Datenleck bei Facebook: Endlich Regeln und Kontrolle

Facebook-Skandal: Wir brauchen endlich Regeln und Kontrolle

Der Datenskandal bei Facebook nimmt größere Ausmaße an. Die Politik muss nun das Momentum nutzen. Wir brauchen endlich Regeln und Kontrollmöglichkeiten für die sozialen Netzwerke.

Nun sind es also schon 87 Millionen Nutzer, die vom Daten-Missbrauch bei Facebook betroffen sind, darunter 310.000 deutsche Nutzer. Ein Skandal — oder doch nur die logische Konsequenz unseres eigenen sorglosen Umgangs mit persönlichen Informationen? Wir sind doch selber schuld, weil wir Facebook diese Daten freiwillig überlassen, lautet schließlich ein Argument, dass man in den vergangenen Tagen immer wieder mal hört. Aber das sticht nicht.

Natürlich geht es auch immer um die Frage der Eigenverantwortung. Jeder weiß, dass der Dienst nur auf den ersten Blick kostenlos ist, weil die Währung, mit der bei Facebook bezahlt wird, die persönlichen Daten sind. Trotzdem liest kaum jemand die Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder passt seine persönlichen Einstellungen so an, dass möglichst wenig Daten genutzt werden dürfen.

Es geht um viel mehr

Aber dieser Skandal zeigt, dass es hier um viel mehr geht. Denn unter den 87 Millionen Betroffenen sind ja nicht nur Leute, die über Facebook die App genutzt haben, mit deren Hilfe am Ende die Analysefirma Cambridge Analytica die Daten erfasste — sondern auch deren Freunde und Kontakte. An diese kam das Unternehmen nur heran, weil Facebook das zeitweise möglich machte.

  • Mehr Transparenz : Facebook aktualisiert seine Datenschutz-Bedingungen

Und deswegen ist es richtig, dass wir unterscheiden: Denn "wir" sind zwar einerseits Konsumenten, denen ein bisschen Sorgfalt hier und da sicherlich nicht schaden würde. Aber andererseits sind wir auch Bürger. Und deren Schutz obliegt nicht jedem einzelnen von uns, sondern dem Nationalstaat oder dessen Vertreter, weil es Bereiche gibt, die nur übergreifend geregelt werden können, um möglichst großen Schutz und Nutzen für alle zu schaffen.

Regeln sind wichtig

Ein Beispiel: Als das Auto zum Massenphänomen wurde, genossen die Menschen als Konsumenten die neuen Möglichkeiten der Mobilität — obwohl gleichzeitig massive Probleme entstanden: schlimme Unfälle, Verkehrstote, Stau- und Umweltprobleme. Die Antwort auf diese Probleme konnte und kann natürlich nicht die Abschaffung des Autos sein. Stattdessen wurde die Gurtpflicht eingeführt, der Führerschein, der Katalysator. Kurzum: Es wurden Regeln geschaffen, mit denen die Vorteile der Technik zum größtmöglichen Nutzen von allen werden. Vom vorsichtigen Fahren entbinden diese Regeln den Menschen nicht — aber sie geben ihm einen rechtlichen Rahmen an die Hand, der nicht nur dem Einzelnen Sicherheit bietet, sondern eine gesellschaftliche Antwort auf die Probleme darstellt.

Ähnlich verhält es sich nun bei Facebook und den anderen Datenkraken: Für Konsumenten bieten Suchmaschinen, soziale Netzwerke und Co. viele Vorteile. Doch längst hätten Regeln und Kontrollmöglichkeiten eingeführt werden müssen, um für den größtmöglichen Nutzen für alle Menschen zu sorgen — und nicht nur für die eigenen Aktionäre. Facebook und Co. haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie nur unter größtmöglichem öffentlichen und politischen Druck zu Veränderungen bereit sind. Nie war der Druck größer als jetzt. Die Politik muss dieses Momentum nutzen.

(frin)