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Speichern von Bewegungsprofilen: Apple schlägt Wut und Entsetzen entgegen

Speichern von Bewegungsprofilen : Apple schlägt Wut und Entsetzen entgegen

Frankfurt/Main (RPO). Der Computer-Konzern Apple ist weltweit in die Kritik geraten. Sein Handy und sein Tablet-PC speichern die Standorte der Nutzer, ohne dass diese davon wissen. Daraus können leicht auslesbare Bewegungsprofile erstellt werden. Datenschützer sind entsetzt. Am Wochenende schaltet sich auch die Politik ein.

Die FDP hat empört auf die Nachricht reagiert, dass der Computerkonzern Apple Bewegungsprofile von Nutzern des Mobiltelefons iPhone und des Minicomputers iPad erstellt. "Es ist absolut nicht in Ordnung, den Leuten so etwas unterzuschieben", erklärte Marco Buschmann, Rechtsexperte der FDP-Bundestagsfraktion in einem Interview.

Die Mobilfunkbetreiber müssten ihre Kunden jetzt sofort darüber informieren, welche Daten in welchem Umfang gespeichert worden sein. Buschmann forderte in der "Frankfurter Rundschau" zudem eine rechtliche Prüfung, ob das Abgreifen von Daten durch eine Änderung der allgemeinen Geschäftsbedingungen verhindert werden kann.

Bayerns Datenschutzbeauftragter setzt Frist

Und auch Bayerns Datenschutzbeauftragter Thomas Kranig fordert vom Computerkonzern Apple eine Erklärung. Seine Behörde habe Apple eine Frist bis zum 10. Mai gesetzt, um zu erklären, was das Unternehmen mit den Daten seiner Kunden mache, sagte Kranig der "Süddeutschen Zeitung" vom Samstag.

Sollte Apple diese Transparenz nicht gewähren, "dann können wir etwa Bußgelder von bis zu 300.000 Euro verhängen". Der Datenschützer verwies darauf, dass auch deutsche Landesbehörden bei amerikanischen Unternehmen durchaus etwas erreichen könnten. "Auch ein großer Konzern, der sich in Deutschland bewegt, muss sich an deutsche Gesetze halten", betonte Kranig.

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Was tut Apple?

Denn Apples mobile Geräte erweisen sich als kleine Spione: Sie speichern, wann ihr Nutzer wo steht und legen diese Daten dann in einer versteckten Datei auf dem Handy bzw. Computer ab. Betroffen sind das Handy iPhone und der Tablet-PC iPad mit 3G, also einer Sim-Karte eines Netzbetreibers. Bei der Synchronisierung der mobilen Geräte mit dem heimischen Computer der Apple-Kunden über iTunes werden alle Ortungsdaten in einer versteckten Datei mit dem Namen consolidated.db gespeichert.

Was will Apple mit den Daten?

Wozu die Informationen genutzt werden, ist unklar. Experten vermuten, dass Apple die Daten sammelt, um sie künftig für die gezielte Platzierung von Werbung zu nutzen. "Vielleicht geht es um ortsbezogene Anzeigen, um Werbung von einer Tankstelle oder einem Restaurant, das man häufig besucht hat", sagt Handyspezialist Jörg Wirtgen von der deutschen Computer-Zeitschrift "c't".

Zudem lassen sich mit den Daten und einer simplen Software auch genaue Bewegungsprofile erstellen. Pete Warden hat auf seiner Webseite eine Mac-Software namens iPhoneTracker bereitgestellt. Mit dieser Software lassen sich die Ortungsdaten auslesen und auf einer Karte darstellen. Diese Karten zeigen, welche Orte ein Apple-Kunde besonders oft aufsucht. Das besorgt Experten, weil die Daten in einer leicht lesbaren Form auf den Computern der Nutzer abgelegt würden. So sei die Datei standardmäßig nicht verschlüsselt oder per Kennwort geschützt, so Warden und Allan. "Jedes andere Programm, das Sie laufenlassen, oder jeder andere Nutzer, der Zugriff auf Ihren Rechner hat, kann Einblick nehmen", warnen sie.

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Wie genau kennt Apple den Standort des Nutzers?

Nach ersten Erkenntnissen sammeln die Handys und Minicomputer die Angaben über Funkzellen, in denen sich Nutzer mit iPhones oder iPads bewegen. Präzise Koordinaten werden offenbar nicht in der besagten Datei abgelegt. In Großstädten geben aber schon die Funkzellen die Aufenthaltsorte der Mobilfunknutzer auf mehrere hundert Meter genau an.

Wie können Kunden sich schützen?

Auf dem iPhone oder iPad selbst lässt sich die Aufzeichnung der Daten bislang nicht abschalten. Solang sie im Stand-by-Betrieb sind, werden die geografischen Daten registriert. Die einzige Möglichkeit, sich gegen die Ortung zu schützen, ist, das Gerät auszuschalten. Um sich wenigstens vor unerwünschter Weitergabe zu schützen, empfehlen Allan und Warden, das von iTunes angelegte Backup der iPhone- oder iPad-Daten zu verschlüsseln. Dazu muss in der linken Spalte das mobile Gerät markiert und unter "Übersicht" die Option "iPhone-Backup verschlüsseln" aufgerufen werden. Daraufhin wird der Nutzer zur Eingabe eines persönlichen Kennworts aufgefordert.

Was sagen die Datenschützer?

Datenschützer und Politiker reagierten entsetzt. Der deutsche Datenschutz-Beauftragte Peter Schaar betonte, die Speicherung von Standortdaten ohne Kenntnis der Betroffenen wäre nicht zulässig. Das Bundesverbraucherministerium und US-Senator Al Franken forderten Apple auf, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Bislang hat der Konzern sich nicht geäußert. Das Problem: Im Vertrag für das iPhone stimmen die Handy-Besitzer der Verarbeitung und Weitergabe von anonymisierten Ortungsdaten an Apple und seine Partner zu.

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(apd/RP/AFP)