Stillhalten für Stereo: Was Nintendos 3DS kann

Stillhalten für Stereo : Was Nintendos 3DS kann

Düsseldorf (RPO). DS, DS Lite, DSi, DSi XL: Seit ihrer Einführung 2004 hat Nintendo seine mobile Konsole DS mehrfach überarbeitet. Am Freitag kommt nun der 3DS auf den Markt, der dreidimensionale Bilder darstellt - und das funktioniert, ohne dass der Spieler eine nervige Brille tragen muss.

3D ist das Schlagwort der vergangenen Monate in der Unterhaltungselektronik. Den Trend hat auch Nintendo aufgegriffen und seiner mobilen Spielkonsole DS ein 3D-Display verpasst: Folgerichtig heißt das neue Modell 3DS. Für rund 250 Euro bekommen Käufer 3D-Autostereoskopie geboten, also das Sehen räumlicher Bilder ohne 3D-Brille. Tests zeigen: Es funktioniert - aber ob es gut funktioniert, ist eine Frage des Blickwinkels. Entwarnung gibt es für Kinderaugen: Ihnen schaden die 3D-Bilder nicht, sagen Experten.

DS steht für Double Screen. Daran hat Nintendo auch bei der neuesten Generation seiner Klappkonsole nichts geändert, es gibt also zwei Displays. Beim oberen, knapp neun Zentimeter in der Diagonale messenden Bildschirm handelt es sich um das 3D-Display (800 mal 240 Pixel). Der untere Bildschirm misst gut siebeneinhalb Zentimeter (320 mal 240 Pixel) und ist als Touchscreen zur Steuerung ausgelegt.

3D-Effekt regulierbar

Das obere Display hat Nintendo mit einen Schieberegler versehen, mit dem der 3D-Effekt reguliert und abgestellt werden kann. "Jeder Spieler hat seine ganz eigene Wohlfühlzone, wenn es um die Tiefe von Stereobildern geht", erklärte Nintendo-Präsident Satoru Iwata in einem Interview. "Also haben wir den Nintendo 3DS so entwickelt, dass der Spieler die Tiefe situationsabhängig verändern kann."

Nintendo selbst empfiehlt, den 3D-Effekt bei Kindern unter sieben Jahren, bei denen der Sehapparat noch in der Entwicklung ist, auszuschalten. Auch eine dauerhafte Deaktivierung per Passwort ist möglich. Experten gehen hier aber von haftungsrechtlichen Motiven wegen möglicher Schadenersatzklagen in den USA aus. "Unsere Bedenken sind gar nicht so groß", sagt Georg Eckert, Sprecher des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands. Im Gegenteil: "Vereinfacht ausgedrückt ist das ein kleines Diagnostikum. Das Zusammenspiel der beiden Augen wird getestet."

"Die 3D-Darstellung ist gelungen"

Der Test in unserer Redaktion zeigt, dass die autostereoskopische Darstellung beim 3DS tatsächlich funktioniert. Allerdings muss man dafür Gerät und Kopf stillhalten. Wenn man den 3DS richtig hält, meint man, durch ein Fenster in eine weite Welt hinauszuschauen.

Verändert sich der Blickwinkel, schwindet das räumliche Bild - im Zweifel muss dann von 3D auf 2D umgeschaltet werden. Das empfiehlt sich etwa bei Spielen, die per eingebautem Bewegungssensor gesteuert werden.

Beim Spielen in Dämmerlicht ermüdeten die Augen der Tester schneller als bei heller Umgebung. Einige berichteten über leichte Kopfschmerzen, wenn die 3D-Tiefe nicht richtig justiert war.

"Der 3D-Effekt des Nintendo 3DS ist beeindruckend - wenn man das Gerät richtig hält", urteilt etwa auch die Zeitschrift "Gamepro". "Die 3D-Darstellung ist gelungen. Dabei ist uns aufgefallen, dass das Gerät relativ still gehalten werden muss", kommt etwa die Zeitschrift "PC Games Hardware" zu einem ähnlichen Urteil. "Wird der Blickwinkel nur leicht verändert, lässt sich der 3D-Effekt oftmals kaum noch richtig wahrnehmen; ein Schwindelgefühl setzt ein."

3D nur für wenige Menschen ein Problem

Kopfschmerz, Schwindel oder Übelkeit beim Anschauen von 3D-Bildern sind aber nicht die Regel. Nur zehn Prozent der Bevölkerung habe kein gutes beidäugiges Sehen, erklärt Augenarzt Eckert. Grundsätzlich kann es etwas dauern, bis man sich an den 3D-Effekt gewöhnt hat: "Einige strengen sich furchtbar an, eine 3D-Wahrnehmung zu erzeugen. Das kann unangenehme Sensationen hervorrufen."

