Huawei-Streit mit China: USA gewährt Unternehmen drei Monate Aufschub

Streit mit China : USA lockern Boykott für Huawei - Kommunikationsriese darf doch US-Produkte kaufen

Die USA haben einige der Einschränkungen für den chinesischen Netzwerkausrüster und Smartphone-Hersteller Huawei gelockert. Das müssen Huawei-Smartphone-Nutzer nun wissen.

Das Unternehmen darf nun 90 Tage lang US-Produkte kaufen, um seine bestehenden Netze zu unterhalten und Software-Updates für die existierenden Smartphones bereitzustellen, wie das Handelsministerium am Montag mitteilte. Der Aufschub gilt jedoch nicht für neue Produkte: Dafür sind weiterhin Lizenzen nötig. Huawei war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Mit dem Schritt wolle das US-Handelsministerium vermeiden, dass der jüngste Bann unerwünschte Nebenwirkungen habe, sagte der Anwalt und Ex-Ministeriumsmitarbeiter Kevin Wolf. "Es sieht so aus, als ob sie Netzausfälle verhindern wollen."

Die US-Regierung hat Huawei im Handelskrieg mit China auf eine Schwarze Liste gesetzt. Seither brauchen amerikanische Firmen eine Erlaubnis der Regierung, wenn sie weiter an Huawei liefern wollen. Lieferanten und Kunden von Huawei kämpfen seither mit den Folgen dieser Entscheidung, die Aktien von Chip-Lieferanten gingen in die Knie.

Huawei gilt als Hauptziel dieser Maßnahme. Die USA befürchten, dass Huawei-Technik ein Einfallstor für chinesische Spionage und Sabotage sein könnte. Huawei selbst verweist immer wieder auf seine Unabhängigkeit vom chinesischen Staat.

Der US-Gigant Google kappte am Montag in weiten Teilen seine Geschäftsbeziehungen mit dem Huawei-Konzern. Google beuge sich dem Dekret zur Telekommunikation, erklärte der US-Konzern zur Begründung. Das könnte künftig weitreichende Folgen für Huawei-Nutzer haben - betroffen sind nicht nur Updates des Android-Betriebssystems, sondern auch der Zugriff auf Dienste wie Gmail und Google Maps.

Für die Nutzer aktueller Geräte ändert sich zunächst nichts. Google rüstet mit seinem Betriebssystem Android die große Mehrheit der Smartphones weltweit aus. Eine stetige Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen ist von großer Bedeutung, damit das Android-System mit den jeweiligen Smartphones kompatibel ist.

Huawei-Chef Ren Zhengfei reagierte kämpferisch auf die Maßnahmen. Die USA "unterschätzen" die Stärke Huaweis, sagte Ren dem staatlichen Fernsehsender CCTV. Das Know How seines Konzerns bei 5G-Mobilfunknetz-Technologie sei davon nicht betroffen. Mit Blick auf Google sagte Ren, es seien Gespräche mit dem US-Konzern im Gange, wie mit dem Trump-Dekret umzugehen sei. Google sei eine "höchst verantwortungsvolle Firma".

Huawei ist einer der weltweit größten Telekommunikations- und Netzwerkausrüster. Die Technik des Konzerns spielt auch beim Aufbau von 5G-Mobilfunknetzen eine wichtige Rolle, die wiederum einer Reihe von Schlüsseltechnologien wie vernetzten Fabriken oder autonomen Fahrzeugen den Weg bereiten sollen.

(mja/AFP)
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