Let's Play, LeFloid, Gronkh & Co. : Wir erklären den Webvideopreis

Wenn in der kommenden Woche zum vierten Mal der Deutsche Webvideopreis verliehen wird, dann ist dies faszinierend und befremdlich zugleich. Rund 1000 Nominierte und Gäste werden im Düsseldorfer Capitol-Theater die Besten der YouTube-Szene feiern. Während der Webvideopreis der aufstrebenste deutsche Medienpreis ist, erschließt sich die Szene nicht jedem.

Auch Hunderte Kinder und Jugendliche werden wieder nach Düsseldorf reisen, um ihre von YouTube bekannten Stars persönlich zu treffen. Schon im letzten Jahr standen Eltern achselzuckend daneben und konnten die Freude ihrer Sprösslinge nur bedingt nachvollziehen. Die Erwachsenen von Heute haben zu ihren jungen Zeiten einem Autogramm von ihrem Knight-Rider-Helden David Hasselhoff, den Soap-Stars von GZSZ bis Beverly Hills 90210 oder Comedians wie Otto oder Loriot entgegengeeifert. Diese Fernseh- und Bühnen-Gesichter waren aber einem breiten Teil der Gesellschaft bekannt. Was jetzt in diesem Internet passiert, scheint nur die junge Generation zu erreichen. Das umso heftiger. Wir erklären deswegen den Webvideopreis.

Webvideopreis: 2011 ist der Webvideopreis in Essen zum ersten Mal verliehen worden. Jetzt findet er zum dritten Mal in Düsseldorf statt. Vergeben wird er von der European Web Video Academy. Hinter dem groß klingenden Namen steckt eine Gruppe von Experten, die sich mit Bewegtbild im Netz einen Namen gemacht haben. Um die Szene in Deutschland zu fördern, haben sie aus eigener Kraft den Webvideopreis gegründet.

Nominierte: In diesem Jahr gibt es mehrere Dutzend Nominierte in 14 Kategorien. Insgesamt sind in diesem Jahr mehr als 7000 Videos eingereicht worden. Die Zuschauer konnten aus allen zugelassenen Videos die Nominierten bestimmen. Mehr als eine Million Internet-Nutzer haben sich an der Kürung der Nominerten beteiligt. Eine Übersicht haben wir hier für Sie.

Preisträger: Die Preisträger stehen noch nicht fest. Eine Fachjury und die Zuschauer im Internet stimmen gemeinsam über die Sieger ab. Bis Mittwoch kann für die Nominierten hier abgestimmt werden.

Let's Play: Dieses Genre hat es in anderen Medien noch nicht gegeben. Bei Let's Play filmen sich Spieler von Computer- und Konsolen-Games. Sie führen ihre Zuschauer durch alle Level und zeigen Tips und Tricks. Es gibt Spiele-Fans, die mehr Anderen beim Spielen auf YouTube zuschauen, als das sie selbst zum Kontroller greifen. Gronkh gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Videomacher im Let's Play Bereich.

Gronkh: Das ist der Künstlername von Erik Ranger, der einer der populärsten Let's Play Webvideo-Produzenten ist. 2,9 Millionen Nutzer haben seinen YouTube-Kanal abonniert. Seine erfolgreichste Let's Play Serie widmet sich dem Spiel Minecraft. Es gibt mehr als 1200 Episoden. Für seine zahlreichen Aktivitäten hat er die PlayMassive GmbH gegründet.

  • Hintergrund : Die Nominierten der Kategorie AAA
  • Die Nominierten der Kategorie FAIL
  • Die Nominierten der Kategorie FAQ

Y-Titty: Philipp Laude, Matthias Roll und Oğuz Yılmaz sind im Netz als Phil, TC und OG bekannt. Die ersten Webvideos haben sie schon 2006 ins Netz gestellt. Seit 2010 können Y-Titty von ihren Videos leben. Sie sind die ersten YouTuber, die in Deutschland auch der breiteren Öffentlichkeit bekannt sind. Erste Ausflüge ins Fernsehen waren aber nur durchschnittlich erfolgreich. Im März haben Y-Titty einen Echo in der Kategorie Bestes Video National für das Lied "Halt dein Maul" bekommen. Kürzlich haben ihre Videos auch eine Diskussion um Schleichwerbung in YouTube-Videos ausgelöst. Im vergangenen Jahr hat das Comedy-Trio den Ehrenpreis beim Webvideopreis für ihre einflussreiche Arbeit entgegen nehmen können. In diesem Jahr sind Y-Titty nicht nominiert. Es gab nicht genug Support aus ihrer Community.

