5G ab frühestens 2020 in Deutschland - Mobilfunk-Konzerne streiten um neuen Standard

Internet-Standard 5G : Beim Mobilfunk gibt es einen neuen Goldrausch

Die nächste Mobilfunkrevolution steht mit dem „tastenden Internet“ (5G) bevor – die Kunden können profitieren, die Branche streitet.

Die Traumtänzer der CSU aus Bayern hatten keine Chance: Sie und andere Politiker hatten von der Bundesnetzagentur verlangt, dass Betreiber künftiger Mobilfunknetze des Standards 5G bis 2025 praktisch jedes Haus Deutschlands mit einem Übertragungstempo von 300 Megabit pro Sekunde versorgen müssten, um eine Lizenz zu erhalten. Jetzt sollen 98 Prozent der Haushalte bis 2022 mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde versorgt sein – eine Auflage, die sich für eine Übergangszeit auch durch Aufrüstung der jetzigen LTE-Netze erfüllen lässt. „Das geht in die richtige Richtung“, sagt NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart. „Wir brauchen Tempo für das schnelle Internet statt unrealistischer Auflagen.“ Auch Thomas Jarzombek, Digitalexperte der CDU-CSU-Bundestagsfraktion und Beirat der Bundesnetzagentur, ist zufrieden über die geplante Lizenzauktion im Frühjahr 2019: „Der Vorschlag für die Versteigerung kommt mir ausgewogen vor. Die Netzagentur will Investitionen auslösen und gleichzeitig mehr Anreize für den Wettbewerb schaffen.“

Dabei geht es für Deutschland und NRW um viel. In Bonn ist die Zentrale der Telekom und in Düsseldorf der Sitz von Vodafone Deutschland – die zwei wichtigsten Investoren für die 5G-Netze sitzen also in NRW. Die Industrie von Henkel bis zu Thyssenkrupp oder auch VW in Niedersachsen hofft auf 5G, um Maschinen oder Autos besser vernetzen zu können – das Übertragungstempo ist viel höher, die Kapazitäten ebenfalls. Als Clou können Daten zwischen Geräten fast in Echtzeit ausgetauscht werden. „Das Internet wird zum tastenden Internet“, sagt der Dresdner Wissenschaftler Gerhart Fettweis, „ein Arzt in der Stadt könnte einen Untersuchungsroboter auf dem Land ohne Ruckeln steuern.“

Allerdings ist noch unklar, zu welchen Bedingungen ein weiterer Wettbewerber neben Telekom, Vodafone und der Münchner O2 (Telefonica) antreten könnte. Mitmischen will auch der Unternehmer Ralph Dommermuth aus dem Westerwald, der den mehr als zehn Millionen Kunden seiner Marken 1&1 oder Drillisch ein Angebot auf einem eigenen Netz machen will. Das würde ihn unabhängig von Telekom und Co. machen. Um Dommermuth anzulocken, möchte die Netzagentur ihm erlauben, nur jeden zweiten Haushalt mit seiner eigenen Infrastruktur zu erschließen.

Doch um seine Kunden auf dem Land versorgen zu können, fordert Dommermuth das Recht, dort 5G-Kapazitäten der Wettbewerber billig mieten zu können. Aber die Netzagentur bietet nur an, Benachteiligungen nachträglich als Schiedsrichter zu schlichten, Zwang zum „National Roaming“ lehnt sie ab. „Diese zurückhaltende Regulierung könnte Dommermuth vom Start abhalten“, sagt der Wirtschaftsprofessor Torsten Gerpott, „die Marktführer könnten ihn ausbremsen.“ CDU-Mann Jarzombek hat ähnliche Befürchtungen. Dommermuth forderte nun am Freitag, die Netzagentur müsse ihm verbindlich die Netze der Konkurrenz öffnen, wenn es Streit über die Zugangspreise gibt: „Ein Schiedsspruch ohne Umsetzungszwang ist lediglich eine Empfehlung und damit am Ende wertlos.“

Egal wie der Streit ausgeht, die Zeit drängt, Korea, Japan und die USA sind viel weiter bei der Vorbereitung der neuen 5G-Netze – die einstige Führung der Europäer beim Mobilfunk ist seit dem Start der LTE-Netze verloren. Jetzt wird 5G in Deutschland frühestens 2020 starten – in Korea lief die Technik während der olympischen Winterspiele 2018, in Japan soll 5G die Olympischen Sommerspiele 2020 noch mehr zu einer Multi-Media-Show machen, und in China und den USA gehen spätestens 2019 die ersten Metropolen ans 5G-Netz.

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