Apple geht auf Konfrontation zu Facebook.

Datensperre : Apple sagt Facebook den Kampf an

Eltern können künftig die iPhone-Nutzung ihrer Kinder viel besser begrenzen. Dies ist eines der neuen Software-Features von Apple. Gleichzeitig sagt der Konzern dem Daten-Abfischen durch Facebook den Kampf an.

Apple will die Nutzer des iPhone und des iPad besser davor schützen, die Zeit von sich und von ihren Kindern sinnlos mit Spielchen, Kurznachrichten und dem Posten von Fotos zu vergeuden. Dies ist eine wichtigsten Innovationen mit dem ab Herbst startenden neuen Betriebsstem iOS 12, das der Konzern auf der weltweiten Entwicklerkonferenz in San Jose bei San Francisco vorstellte.

Dabei sagt Apple auch Facebook den Kampf an: Als von Zeitverschwendung die Rede ist, wird ausgerechnet der Bilderdienst Instragram gezeigt, der zu Facebook gehört. Und Apple bremst das Datensammeln von Facebook bei den mehr als eine Milliarde Euro Nutzern von iPhone und iPad.

„Wir glauben, dass private Daten privat bleiben sollen“, sagte Apple-Manager Craig Federighi. „Es hat sich gezeigt, dass ’Gefällt mir’-Buttons und Kommentarfelder dazu benutzt werden können, dir auf der Spur zu bleiben – also werden wir das abstellen.“

Konkret sollen sich in Apples Standardbrowser Safari künftig sogenannte Cookies, wie sie etwa über Facebooks „Gefällt mir“-Button auf den Geräten der Nutzer platziert werden, blockieren lassen. Unternehmen solle es dadurch „drastisch“ erschwert werden, ein Gerät zu identifizieren, die Aktivitäten zu verfolgen und „unverwechselbare“ digitale Fingerabdrücke zu erstellen, erläuterte Federighi.

Der Vorstoß kann für Facebook das Geschäft deutlich erschweren, denn Safari läuft nicht nur auf Apples Mac-Computern und den iPads, sondern ist auch der meistgenutzte Webbrowser auf dem iPhone. „Das Beharren auf hohem Datenschutz entwickelt sich zunehmend zu einem Verkaufsargument für Apple“, sagt dazu der Düsseldorfer Unternehmensberater Holger Neinhaus, „damit grenzen die sich von anderen Anbietern ab und positionieren sich auf diesem Wege als Premiumanbieter.“

Dabei hat Apple sich schon vorher scharf von Facebook distanziert, als herauskam, dass das soziale Netzwerk viele Millionen Nutzerdaten an die rechte Propagandafirma Cambridge Analytics weitergab. Und bei der Kritik am Ausspionieren durch Facebook-Cookies auf anderen Webseiten teilt das Bundeskartellamt die Auffassung von Apple:

Es untersucht, ob Facebook seine Marktmacht in Deutschland missbraucht, weil es Nutzerdaten bereits sammelt, wenn diese andere Webseiten nur nutzen. „Dies geschieht sogar schon, wenn man zum Beispiel einen ’Gefällt Mir-Button’ gar nicht nutzt, aber eine entsprechende Seite aufgerufen hat, in die ein solcher Button eingebettet ist“, sagte Behördenchef Andreas Mundt. Den Nutzern sei dieses extreme Sammeln von Daten gar nicht bewusst.

Interessant ist dabei, wie Apple die Nutzer vor exzessiver Handynutzung schützen will. Das neue Betriebssystem bietet an, die Nutzung von Apps zuerst jeweils einzeln zu registrieren. Dann können die Kunden einstellen, wie viel Zeit sie mit einer bestimmten App verbringen wollen. und werden beim Überschreiten gewarnt.

Diese Funktion können Eltern auch für die Geräte ihrer Kinder einstellen und dabei auch festgelegte Limits festlegen. Sie können auch Uhrzeiten festlegen, ab denen ein Gerät nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden darf. Die Eltern können dabei bestimmte Apps oder Funktionen wie Telefonieren oder Bücher auswählen, die immer verfügbar sind.

Welche Apps die meisten Eltern wohl gerne für viele Stunden am Tag blockieren, ist dabei absehbar: Facebook und die beiden Facebook-Ableger WhatsApp und Instagram.

Mehr von RP ONLINE