Anti-Putin-Videos und bezahlte Blogger: Das Internet prägt Russlands Wahlkampf

Anti-Putin-Videos und bezahlte Blogger: Das Internet prägt Russlands Wahlkampf

Videos über Wladimir Putin, bezahlte Blogger und eine eigene Webseite für den Präsidentschaftskandidaten: Der russische Wahlkampf hat das Internet in vollem Umfang erreicht. Und es sind nicht nur die Gegner des Noch-Ministerpräsidenten, die versuchen, die Öffentlichkeit zu beeinflussen.

Das Video wurde schon fast zwei Millionen Mal angeklickt: Wladimir Putin hinter Gittern. Seit Montag ist der fiktive Film bei Youtube zu sehen und doch schon ein riesiger Erfolg. Offenbar hatte jemand Bilder von Putin und aus Prozessen gegen Kreml-Gegner Wladimir Putin zusammengeschnitten.

Angebliche ehemalige Fallschirmjäger sind im Netz mit einem Anti-Putin-Song zu sehen. Foto: zoomin

Es ist nicht das erste Anti-Putin-Video, dass im Internet für Furore sorgt. Ende Januar tauchte die wackelige Aufnahme zweier angeblicher ehemaliger Fallschirmjäger auf, die auf einer Bühne einen Song gegen den Präsidentschaftskandidaten singen. Die beiden Männer singen etwa "Wir haben dir vertraut, doch du hast viele Jahre gelogen" oder: "Du bist ein einfacher Beamter, kein Zar und kein Gott."

Eine verwirrende Lobeshymne

Die Sänger selbst, so schreibt dw-world.de, bezeichnen sich als Vertreter einer Veteranenorganisation von Fallschirmjägern, doch auf der Webseite des Verbandes sei kein bisschen Kritik an dem jetzigen Ministerpräsidenten zu lesen. Und so vermuten einige User auch, dass es sich nicht um echte Vertreter der angesehenen Armee-Brigade handelt.

Dennoch entwickelte sich auch dieses Video blitzschnell zu einem Internethit, nachdem ein bekannter Blogger darauf hingewiesen hatte, wie dw-world schreibt. Für Verwirrung dagegen sorgte in den vergangenen Tagen ein Film, der auf den ersten Blick wie eine Lobeshymne auf Putin wirkt. Das Video trägt den Titel VVP - die Initialen des Präsidentschaftskandidaten.

"Erinnern wir uns an die Jahre, als er nicht hier war - wir hatten nur Angst. Eine Nation in Gefahr, ein leidendes Volk. Genau zu der Zeit schickte Gott ihn uns", zitiert focus.de aus dem Songtext. In dem Bericht heißt es aber auch, dass russische Blogger das Video eher nicht als Lobeshymne sehen. Der Song sei so lächerlich, dass er Putin eher abwerte als ihn lobe. Herausbekommen wird man wohl nie, von welcher Seite dieses Video stammt. Aber es zeigt auch, dass die Seite Putins auch nicht untätig ist, wenn es um die Deutungshoheit im Netz geht angesicht des Wahlkampfes.

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Rücktrittsforderungen auf Webseite

So hatte Putin extra eine eigene Webseite eingerichtet, auf der er etwa die Bekämpfung der Armut und der Korruption ankündigt. Wie tagesschau.de kurz nach der Freischaltung der Internetseite schrieb, gibt sich Putin auf der Seite dialogfreudig, doch die ersten Kommentare waren vor allem Rücktrittsforderungen.

Viel mehr in den Wahlkampf im Netz eingegriffen hat allerdings die Kreml-nahe Jugendorganisation Naschi. Nach mehreren Medienberichten soll sie Blogger dafür bezahlt haben, positive Berichte über Putin im Netz zu veröffentlichen und zu verbreiten.

Aufgedeckt haben das russische Hacker, die entsprechende E-Mails zwischen den Bloggern und Naschi veröffentlichten. Dabei wurden sogar Honorare bis in die zehntausende Euro gezahlt. Offenbar wollte der Kreml im Netz zeigen, dass auch dort meist eine Pro-Putin-Stimmung herrsche. Denn das Internet dürfte aufgrund der zensierten staatlichen Medien in Russland ein wichtiger Faktor für die Wähler sein, die sich informieren wollen.

Bis zu Wahl im März wird es in dieser Hinsicht wohl noch einiges zu entdecken geben, denn beide Seiten werden sich nichts schenken. Wer am Ende das Rennen macht, wird sich noch zeigen. In Umfragen allerdings gehen viel Russen davon aus, dass sich Putin durchsetzt - auch wenn ihn nicht einmal 50 Prozent wählen wollen.

(das)
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