MüZe: Dieses nominierte Musikvideo ist der Grund, warum viele junge YouTube-Fans sich eine Wollmütze zugelegt haben. Das Musikvideo von DieAussenseiter hat mehr als 3,3 Millionen Zuschauer. Hinter DieAussenseiter stecken die beiden Hamburger Cousins Dima und Sascha, die mit ihrer Lebenseinstellung ("verwirrend") viele Gleichaltrige begeistern. Das MüZe-Video ist ein Beispiel für die vielen Kooperationen der YouTube-Welt. Hier gibt es viele Gastauftritte anderer YouTube-Stars.

Düsseldorf: Die Stadt braucht sich in der Webvideoszene nicht verstecken. So gewann im vergangenen jahr der Düsseldorfer Kevin Capito, der als Tabletennisgamer ein Scherz-Video über das Händewaschen veröffentlichte. In diesem Jahr können sich Lukas Tielke für sein Bike-Video mit Amir Kabbani oder Dagi Bee für ein Beauty-Video Hoffnungen auf einen Preis machen. Ebenfalls aus Düsseldorf stammt dieses nominierte Video von Reit TV.

Fail: Dieses geflügelte Wort der Netzgemeinde bringt Scheitern zum Ausdruck. Entsprechend heißt die Kategorie für die schlechtesten Videos beim Webvideopreis. Die Macher der hier nominierten Werke sollten sich nicht über eine Auszeichnung freuen. Die Botschaft ist klar: Die Vidoes haben ihren Zweck verfehlt und sind komplett an der Zielgruppe vorbei gegangen. In diesem Jahr mit dabei: Die SPD, die Grünen, die AFD, die NPD oder die Polizei NRW.

Joko & Klaas: Fernsehwelt trifft auf Internet. Wie wichtig der Webvideopreis geworden ist, zeigt sich an den Moderatoren, die in diesem Jahr durch die Gala führen werden. Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf von ProSieben moderieren die Gala am Samstagabend. "Wir werden in dieses Internet kommen", drohten die zwei Entertainer in einem Ankündigungsvideo.

Kategorien: Beim Webvideopreis werden die Sieger in 14 Kategorien bestimmt. Diese haben auf dem ersten Blick kuriose Bezeichnungen. In "Epic" wird das rundum beste Video des Jahres ausgezeichnet. "FYI" ist nicht nur im Netzjargon die Abkürzung für "for your information" ("zu Ihrer Information"), sondern auch die Kategorie für journalistische oder dokumentarische Videos. Die Kategorie "LOL" steht für "laughing out loud" ("lautes Lachen") und beinhaltet alle lustigen Videos. Das Video mit dem größten Überraschungs-Faktor wird in der Kategorie "OMG" gekürt, was für "oh my god" ("oh mein Gott") steht.

Tickets: Tickets für die Gala am kommenden Samstag gibt es nicht zu kaufen. Im Blog des Webvideopreises werden aber ein paar Möglichkeiten genannt, wie Neugierige noch Tickets gewinnen können. Wir werden im Laufe der Woche Tickets auf der Facebook-Seite von RP ONLINE verlosen. Unser Tipp: Wer seine YouTube-Stars treffen möchte, kann sich immerhin noch Tickets für die Aftershow-Party in der Nachtresidenz kaufen.

Die Gala können Sie sich am kommenden Samstag ab 18:30 Uhr auch auf RP ONLINE als Live-Stream ansehen. Wir sind mit unserern Reportern vor Ort und werden zudem im Live-Blog berichten.

(csi)