Audible drängt in den deutschen Podcast-Markt

22 neue Eigenproduktionen: Audible drängt auf den Podcast-Markt

Der neue Podcast-Hype hat auch den Hörbuch-Anbieter Audible erfasst. Mit Namen wie Nina Ruge, Jörg Thadeusz oder Micky Beisenherz sollen Hörer für neue Podcasts gewonnen werden. Audible eifert damit Netflix nach und wandelt sich von einer Plattform zum Medienanbieter.

Das gesprochene Wort spielt für viele Deutsche im Netz eine immer wichtigere Rolle. Fast jeder zweite Deutsche nutzt Audio im Netz. Im Vorjahr lag die Zahl bei nur einem Drittel. Die Hörspiel-Plattform Audible steigt bei diesem Trend ein und investiert einen siebenstelligen Betrag in ein eigenes Podcast-Angebot. Audible-Kunden hatten bislang Zugriff auf klassische Hörbücher, künftig gibt es für sie ebenfalls Inhalte aus dem nicht-fiktionalen Bereich.

Für die Abonnenten stehen zunächst 22 regelmäßige Formate mit prominenten Namen und Medienmarken zur Verfügung. Die Moderatoren Jörg Thadeusz und Nina Ruge sind in eigenen Interview-Podcasts zu hören. Der Literaturkritiker Denis Scheck bespricht mit Autoren ihre Lieblings-Hörbücher. Satire kommt von Micky Beisenherz und Oliver Polak in ihrem neuen Podcast "Juwelen im Morast der Langeweile". Als Medienpartner kooperiert Audible mit Der Spiegel, Brand Eins, Die Bunte, Titanic, Vice, Galore und die 11 Freunde.

Der Hörbuch-Pionier hat das neue Angebot von langer Hand vorbereitet. Dazu gehörte eine umfangreiche Studie und viele Tests. "Wir haben das Programm basierend auf den Wünschen der Hörer entwickelt, gemeinsam mit großartigen Partnern, die unseren Qualitätsanspruch teilen", erklärt Paul Huizing, Verantwortlicher des Podcasts-Programms bei Audible. "Jeder in Deutschland soll bei uns mindestens einen Podcast finden, den er gerne und regelmäßig jede Woche hört."

Im Audible Hörkompass 2017, einer Studie von Kantar EMNID im Auftrag von Audible, stimmen 44 Prozent der Podcast-Hörer der Aussage zu, dass es bisher zu wenige gute deutschsprachige Podcasts gibt. Zudem wünschen sich zwei Drittel, dass mehr etablierte Medienmarken Podcasts anbieten. Darüber hinaus hatte Audible einen Konzept-Wettberwerb für unabhängige Podcast-Produzenten durchgeführt. Nach vielen Tests und Hörerbefragungen sind Formate entstanden, die zum Teil auch erst in den kommenden Monaten vorgestellt werden. Monatlich sollen zwei weitere Formate hinzukommen - laut Huizing von der investigativen journalistischen Reportage über die Late-Night-Show bis zu täglichen Kolumnen von renommierten Journalisten.

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Audible ist nicht die erste Plattform, die mit eigenen nicht-fiktionalen Audio-Inhalten punkten möchte. Die Amazon-Tochter hat Konkurrenz im eigenen Haus: Seit diesem Herbst können Kunden des Streamingdienstes Amazon Prime die Bundesligaspiele exklusiv über das Netz hören. Als einer der ersten Plattformen in Deutschland hat Spotify eigene Podcasts angeboten. Im Frühjahr 2016 gab es ein großes Aufsehen, als Jan Böhmermann und Olli Schulz mit ihrem Format "Sanft & Sorgfältig" vom öffentlichen-rechtlichen Sender Radio Eins zum Streamingdienst Spotify wechselten. In der Podcast-Szene wird der Wandel der Plattformen zu Medienanbietern intensiv verfolgt. Auf der Branchen-Konferenz "Subscribe" wurde dies am Wochenende diskutiert. Klassische Podcaster kritisieren, dass Spotify und Audible die Inhalte nur ihren Kunden zur Verfügung stellen und die Inhalte nicht in regulären Podcast-Apps abrufbar sind.

Erstmals seit dem Aufkommen von Youtube vor zehn Jahren ist das Thema Audio in Deutschland den Nutzern annähernd wieder so wichtig wie Video. Das zeigen die aktuellen Zahlen der ARD- und ZDF-Onlinestudie. Für das starke Wachstum sind vor allem Musik-Streamingdienste wie Spotify verantwortlich, die im Vergleich zum Vorjahr am stärksten zulegen konnten. 33 Prozent der Deutschen nutzen diese Dienste gelegentlich. 29 Prozent hören Radio live über das Netz und 13 Prozent nutzen Podcasts. Bei den jungen Erwachsenen hört allerdings jeder Dritte Podcasts. Neue Angebote, wie die von Audible, dürften dafür sorgen, dass Wort-Inhalte auch bei älteren Nutzern auf stärkeres Interesse stoßen.

Auch die Rheinische Post bietet Audio im Netz an: Unsere eigenen Podcasts stellen wir Ihnen unter podcasts.rp-online.de vor.

(dafi)
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