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Chaos Computer Club landet auf britischem Pornofilter

Briten können CCC-Seiten nicht besuchen : Britische Pornofilter sperren Chaos Computer Club

Sie sollen die Briten vor Pornos schützen, doch jetzt bestätigt sich die Befürchtung der Gegner von Internet-Sperren: Auch kritische Inhalte werden gesperrt. So werden in Großbritannien Webseiten des deutschen Chaos Computer Clubs gesperrt.

Kurz vor seinem jährlichen Kongress sind die Webseiten des deutschen Chaos Computer Clubs (CCC) in den landesweiten britischen Filter für Online-Pornografie geraten. Der Verein warnt erneut unabhängig vom Land vor zunehmendem "Overblocking". Der Hacker-Club geht davon aus, dass seine Webseite in den sogenannten Pornofilter von britischen Internet-Providern geraten ist. Standardmäßig filtert der Jugenschutz alle Webseiten aus dem Datenstrom, die auf der landesweiten schwarzen Liste für Online-Pornografie stehen.

Vor einigen Wochen wurde der Filter weiter ausgedehnt. auf der Sperrliste sind "seitdem nicht nur Inhalte legaler pornographischer Seiten, sondern auch solche mit den Themen Alkohol, Drogen, Nikotin — und als 'extremistisch' eingestufte Meinungen", heißt es in einer Mitteilung des CCC.

Nach Verhandlungen mit der Regierung hatten sich die vier großen Londoner Internetprovider BT, Sky, TalkTalk und Virgin Media dazu verpflichtet, künftig auch Hassseiten von Dschihadisten oder vergleichbare Werbung für Terrorgruppen herauszufiltern.

Wie Tests der Organisation Open Rights Group zeigen, sind offenbar auch die seiten ccc.de auf einer der schwarzen Website-Liste gelandet. Ärgerlich ist auch: Beim Provider Vodafone wurde die Seite events.ccc.de gesperrt. Hier stellt der Verein unter anderem sein Abschlussevent des Jahres den "Chaos Computer Congress" vor.

Nach Ansicht des CCC können diese Sperren technisch umgangen werden, "jedoch sind dazu nicht alle Nutzer in der Lage", schreibt der Verein. So ist beispielsweise die Seite des CCC auch aus Großbritannien weiterhin direkt im Browser über ihre IP-Adresse http://213.73.89.123/ erreichbar.

Dies ändere aber nichts daran, dass es zum sogenannten Overblocking komme, "also auch Inhalte gesperrt werden, die keine der faktisch zensierten Themen enthalten". "Schockiert" ist der CCC vor allem darüber, dass sogar der Zugang zu den Veranstaltungen erschwert wird: "Wir sehen uns leider darin bestätigt, dass Zensurinfrastruktur — ganz unabhängig vom Land, in dem sie eingesetzt wird — früher oder später auch zur Durchsetzung politischer Interessen eingesetzt wird", sagte CCC-Sprecher Dirk Engling.

(dafi)