Außer 3D gibt es noch weitere Hardware-Neuerungen. Über dem Steuerkreuz befindet sich ein Schiebepad, das alternativ für eine präzisere Bedienung genutzt werden kann. Eine sehr gelungene Alternative, wie der Test in unserer Redaktion gezeigt hat.

Beschleunigungs- und einen Bewegungssensor

An der linken unteren Seite findet sich der Lautstärkeregeler sowie ein Schacht für SD-Karten, rechts ist ein Ein- und Ausschalter für das integrierte WLAN. Dazu kommen zwei versetzte Linsen außen, die zusammen eine 3D-Kamera ergeben, sowie eine auf den Spieler gerichtete Kamera. Außerdem hat der 3DS einen Beschleunigungs- und einen Bewegungssensor.

Für letzteren entwickelt Nintendo gerade das U-Boot-Spiel "Steel Diver", das zum Beispiel auf einem Drehstuhl gespielt und gesteuert werden kann. Die Spielmodi tragen passenderweise Namen wie Side-Scrolling- oder Periskop-Action. Ebenfalls auf den Bewegungssensor zugreifen soll ein Remake von "The Legend of Zelda" namens "Ocarina of Time 3D". Auch hier kann man sich im Kreis drehen, um seine Widersacher mit der Steinschleuder zu attackieren.

Nintendo liefert den 3DS mit diversen 3D-Minigames aus, die auch Augmented Reality (AR) nutzen. Dabei nimmt die 3D-Kamera die Umgebung auf und fügt diese in die Spiele ein. Als Fixpunkte für die 3D-Kamera dienen sogenannte AR-Karten, die im Raum verteilt werden können.

3D-Fotos schießen

Bei der 3D-Fotofunktion der Konsole kann die Umgebung ebenfalls im Live-View-Modus auf dem Bildschirm betrachtet werden, der dann quasi als Sucher fungiert. Beim Druck auf den Auslöser wird ein Bild festgehalten und im Speicher des 3DS abgelegt. Weil etwa ein Blitz fehlt, ist die Qualität der Bilder nur in heller Umgebung in Ordnung. Der 3D-Effekt ist aber auch hier beeindruckend. Natürlich könenn die Bilder nur am 3DS selbst betrachtet werden.

Erweitert worden sind auch die Möglichkeiten des integrierten WLAN-Moduls. Bisher konnten nur im sogenannten Street-Pass-Modus Daten zwischen Geräten ausgetauscht werden, zum Beispiel zum gemeinsamen Spielen. Neu ist der Spot-Pass-Modus, über den kostenlose Software, Mitteilungen oder 3D-Inhalte ihren Weg auf die Konsole finden - auch im Standby-Modus.

Nintendo gibt die Batterielaufzeit des relativ stromhungrigen 3DS mit drei bis fünf Stunden an und empfiehlt, das System in das wie eine Dockingstation gebaute Ladegerät zu stecken, sobald man nach Hause kommt. Dort wird der Konsolenakku nicht nur in rund zwei Stunden geladen, sondern hängt zum Spielen direkt am Netz. Die Laufzeit konnte bei uns im Test nicht wirklich überzeugen, bei etwas über drei Stunden war Schluss, das ist deutlich zu wenig.

Abwärtskompatibel

Gut ist aber die Verarbeitung des Gerätes. Weil die Abmessungen fast denen des Vorgängers DSi entsprechen (der Neue ist zwar dicker, aber etwas schmaler) muss man sich beim Handling nicht umgewöhnen. Der 3DS ist abwärtskompatibel, es laufen also auch Spiele, die für andere DS-Modelle produziert worden sind.

Zum deutschen Verkaufsstart sollen mehr als ein Dutzend 3DS-Spiele auf den Markt kommen, darunter das Flugspiel "Pilotwings Resort", das Tierspiel "Nintendogs & Cats" und das Actionspiel "Samurai Warriors: Chronicles Tecmo". Außerdem soll es 3D-Versionen von "Die Sims 3", "Super Street Fighter IV", "Pro Evolution Soccer 2011", "Lego Star Wars III: The Clone Wars" und Klassikern wie dem Jump'n'-Run-Titel "Rayman" oder dem Rennspiel "Ridge Racer" geben. Angekündigt sind zudem 3D-Versionen weiterer Erfolgstitel wie "Metal Gear Solid", "Final Fantasy", "Dragon Quest" oder "Resident Evil: Revelations".

Hier geht es zur Bilderstrecke: So funktioniert der Nintendo 3DS

(csr)