Gaming-Handheld von Valve Windows 11 auf dem Steam Deck – Pro und Contra

Düsseldorf · Unser Autor hat den Speicher auf seinem Steam Deck blank geputzt und Windows 11 installiert. Der Gaming-Handheld erreicht dadurch ungeahnte Leistung in Spielen. Aber die kommt zu einem hohen Preis.

 Ein Mann sitzt auf dem Sofa und spiel "Dead Cells" auf dem Steam Deck. (Symbolfoto)

Ein Mann sitzt auf dem Sofa und spiel "Dead Cells" auf dem Steam Deck. (Symbolfoto)

Foto: Valve Corporation

Valves Steam Deck ist ein interessantes Stück Hardware. Optisch macht es der Switch von Nintendo Konkurrenz, will aber Valves hauseigene Steam-Bibliothek spielbar machen. Mit der Docking-Station letzteres sogar auf dem Monitor oder, noch schöner, dem Fernseher. Unser Autor war mit der Leistung aber nicht zufrieden und hat deshalb die Installation von Windows 11 auf dem Handheld ausprobiert.

Was ist das Problem mit dem Steam Deck?

Leider reicht die Leistung der Mini-Konsole für Spielgenuss auf dem 4k-Fernseher oft nicht aus. Was mitunter daran liegt, dass die meisten Spiele erst über die Proton-Schnittstelle für das Linux basierte SteamOS „verdaut“ werden müssen. Denn natives DirectX (die Standard-Windows-Schnittstelle für Spiele) gibt es unter Linux nicht und der Übersetzungsprozess in die mit Linux kompatible Vulcan-Schnittstelle ist nicht frei von Leistungsverlust. Grafisch wenig anspruchsvolle Spiele laufen in der Regel gut, aufwendige 3D-Titel meistens mit harten Einschränkungen.

Läuft Windows auf dem Steam Deck?

Das Steam Deck ist im Grunde auch nur ein kleiner PC. Seit einigen Monaten stellt Valve sogar ganz offiziell Treiber für Windows 10 und 11 bereit. Die im Internet verfügbaren Tutorials sind zwar leicht verständlich, wenn man schon mal ein Betriebssystem selbst installiert hat. Der Vorgang ist aber grundsätzlich eher etwas für Bastler und Experimentierfreudige.

Half-Life im Path-Tracing-Vergleich: vorher - nachher
16 Bilder

Half-Life im Path-Tracing-Vergleich – so schön kann der Klassiker aussehen

16 Bilder
Foto: Half-Life (Valve)/Screenshot

Was bringt es also bei Spielen?

Die gute Nachricht: Die Spieleleistung ist deutlich höher. Am Beispiel von Dark Souls 3: Lief dieses zuvor nur mit niedrigen Einstellungen und am besten in der nativen Steam-Deck-Auflösung von 1280x800, sind mit Windows problemlos mittlere Einstellungen und 1080p auf dem Fernseher möglich. Das ist beachtlich. Zweites Beispiel Everspace 2: Der aktuelle Weltraum-Shooter läuft unter SteamOS nur mit herben Rucklern. Unter Windows ist flüssiges Spielen selbst in mittleren Einstellungen in der Standard-Auflösung möglich. Drittes Beispiel Vampire Survivors: In dem Bullet-Hell-Shooter drängt sich gegen Ende einer Runde Gegner an Gegner auf der Bildfläche. Unter SteamOS wird das zur Dia-Show. Unter Windows muss das Steam Deck zwar auch ganz schön ackern, aber es bleibt spielbar.

Die schlechte Nachricht: Windows 11 ist ganz und gar nicht darauf ausgelegt, auf einem Handheld zu laufen und mit einem Gamepad gesteuert zu werden. Das fängt schon mit der Anmeldung an: Weil sich eine Bildschirmtastatur nicht automatisch öffnet, muss diese erst umständlich über die Hilfsfunktionen gestartet werden. Und diese hängt dann mitten über dem Eingabefeld. Immer wieder kommt es zu Hängern und Abstürzen, ein externes Xbox-Gamepad wird zudem von Everspace 2 nicht erkannt.

Microsoft hat die Beliebtheit des Steam Decks und die Probleme mit Windows 11 offenbar erkannt. Aufnahmen aus einem internen Hackathon zeigen, dass ein Handheld-Modus für Windows 11 zumindest erprobt wird.

Fazit

Aktuell ist Windows 11 auf dem Steam Deck nur etwas für Tüftler und jene, die wissen, was sie sich damit antun. Wenn es gut läuft, ist es umso erschreckender, welche Leistung im Steam Deck unter SteamOS ganz offensichtlich ungenutzt bleibt. Aber wenn es hakt, dann hilft oft nur aus- und wieder einschalten. Sollte Microsoft die Entwicklung eines Handheld-Modus jedoch zu Ende führen, dürfte Windows 11 für die meisten Spieler auf dem Steam Deck die bessere Wahl sein.