klienten für den PC installieren. Ein Upload größerer Dateien direkt über die Seite ist bei Dropbox sonst nicht möglich. Bei Mega gibt es diese Beschränkungen nicht. Im Vergleich zu Dropbox, den Diensten von Apple und Amazon fällt jedoch auf, dass Mega (noch) keine App für mobile Endgeräte bietet. Zwar beteuert das Unternehmen, dass man an einer Lösung arbeite, doch dürfte für viele potentielle Nutzer gerade die Erreichbarkeit und die Verwaltung ihrer Daten auf einem Smartphone oder Tablet interessant sein.

Im Fazit unseres Tests steht ein theoretisch einfach zu handhabender Cloud-Dienst mit großem Speichervolumen, der aber in der Praxis noch erhebliche Mängel aufweist. Auch die Integration für mobile Geräte fehlt. Wer jedoch auf Sicherheit und den Austausch vertraulicher Daten setzt, dürfte in Mega ein vernünftiges Angebot finden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Cloud-Dienst Mega im Praxistest

(ac)