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Mitten in Second Life (1): Aller Anfang ist langweilig?

Mitten in Second Life (1) : Aller Anfang ist langweilig?

Düsseldorf (RPO). Das pulsierende Leben? Alles, was man sich erträumt hat und in der Realität nicht erreichen kann? Sich mal so richtig austoben? Sechs Stunden bin ich jetzt in Second Life und ich frage mich, was daran so spannend sein soll. Ich bin eine sehr neugierige Person, deswegen musste ich mich anmelden, um meinen Wissensdurst endlich zu befriedigen. Leider bin ich aber auch eine sehr ungeduldige Person.

Die Geburt meines Avatars war spannend, zweifellos. Der Name ist schnell gefunden, der Körper auch. Ich wähle den Typ "Partygirl" mit knappem Top und Hüft-Jeans. Jetzt kann es losgehen, mein prickelndes zweites Leben! Doch von prickelnd und pulsierend erst mal keine Spur. Zuerst ist Lernen angesagt — wie lebt es sich so als Avatar? Gehen, kleiden, sprechen - all das muss ich lernen. Gut, dass ich so eine Art "Avatar-Selbsterfahrungskurs" absolvieren muss. Denn mich einfach auf die Avatarheit loszulassen, könnte gefährlich sein. Meine ersten Schritte enden vor Mauern, Pfosten oder in anderen Leidensgenossen. Von Avatar-Blut aber glücklicherweise keine Spur.

Ich brauche weniger Details!

Langsam werde ich ungeduldig. Wieso soll ich mich hier mit diesen Details beschäftigen? Warum werden mir für mein Erscheinungsbild plötzlich so viele Optionen angeboten? Was interessiert es mich jetzt gerade, ob meine Augenbrauen steil nach oben zeigen oder nicht? Oder an welcher Stelle genau meine Haare voluminös sind? Plötzlich habe ich eine braune Hand in meinen Dekolletee — da steht ein männlicher Avatar vor mir und stört mich bei meinen Styling-Überlegungen. Dieser ungewollte Annäherungsversuch nervt. Offenbar kann er seine Bewegungen noch nicht kontrollieren. Er weicht einfach nicht von meiner Seite. Und reagiert auch auf mein Anquatschen nicht. Muss er wohl noch lernen. Das konnte ich dagegen intuitiv. So eine Chatfunktion ist ja nicht wirklich schwer zu verstehen.

Irgendwann macht er aber doch noch die Fliege und ich kann mich weiter auf mein Styling konzentrieren. So richtig wohl fühle ich mich mit meinem Outfit nicht, das Top ist mir etwas zu knapp, also bastele ich mir schnell ein rotes T-Shirt. Ansonsten klicke ich mich schnell durch die Optionen durch und ignoriere den ganzen Schnickschnack, damit ich endlich fertig werde. Denn ich will loslegen. Schnell noch ein Schnappschuss auf dem Thron gemacht, damit ich später ein Erinnerungsbild an meinen ersten Avatar habe.

Auch wenn ich tatsächlich begabt zu sein scheine, was das Kommunizieren in der Avatar-Welt angeht — ich muss auch alle anderen Stationen auf der "Orientation Island" brav absolvieren. So lerne ich Auto fahren — ein paar ratten- oder gürteltierähnliche Tiere müssen dran glauben — und natürlich fliegen.

Frei wie ein Vogel

Fliegen! Welcher Mensch träumt nicht davon, einfach in die Luft aufzusteigen und sich die Welt von oben anzusehen? Im wirklichen Leben die große Sehnsucht. Bis ich es richtig verstanden habe, dauert es ein bisschen. Und dann ist es auch ganz nett, ein bisschen durch die Luft zu segeln und die kleine Insel von oben zu betrachten. Aber es ist eben nur Second Life und die Gegend hier ist nach kurzer Zeit nur noch mäßig spannend. Einmal schaffe ich den Absprung vom Hochhausdach übrigens nicht. Und falle mehrere Stockwerke tief auf die Straße. Doch mein Avatar steht unversehrt wieder auf — glücklicherweise.

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Hin und wieder laufen andere Avatare an mir vorbei, die meisten so unbeholfen wie ich. Leider reagiert kaum einer auf meine Versuche der Kontaktaufnahme. Es ist ziemlich langweilig, so für sich allein auf der Insel herumzustreunen. Doch sobald ich alle Stationen erfolgreich absolviert habe, darf ich mich ja hinein stürzen in das pulsierende zweite Leben. Jetzt noch einmal der Götterfigur den Hula vortanzen, dann den Vulkan überqueren und ja! Ich habe es geschafft. Das wurde aber auch Zeit.

Zum ersten Mal teleportiert

Wo werde ich landen? Was werde ich erleben? Wen werde ich treffen? Ich bin sehr gespannt, wohin mich mein erster Teleporter bringt. Als mein Avatar endlich wieder festen Boden unter den Füßen hat, ist die Enttäuschung groß: wieder eine Art Lernstation. Was soll das? Muss ich nachsitzen, weil ich mich auf der ersten Insel so ungeschickt angestellt habe? Richtet sich das nach der Anzahl der dagegen gelaufenen Mauern? Oder weil ich vom Hochhaus gestürzt bin? Es sind noch ein paar andere Avatare da, leider wissen auch die nicht, warum sie auf dieser Insel gelandet sind. Oder sie wollen mir nicht antworten.

Doch weil ich mir nicht sicher bin, ob das eine Art Strafinsel ist, laufe ich tatsächlich herum und schaue mir die Stationen an. Mittlerweile sind es fünf Stunden — die sich anfühlen wie zehn Stunden, weil die Grafikkarte seit einiger Zeit seltsamerweise ruckelt, muckt und sehr lahm ist. Meine Ungeduld ist kaum noch zu ertragen. Klar, ich lerne wichtige Dinge: wie ich Objekte in den verschiedensten Farben und Formen erschaffe und welche Tanzstile mein Avatar so drauf hat. Und auf der ganzen Insel sind zahlreiche nützliche Dinge verteilt, die ich ganz gierig einpacke und in mein "Inventory" stecke — das übrigens schon jetzt so unübersichtlich ist, dass ich nicht weiß, was ich da so alles mit mir herumschleppe und wann ich es am besten anwende.

Pulsierendes Leben? Verzweifelt gesucht! Langweiliges Lernen - das ist mein Fazit nach den ersten sechs Stunden in meinem zweiten Leben.

Wie mein zweites Leben weitergeht? Das lesen Sie in ein paar Tagen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Second Life: die ersten Schritte