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San Francisco: Anonymous protestiert jetzt offline

San Francisco : Anonymous protestiert jetzt offline

San Francisco (RPO). Normalerweise hacken sie fremde Webseiten. Doch nun hat sich die Gruppe Anonymous einem öffentlichen Protest angeschlossen – in San Franciscos Bahnhöfen. Dort demonstrieren wütende Einwohner nach mehreren Todesfällen gegen die hauseigene Polizei der Verkehrsbetriebe. Auch jetzt wieder. Die Folge: geschlossene Bahnhöfe und zahlreiche Festnahmen.

San Francisco (RPO). Normalerweise hacken sie fremde Webseiten. Doch nun hat sich die Gruppe Anonymous einem öffentlichen Protest angeschlossen — in San Franciscos Bahnhöfen. Dort demonstrieren wütende Einwohner nach mehreren Todesfällen gegen die hauseigene Polizei der Verkehrsbetriebe. Auch jetzt wieder. Die Folge: geschlossene Bahnhöfe und zahlreiche Festnahmen.

"Station geschlossen bis zu weiteren Informationen" steht in der abendlichen Hauptverkehrszeit auf der Anzeigetafel der Haltestelle Civic Center Station in San Francisco. Polizisten in schwerer Montur, ausgestattet mit Schlagstöcken und Waffen, stehen in Gruppen auf den Bahnhöfen. Dann geschieht das Gleiche wie schon eine Woche zuvor. Ein Dutzend Demonstranten protestiert gegen die Polizei der Bay Area Rapid Transit (Bart). Es kommt zu Verhaftungen, laut der Zeitung "San Francisco Chronicle" waren es an diesem Tag insgesamt 45.

Es ist bereits das zweite Mal, dass die Hacker-Gruppe Anonymous zu diesem Protest aufgerufen hat. Per Twitter gab es Informationen darüber und auch Tipps, wie man sich verhalten sollte. Anonymous selbst spricht selbst von einer gelungenen Aktion und twittert: "Ich frage mich, was passieren würde, wenn wir das jeden Tag machen würden" Doch warum gehen die Hacker, die - außer beim Protest gegen Scientology - eher im Verborgenen bleiben, nun in die Öffentlichkeit?

Mobilfunkstationen abgeschaltet

Die Antwort hat mit einer Protestaktion zu tun, die bereits im Jahr 2009 ins Leben gerufen wurde. Damals wurde Oscar Grant von einem Bart-Polizisten getötet. Seither gab es zwei weitere Tote - und noch mehr in der Geschichte der Bart-Polizei, wie die Organisatoren auf ihrer Webseite schreiben. Sie fordern daher, dass die hauseigene Polizei der Verkehrsbetriebe aufgelöst wird und die Untersuchungsergebnisse der Todesfälle öffentlich gemacht werden.

Wieder aufgelebt ist der Protest nach dem letzten Todesfall. Der 45-jährige Charles Blair Hill war, nachdem er auf dem Bahnhof Civic Center Station randaliert haben soll, von einem Bart-Polizisten erschossen worden, wie der "San Francisco Chronicle" schreibt. Daraufhin kam es Mitte August zu einer Demonstration auf dem Bahnhof.

Weil sich die Protestierenden über Smartphones organisierten, schalteten die Verkehrsbetriebe kurzerhand die hauseigenen Mobilfunkstationen aus - und genau das stieß Anonymous auf. Denn sie sahen das Recht auf freie Rede gefährdet. Also riefen sie die Menschen dazu auf, an jenem Ort zu demonstrieren, wo Hill ums Leben kam. An diesem Montag zum zweiten Mal.

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Stationen immer wieder geschlossen und geöffnet

Bereits in der vergangenen Woche waren vier Stationen vorsorglich geschlossen worden - auch wenn der Protest nur in einem Bahnhof stattfand. Auch diesmal waren wieder zwei Bahnhöfe betroffen. Und das verärgert vor allem die Pendler. Denn nach dem Bericht des "San Francisco Chronicle" seien die Stationen immer wieder, teils vier Mal, in der abendlichen Hauptverkehrszeit geöffnet und wieder geschlossen worden - teils innerhalb von Minuten.

So erklärte die Pendlerin Carole R. Brown gegenüber der Zeitung, sie habe vor ihrer Fahrt im Internet geschaut, ob ihr Zug auch fährt. Als sie aber am Bahnhof ankam, sei die Station geschlossen gewesen. "Ich unterstütze die Protestierenden", sagte sie. "Aber ich versuche nach Hause zu kommen. Bart hätte den Bahnhof nicht schließen sollen."

Das sieht Yvette Delozoda ein wenig anders, die auch mit einigen Demonstranten diskutierte. Sie sagte dem Blatt: "Ich möchte nur Sicherheit für alle. Nicht jeder Polizist da draußen versucht uns zu töten."

Die Proteste vom Montag werden sicherlich nicht die letzten gewesen sein. Und was die Unterbrechung der Mobilfunkstationen angeht, läuft gerade eine Untersuchung. Genau darauf zielen auch die Aktionen von Anonymous. Sie verlangen eine Entschuldigung und die Entlassung des Bart-Sprechers, der die Unterbrechung verteidigt hatte.